Bundesliga-Rückkehr: Schweinsteiger auf Beckenbauers Spuren?

Martin Volkmar

Bastian Schweinsteiger lässt es sich derzeit gut gehen.

Vor der Geburt des gemeinsamen Kindes im Frühjahr genießt der frühere deutsche Nationalspieler die Zweisamkeit mit Ehefrau Ana Ivanovic derzeit in einem mehrwöchigen Urlaub.

Das zeigen die vielen Bilder des Glamourpaars in den sozialen Netzwerken am Meer, in europäischen Großstädten oder auf dem Golfplatz.


Berufliche Zukunft ist offen

Privat ist also offensichtlich alles bestens bei Schweinsteiger, doch seine berufliche Zukunft ist offen.

Denn sein Vertrag beim MLS-Klub Chicago Fire, mit dem er in der ersten Runde der Playoffs Ende Oktober ausgeschieden war, läuft am Jahresende aus.


Für einiges Aufsehen sorgte daher die Meldung der Welt am Sonntag, dass dem einstigen Idol von Bayern München auch Angebote aus der Bundesliga vorliegen sollen.

Doch wie realistisch ist eine solche Rückkehr nach Deutschland? SPORT1 nennt Pro und Contra.

Das spricht dafür:

Die entscheidenden Fragen sind: Will Schweinsteiger noch einmal sein Können in der Bundesliga unter Beweis stellen? Und wer könnte Interesse an ihm haben und von einem Transfer profitieren?

"Ich habe erst einmal nur für ein Jahr unterschrieben, weil ich sehen wollte, wie alles ist", sagte er kürzlich zu Eurosport: "Stand der Dinge ist, dass ich noch diesen Vertrag habe. Aber ich habe noch nichts anderes und bin für alles offen. Und dann werden wir sehen, was passiert."

Der 33-Jährige ist natürlich weit von seiner früheren Weltklasseform entfernt, gehört aber als Mittelfeldspieler auch noch nicht zum alten Eisen. Andrea Pirlo etwa führte Juventus Turin vor zweieinhalb Jahren mit damals 36 noch ins Champions-League-Finale.

Schweinsteiger kann noch immer ein Team führen, hat ein glänzendes Auge, schießt starke Standards und besitzt vor allem eine Aura, die beim Gegner nach wie vor Eindruck hinterlässt.


Vorbild Beckenbauer

Als Vorbild könnte in Franz Beckenbauer eine andere Bayern-Ikone dienen. Der "Kaiser" wechselte nach seinem Gastspiel bei New York Cosmos 1980 mit 35 Jahren zum Hamburger SV und wurde dort nochmal Deutscher Meister.

Der mal wieder abstiegsgefährdete HSV könnte einen erfahrenen Stabilisator im Mittelfeld durchaus gebrauchen, ganz abgesehen von der immensen PR-Wirkung.

David Beckham etwa ging Anfang 2013 mit 37 Jahren aus den USA zu Paris Saint-Germain und gewann nicht nur die Meisterschaft, sondern refinanzierte seinen Transfer fast vollständig durch die zusätzlichen Trikotverkäufe.

Neben Hamburg könnte ein solcher Imagegewinn gerade für Bundesligisten aus dem Tabellenmittelfeld mit großer Tradition und großem Fan-Rückhalt reizvoll sein – selbst für den Fall, dass Schweinsteiger nur selten spielen würde. Etwa Hertha BSC oder Eintracht Frankfurt, das von Schweinsteigers einstigem Bayern-Teamkollegen Niko Kovac trainiert wird.

Das spricht dagegen:

Für Bayern-Fans ist es unvorstellbar, dass der langjährige Publikumsliebling in Deutschland noch mal in einem anderen Trikot auflaufen könnte.

Für solch "ewige Treue" sprechen auch Schweinsteigers Aussagen im Interview mit SPORT1 kurz nach seinem Wechsel zu Chicago im Frühjahr.

"Natürlich war es so, dass auch andere Vereine Interesse gezeigt haben. Innerhalb von Europa, habe ich von Anfang an gesagt, möchte ich nicht wechseln. Da gab es für mich nur zwei Vereine, Bayern München und Manchester United", erklärte er da.

Es wäre überraschend, wenn der Weltmeister von 2014 von dieser Feststellung wieder abrücken würde. Zumal ohnehin die Frage ist, ob er angesichts seines Alters und seiner Verletzungsanfälligkeit noch dauerhaft auf höchstem Niveau mithalten kann.

Und ein Schweinsteiger, der als Schatten seiner früheren Glanzzeiten nur noch hinterherläuft, würde seinem hervorragenden Image mehr schaden als nützen. Als negatives Beispiel dient das Bild des nach Luft japsenden Ex-Bayern-Stars Stefan Effenberg auf seiner letzten Bundesligastation in Wolfsburg.

Finanzieller Aspekt

Hinzu kommt die Frage, wer sich Schweinsteiger leisten kann und will. Neben der Unsicherheit über die noch vorhandene sportliche Qualität sprechen die finanziellen Aspekte dagegen, denn auch zuletzt in Chicago verdiente der gebürtige Oberbayer rund fünf Millionen Euro.

Ohnehin ist es trotz der enttäuschenden ersten Saison alles andere als ausgeschlossen, dass Schweinsteiger in Chicago verlängert. Privat gefällt ihm die gegenüber Europa ungewohnte Anonymität sehr, sportlich sieht er mit dem Klub durchaus Perspektiven.

Klarheit dürfte erst Ende Januar herrschen, wenn das Winter-Transferfenster in Europa schließt.