Bundesliga: Leverkusens eigenständige Offensive: Leon wollte es so

Der mitentscheidende taktische Kniff zum 2:0-Sieg von Bayer 04 Leverkusen gegen den FSV Mainz 05 war ein Positionstausch zwischen Julian Brandt und Leon Bailey. Die Idee dazu kam nicht von Trainer Heiko Herrlich, sondern von den Spielern selbst.

Der mitentscheidende taktische Kniff zum 2:0-Sieg von Bayer 04 Leverkusen gegen den FSV Mainz 05 war ein Positionstausch zwischen Julian Brandt und Leon Bailey. Die Idee dazu kam nicht von Trainer Heiko Herrlich, sondern von den Spielern selbst.

Anders als ihr 46-jähriger Chef Heiko Herrlich haben der 21-jährige Julian Brandt und der 20-jährige Leon Bailey noch keine Ausbildung zum Fußballlehrer durchlaufen und verfügen somit natürlich auch über keine Trainer-Lizenzen, -Zertifikate oder -Anstecknadeln. Das hinderte das Duo aber nicht daran, mit einem taktischen Kniff das Spiel zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem FSV Mainz 05 mitzuentscheiden - und sich somit einen ersten Arbeitsnachweis für eine potenzielle zweite Karriere zu erwerben.

Irgendwann während der Halbzeitpause muss es gewesen sein, als sich Brandt und Bailey kurz unterhielten. "Leon wollte auf rechts und mir ist es eigentlich egal wo ich spiele", berichtete Brandt nach dem Spiel von der kurzen Besprechung. Also wechselte Bailey vom linken auf den rechten Flügel und Brandt vom rechten auf den linken. Keine drei Minuten nach dem Wiederanpfiff stand es 1:0 für Leverkusen. Fortan gab es mehr Räume für Angriffe, 20 Minuten später legte Wendell das 2:0 nach.

Schüsse statt Flanken

Die Geschichte dieses letztlich siegbringenden Positionstauschs begann in der ersten Halbzeit. Leverkusen zeigte von Beginn an einen sicheren Kombinationsfußball und spielte sich vor allem auf den Flügeln immer wieder tief in die gegnerische Hälfte. Was folgte, waren zahlreiche hohe Flanken in den Mainzer Strafraum.

Nicht einmal eine Minute war etwa gespielt, als Brandt den Ball erstmals in die Mitte schlug, der eingelaufene Bailey verpasste dort aber knapp. Insgesamt zwölf Mal probierte es Leverkusen in der ersten Halbzeit mit einer Flanke aus dem Spiel. Linksfuß Bailey von der linken Seite und Rechtsfuß Brandt von der rechten Seite. Verwertet wurden jedoch keine. Mal fehlte die Präzision, mal klärte einer der drei großgewachsenen Mainzer Innenverteidiger (Hack: 1,93 Meter, Diallo: 1,88, Gbamin: 1,86) per Kopf.

Also beschlossen Brandt und Bailey, die Seiten zu tauschen. "Wir wollten dadurch bewirken, dass wie beide nach innen ziehen können und öfter zum Abschluss kommen", sagte Brandt. Und tatsächlich: In der 48. Minute drosch Bailey den Ball mit links von halbrechts ins Tor. Fünf Minuten später verpasste Brandt von der anderen Seite knapp. Die Anzahl der Leverkusener Flanken aus dem Spiel verringerte sich in der zweiten Halbzeit gleichzeitig um ein Drittel.

Herrlich fördert Eigeninitiative

"Wir wollten einen neuen Impuls setzen und das hat sich schnell ausgezahlt", sagte Brandt und lächelte verschmitzt. Mit "wir" meinte er sich und Bailey. Ihr Trainer, erklärte Brandt dann überraschenderweise, hätte von dem Positionstausch nichts gewusst. "Wir vier vorne sind recht frei in den Sachen, die wir machen. Wir können herumtauschen", erklärte Brandt.

"Es ist kein Problem, wenn sie ihre Positionen wechseln, es müssen nur immer alle Positionen besetzt sein", sagte Herrlich nach dem Spiel und lobte, dass Brandt und Bailey "gut selbstständig entschieden haben". Mit dieser Herangehensweise regt Herrlich seine Spieler nicht nur zum aktiven Mitdenken an und fördert somit ihre Eigeninitiative - sondern nimmt sie gleichzeitig auch in die Verantwortung. Denn es sind schließlich die Spieler selbst, die mit ihren Leistungen darüber entscheiden, ob sich ihre eigenen Umstellungen positiv auswirken.

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