Bundesliga: Stögers "Pokalmannschaft" muss die Liga-Wende erzwingen

Drei Siege in Serie für den 1. FC Köln - aber eben nur in den Pokalwettbewerben. Nach dem überraschenden Erfolg gegen Arsenal hat das Bundesliga-Duell mit Hertha BSC am Sonntag mal wieder Endspielcharakter.

Drei Siege in Serie für den 1. FC Köln - aber eben nur in den Pokalwettbewerben. Nach dem überraschenden Erfolg gegen Arsenal hat das Bundesliga-Duell mit Hertha BSC am Sonntag mal wieder Endspielcharakter.

Köln. Auf den Tribünen blickten sich die Kölner Fans ungläubig an und feierten diesen Triumph gegen den großen FC Arsenal noch lange nach Schlusspfiff. In den Katakomben fasste derweil Peter Stöger die ganze Tragik dieses Sieges in einem Satz zusammen. "Wir sind halt 'ne echte Pokalmannschaft", sagte der Trainer des 1. FC Köln nach dem 1:0 (0:0) gegen den englischen Topklub mit Galgenhumor.

Denn in DFB-Pokal und Europa League hat der FC nun drei Erfolge in Serie eingefahren - in der Liga ist das abgeschlagene Schlusslicht dagegen weiter ohne Sieg. Und am Sonntag (18.00 Uhr/LIVETICKER) gegen Hertha BSC könnte wohl auch der letzte Funken Hoffnung verglimmen: Gelingt gegen die Berliner nicht der erste Dreier, könnte der Abstand auf den Relegationsplatz auf neun Zähler anwachsen.

Stöger weiß, dass auch der hart erkämpfte Erfolg gegen Arsenals B-Elf kein Garant für die Wende ist. Dem Pokalspiel in Berlin (3:1) und dem Europa-League-Sieg gegen BATE Borissow (5:2) folgten Niederlagen in der Liga. "Wir konnten diesen Schwung bislang nicht umsetzen", sagt Stöger.

Doch der Sieg im ersten Heimspiel gegen einen europäischen Topklub seit 25 Jahren soll einiges ändern. In der Mannschaft war der Trotz am Donnerstagabend spürbar. "Das kann ein Dosenöffner sein", sagte Jannes Horn: "Wenn du zu Hause gegen Arsenal gewinnst, dann kannst du auch die Hertha schlagen." Timo Horn, Torwart und Wortführer beim FC, sprach von einem "Abend, den wir nicht so schnell vergessen werden. Wenn man so einen Gegner bezwingt, dann muss das Selbstbewusstsein bringen."

Heldt bald neuer Sportchef?

Auch die Aussicht, dass der Klub schon im Winter einen neuen Sportchef präsentieren könnte, sorgte für Aufbruchstimmung in Müngersdorf. Die Gespräche mit Horst Heldt sollen konkret sein, auch wenn Hannover 96 bislang keine Bereitschaft zeigt, den 47-Jährigen abzugeben.

Mit einem Sieg bei Roter Stern Belgrad (7. Dezember) stünde Köln sogar als einziger der vier deutschen Europa-League-Starter in der Zwischenrunde. Allerdings ist fraglich, ob das Spiel gegen Arsenal wirklich als Initialzündung taugt. Gut waren vor allem die Laufarbeit und die Qualität in den Zweikämpfen, offensiv fand die Mannschaft aber erneut fast keine Lösungen und verlor in der Vorwärtsbewegung früh viele Bälle. Den Sieg sicherte Sehrou Guirassy (62.) per Foulelfmeter.

Dass Arsenal mit einer B-Elf antrat, muss die Leistung der Kölner allerdings nicht schmälern - schließlich fehlen auch Stöger zahlreiche Stützen. Nationalspieler Jonas Hector, Marcel Risse, Marco Höger, Dominique Heintz, Leonardo Bittencourt, Simon Zoller, Claudio Pizarro und Christian Clemens konnten gegen Arsenal nicht eingesetzt werden.

Köln mit langer Liste an Verletzten

Zudem erlitten am Donnerstag auch Abwehrchef Dominic Maroh und Stürmer Jhon Cordoba Muskelverletzungen und werden bis zum Jahresende fehlen. Damit gehen Stöger gegen die Hertha vor allem die Verteidiger aus, denn Frederik Sörensen ist am Sonntag gesperrt. "Der Kader schmilzt dahin", sagte Timo Horn, "es ist unfassbar, welches Pech wir in dieser Saison haben."

Auch im Mittelfeld und Sturm muss Stöger auf einige Profis verzichten, Nationalspieler Jonas Hector und Marcel Risse sind nur die prominentesten Ausfälle. "Schon gegen Arsenal hatten wir jetzt eine Mannschaft auf dem Platz, die es nicht gewohnt ist, so zusammenzuspielen", sagte der Österreicher: "Wir müssen uns gegen die Hertha wieder ein Team zurechtlegen, das in der Lage ist, erfolgreichen Bundesliga-Fußball zu spielen."

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