Bundesliga: Korkuts Minimalistenfußball führt zum Erfolg

Der VfB Stuttgart hat seine letzten drei Bundesligaspiele mit 1:0 gewonnen und unter dem neuen Trainer Tayfun Korkut den Turnaround geschafft. Korkuts Vorstellungen werden vom Team dabei perfekt umgesetzt. Sie sind nicht unbedingt schön anzuschauen - aber verdammt effektiv.

Der VfB Stuttgart hat seine letzten drei Bundesligaspiele mit 1:0 gewonnen und unter dem neuen Trainer Tayfun Korkut den Turnaround geschafft. Korkuts Vorstellungen werden vom Team dabei perfekt umgesetzt. Sie sind nicht unbedingt schön anzuschauen - aber verdammt effektiv.

Ein veritabler Shitstorm hatte sich über den Stuttgarter Talkessel ausgegossen, als Tayfun Korkut Ende Januar als neuer VfB-Trainer verkündet wurde. Ätzende Kommentare, Austritte aus dem Verein, Unverständnis allerorten. Der junge, aufregende Hannes Wolf war durch einen vergleichsweise farb- und ebenfalls erfolglosen Trainer ersetzt worden, dessen Spielidee man nicht wirklich einordnen konnte. Die Vereinsführung stand mächtig im Wind.

Vier Wochen später ist jedem klar, wie die "Spielidee Marke Korkut" ausschaut. Und noch klarer ist, dass sie derzeit den Erfolg bringt, den man beim VfB so dringend braucht. Zehn Punkte aus vier Spielen, plötzlich stehen 30 Zähler und sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz auf der Habenseite. Erst das 1:1 in Wolfsburg, dann 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach, 1:0 gegen Augsburg und 1:0 gegen Frankfurt. Ein Minimalismus, mit dem Griechenland vor 14 Jahren unter König Otto Europameister wurde.

Wer fragt da noch nach Schönspielerei? "Im Moment geht es nur um Ergebnisse, die tun uns richtig gut", erklärte Andreas Beck nach dem Sieg über Frankfurt. "Auch wenn wir vielleicht keinen Fußball spielen, der berauscht." Eintracht-Trainer Niko Kovac drückte es etwas drastischer aus: "Der VfB hat heute ein Spiel gewonnen, das kein gutes Niveau hatte. Wir waren noch schlechter."

Schlecht spielen, knapp gewinnen. Wie hat Korkut das geschafft?

Stuttgart unter Korkut: Viererkette, Erfahrung, zwei Stürmer

Der Coach setzt auf eine kompakte Defensive, soweit nicht überraschend. Er ist von der Dreier/Fünferkette aber abgekehrt und hat auf vier Mann in der letzten Linie umgestellt. In der Viererkette ist Routinier Beck gesetzt, nachdem der in den Rückrundenspielen zuvor auf der Bank saß. Kapitän Christian Gentner rückte auf die ungewohnte rechte Außenbahn, auf der Sechs spielt plötzlich Holger Badstuber. Damit hat Korkut eine Menge Erfahrung ins Spiel gebracht, auch um das junge Innenverteidiger-Duo Baumgartl/Pavard zu schützen.

Offensiv sind mit Mario Gomez und Daniel Ginczek zwei echte Sturmspitzen im Zentrum - eine Aufstellung, die man so in der Bundesliga nur noch sehr selten sieht. Die Aufgabe der beiden: ackern, Gegenspieler binden, sich in jeden Zweikampf stürzen. Ginczek bestritt gegen Frankfurt stolze 37 Eins-gegen-eins-Duelle, bei Gomez waren es gegen den FCA sogar 38.

Wenn im Spiel nach vorne etwas geht, dann vor allem über links. Insua spielt seinen Part in der Kette sehr viel offensiver als Beck, Thommy gibt mit seiner Schnelligkeit fast einen Außenstürmer. Flanken und weite Bälle auf die beiden Türme vorne drin, früher oder später setzen die sich durch und es wird gefährlich. Und wenn man erst einmal führt, stehen die sechs Defensiven noch tiefer: Badstuber ließ sich gegen Frankfurt am Ende zurückfallen und erschuf eine Fünferkette.

Das gute alte "Pseudo-Kick-and-Rush" auf Ginczek und Gomez lässt sich an den Zahlen belegen: In allen vier Spielen unter Korkut hatte der Gegner deutlich mehr Ballaktionen und eine bessere Passquote, nur beim 1:1 in Wolfsburg erreichte der VfB 40 Prozent Ballbesitz.

Hat Stuttgart schon im März den Klassenerhalt sicher?

Fazit: Körperbetonter, taktisch nicht übermäßig komplexer Fußball, eine bislang auftrumpfende Defensivabteilung - und eine neue Mentalität im Team. Eine "richtige Männermannschaft" habe man wieder auf dem Platz, schwärmte Sportvorstand Michael Reschke.

Am rettenden Ufer angelangt sei man jedoch noch lange nicht, betonten die Protagonisten. "Wir dürfen jetzt nicht denken, alles ist gut und es läuft von alleine", warnt Korkut, während Ginczek mehr Tore fordert - schließlich wird man irgendwann auch wieder einen fangen.

Sechs bis acht Punkte brauche man noch, heißt es. Gut möglich, dass man die schon im März gesammelt hat. Drei der nächsten vier Gegner heißen Köln, Freiburg und HSV. Sollte das gelingen, wird es dem Stuttgarter Talkessel völlig egal sein, dass Korkuts Ideen eher an König Otto als an Pep Guardiola erinnern.

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