Bundesliga: Kommentar: Baustellenverein Borussia

Borussia Dortmund kassiert unter Peter Bosz einen Rückschlag nach dem anderen. Bei der Pleite beim VfB Stuttgart gab es zwar auch gute Ansätze, aber die negativen Erkenntnisse überwiegen. Der BVB ist im Moment nur die Karikatur einer Spitzenmannschaft. Ein Kommentar von Andreas Lehner.

Borussia Dortmund kassiert unter Peter Bosz einen Rückschlag nach dem anderen. Bei der Pleite beim VfB Stuttgart gab es zwar auch gute Ansätze, aber die negativen Erkenntnisse überwiegen. Der BVB ist im Moment nur die Karikatur einer Spitzenmannschaft. Ein Kommentar von Andreas Lehner.

Krise! Zu Beginn der sportlichen Talfahrt haben die Verantwortlichen mit drastischer Wortwahl gegen diese Bezeichnung der Niederlagenserie gekämpft. Mittlerweile wäre jedes andere Wort eine fürchterliche Untertreibung. Der BVB befindet sich in der schwersten Phase, seit der Verein unter Jürgen Klopp auf den letzten Tabellenplatz abgesackt ist.

Ein Punkt aus den letzten fünf Spielen, das ist die Bilanz eines Abstiegskandidaten. Durch den starken Saisonstart ist das Punktekonto noch ordentlich gefüllt, auch wenn 20 Punkte nach zwölf Spielen zu wenig sind für die Ansprüche der Dortmunder. Viel schlimmer ist aber, dass der BVB nicht nur die Statistiken einer Mannschaft aus dem Tabellenkeller aufweist, sondern in Teilen auch so spielt.

Die Partie in Hannover war ein Tiefpunkt der bisher kurzen Ära Bosz. Ein Champions-League-Teilnehmer ohne Einstellung kassierte bei einem Aufsteiger vier Gegentore und hätte sogar noch höher verlieren können. Gegen den FC Bayern stimmte die Mentalität, aber der BVB war nie wirklich dran, das Spiel zu gewinnen.

Nach der Länderspielpause sollte alles besser werden und die erste Hälfte in Stuttgart kann man durchaus als ordentlich durchgehen lassen. Aber in der zweiten Hälfte kollabierte das Team. Den Nackenschlag des zweiten Gegentreffers verkraftete die Mannschaft nicht.

Druck auf Bosz, Watzke und Zorc wächst

Borussia Dortmund erfüllt in der aktuellen Phase kein Kriterium einer Spitzenmannschaft. In allen Mannschaftsteilen fehlt es an individueller Qualität, eine funktionierende Hierarchie ist nicht erkennbar, der Trainer bleibt taktisch, personell und verbal Lösungen schuldig und auch die vor der Saison als Kernziel ausgegebene gute Atmosphäre ist gestört.

Dass Pierre-Emerick Aubameyang für die Partie in Stuttgart suspendiert wurde, ist sicher mehr als eine Randnotiz. Die Maßnahme zeigt, dass es in Dortmund deutlich mehr Baustellen gibt als die Debatte über ein schnell entschlüsseltes Bosz-System. Gegen die Tottenham Hotspur und Schalke 04 soll er in den Kader zurückkehren. Damit werden aber die grundlegenden Probleme dieser Tage nicht gelöst. Der BVB braucht mehr als einen egozentrischen Stürmer, der noch dazu seiner Form hinterherläuft.

Im Fußball ist es nun mal so, dass mit Negativserien der Druck auf den Trainer wächst, das ist auch in Dortmund nicht anders. Allerdings stehen beim BVB auch die Verantwortlichen Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc aufgrund ihrer Entscheidung im Sommer contra Tuchel und später pro Bosz ebenfalls im Fokus. Die nächste Woche wird mit den beiden Topspielen richtungsweisend.

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