Bundesliga: Mehr als eine Notlösung: Warum Pavard so wichtig für Bayern ist

Weil Joshua Kimmich zu Saisonbeginn ins defensive Mittelfeld drängte, stieg der ursprünglich für die Innenverteidigung eingeplante Benjamin Pavard zum neuen Rechtsverteidiger des FC Bayern auf. Eine Notlösung, von der mittlerweile keine Rede mehr sein kann, wie nicht zuletzt beim 2:0-Sieg der Münchner gegen Union Berlin deutlich wurde.

Es mangele ihm an Explosivität, seine Flanken seien verbesserungswürdig und generell: Er verkörpere einfach nicht den Offensivdrang, den Joshua Kimmich in dieser Rolle verkörpere. All das wurde Benjamin Pavard nachgesagt, nachdem er seine ersten Spiele auf der rechten Abwehrseite des FC Bayern absolviert hatte.

Selbst die Verantwortlichen schienen nicht gänzlich überzeugt von der Idee gewesen zu sein, hinten rechts mit dem französischen Weltmeister zu planen, der für 35 Millionen Euro vom VfB Stuttgart gekommen war. Ja, sie lobten ihn, insbesondere in Person von Uli Hoeneß, der im Sport1-Doppelpass meinte, Pavard könne zu einem der besten Bayern-Transfers aller Zeiten werden. Aber sie rüsteten im Januar nach, indem sie mit Alvaro Odriozola einen gelernten und vermeintlich den höchsten Ansprüchen gerechten Rechtsverteidiger für ein halbes Jahr von Real Madrid ausliehen, um Zeit auf der Suche nach einer größeren Lösung zu gewinnen.

Pavard: Mehr als eine Notlösung für den FC Bayern

Diese größere Lösung dürften Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn, die Anführer der neuen Transfer-Taskforce des deutschen Rekordmeisters, inzwischen aber nicht mehr benötigen. Das vermeintliche Rechtsverteidigerproblem ist nämlich gar keines - wegen Pavard. Der zeigt spätestens in der Rückrunde, dass er weitaus mehr als eine Notlösung ist und der für seinen Offensivdrang bekannte Odriozola überhaupt nicht gebraucht wird. So auch in Berlin am Sonntag, als der 24-Jährige mehr als nur mit seinem Kopfballtreffer zum entscheidenden 2:0 in der 80. Minute auftrumpfte.

Pavard gab auch insgesamt die zweitmeisten Torschüsse der Münchner (3) nach Serge Gnabry (4) ab, hatte die drittmeisten Ballaktionen (105) nach den beiden Sechsern Kimmich (112) und Thiago (110) und brachte 92,8 Prozent seiner 64 Pässe an seine Mitspieler (Bestwert). Zahlen, die belegen, dass er ins Spiel des Rekordmeisters eingebunden ist, sehr wohl auch Dampf nach vorne entfacht und dabei eine geringe Fehlerquote aufweist.

FC Bayern: Nur Kimmich spielt häufiger als Pavard

"Benji macht es gut, egal auf welcher Position", sagte Bayern-Trainer Hansi Flick schon vor der Corona-Unterbrechung über den Mann mit der Nummer 5. Der würde nach eigenen Angaben zwar lieber seiner gelernten Rolle als Innenverteidiger nachgehen, meint aber auch: "Hauptsache ich spiele." Das tut er. Mit 24 von 26 möglichen Startelf-Einsätzen in der Bundesliga zählt er sogar zu den Dauerbrennern im Kader von Flick, von allen Feldspielern ist nur Kimmich (25 Einsätze) eine noch größere Konstante. Wettbewerbsübergreifend kommt Pavard auf 36 Einsätze, drei Treffer und fünf Vorlagen. Achtmal spielte er dabei in der Innenverteidigung, einmal half er hinten links aus - sonst immer rechts in der Viererkette. Keine schlechten Werte für jemanden, der von einem Absteiger kam und eher als Investition für die Zukunft, statt als sofortige Stammkraft galt.

An der Säbener Straße sind sie vor allem beeindruckt von seiner Physis. Der Rechtsfuß legt abseits des Mannschaftstrainings viele Extraschichten ein und arbeitet speziell an seiner Kraftausdauer, um Verletzungen vorzubeugen. Vor seiner Ankunft in München im vergangenen Sommer machte er sich mit einem Personaltrainer auf der griechischen Insel Mykonos fit, absolvierte unter anderem Bergläufe mit Widerstandsseilen.

Verteidiger mit Offensivqualitäten: Pavards Zahlen 2019/20

Gespielte Minuten 3160
Tore 3
Vorlagen 5
Fehler, die zu Gegentoren führten 1
Kreierte Chancen (inkl. Vorlagen) 24
Hereingaben/Flanken (die einen Abnehmer fanden) 82 (23)
Passquote 90,3 %
Zweikampfquote 55,6 %
Tacklequote 71,4 %

Sergino Dest: Eine gute Ergänzung zu Pavard?

Dass er nicht aneckt, sondern mit einer für einen Weltmeister eher unüblichen Demut und Ruhe an seine Arbeit herangeht, kommt beim FCB zusätzlich gut an. Pavard ist "Everybody's Darling". Und doch darf man davon ausgehen, dass im Sommer noch ein neuer Rechtsverteidiger an die Isar kommen wird. Wohl keiner vom Kaliber Achraf Hakimi oder Benjamin Henrichs, die im Januar noch als Kandidaten galten, sondern eher ein junges, international eher weniger erprobtes Talent, das ohne jeglichen Druck aufgebaut werden kann.

Sergino Dest von Ajax Amsterdam soll ganz oben auf der Liste der Münchner stehen. Der 19-jährige US-Nationalspieler gilt als sehr schnell und dabei technisch versiert. Damit könnte er zu einer Art Pendant des gleichaltrigen Linksverteidigers Alphonso Davies avancieren - wohl aber vorerst nur eine gute Ergänzung zu Pavard darstellen. Dafür ist dieser zu beständig und zu verlässlich. Und dafür tummeln sich mit dem umfunktionierten David Alaba, dem "auferstandenen" Jerome Boateng, dem nahezu wieder genesenen Niklas Süle und dem Rekord-Neuzugang Lucas Hernandez derzeit zu viele Spieler für die Innenverteidigung im Kader, um Pavard wieder auf Anhieb dort einzuplanen. Möglicherweise ist er ja sogar der bessere Rechts- als Innenverteidiger. Auch, wenn er das selbst nicht gerne hören dürfte.

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