Bundesliga: Kevin Volland: Bayers neuer Torjäger

Beim 2:2 gegen Rasen Ballsport Leipzig erzielte Kevin Volland mit seinem siebten Saisontor den Ausgleich für Bayer 04 Leverkusen. Die Mannschaft bestätigte im Duell mit dem Vizemeister wieder mal ihre gute Form und ist nun seit sieben Spielen ungeschlagen.

Beim 2:2 gegen Rasen Ballsport Leipzig erzielte Kevin Volland mit seinem siebten Saisontor den Ausgleich für Bayer 04 Leverkusen. Die Mannschaft bestätigte im Duell mit dem Vizemeister wieder mal ihre gute Form und ist nun seit sieben Spielen ungeschlagen.

Es war ein sehenswerter Treffer, als Volland in der 74. Minute den Ball per Seitfallzieher zum Ausgleich in den Leipziger Kasten bugsierte. Während des gesamten Spiels merkte man ihm das Selbstvertrauen an, mit dem Volland aktuell sein Spiel bestreitet.

Schon zuvor hatte der Stürmer eine gute Chance per Kopf zur Leverkusener Führung gehabt, bei der er die Körpersprache eines Torjägers an den Tag legte.

Kevin Volland scheint endlich angekommen zu sein in Leverkusen, nachdem er in seiner ersten Saison unter Roger Schmidt und Tayfun Korkut - auch verletzungsbedingt - auf nur 23 Einsätze (6 Tore) kam. 16 Partien machte er von Anfang an. Bei Heiko Herrlich stand Volland in dieser Saison bislang in jedem Bundesligaspiel in der Startelf und das dankt er seinem Trainer mit Toren.

Der Treffer gegen RB Leipzig war Vollands drittes Tor in den vergangen vier Spielen. Dazu steht bei ihm in diesem Zeitraum noch ein Assist zu Buche. In dieser Spielzeit steht er nun davor, seine persönliche Karrierebestmarke aus dem Jahr 2014 zu knacken, als der 25-Jährige für die TSG 1899 Hoffenheim elf Saisontore erzielte.

Im Zeichen der Erbse - Bayers Rekordsturm

Volland war sowohl in der letzten Saison als auch zuvor in seinen vier Jahren in Hoffenheim nicht als Torjäger Nummer eins im Sturmzentrum eingeplant, sondern sollte seine Qualitäten über die linke Außenbahn einbringen.

Doch nach dem Abgang von Chicharito zu West Ham United im Sommer und der späten Verpflichtung von Lucas Alario suchte Heiko Herrlich zu Saisonbeginn nach Lösungen für das Problem im Sturmzentrum.

Die Position des Mittelstürmers ist in Leverkusen in der Vergangeheit immer prominent besetzt gewesen. Ob Völler, Kirsten, Berbatov, Kießling oder eben Chicharito - Bayer hatte vorne immer einen, der für 15 Buden oder mehr gut war. Aktuell sucht man unterm Bayerkreuz den nächsten echten Goalgetter.

Die Kandidaten Volland und Alario haben nicht nur ihren Torinstinkt gemeinsam, beide sind bei ihrer Ankunft in Leverkusen als Rekordtransfers der Rheinländer verpflichtet worden. Volland kam im letzten Jahr für 20 Millionen Euro aus Hoffenheim, Alario löste ihn dann nach etwas mehr als zwölf Monaten als teuerster Neuzugang der Vereinsgeschichte ab. Bayer 04 zahlte für den Stürmer 24 Millionen Euro an River Plate.

Zu Beginn der Saison mühte sich die Werkself beim Drittligisten Karlsruher SC durch einen Sieg in der Verlängerung in die zweite Runde des DFB-Pokals und konnte in der Liga erst am vierten Spieltag den ersten Dreier einfahren. Zu diesem Zeitpunkt stand Bayer auf Rang 17 und Herrlich bereits leicht unter Druck. Beim 4:0-Sieg über den SC Freiburg erzielte Volland seinen ersten von zwei Doppelpacks in dieser Saison.

Volland nimmt in Herrlichs System eine wichtige Rolle ein und bietet sich immer mehr als Antwort auf die Frage an, wer das Loch füllen soll, das Javier "die Erbse" Hernandez in Leverkusens Angriff gerissen hat.

Werner, Wagner, Volland - wer fährt zur WM?

Wenn Volland weiter so spielt und trifft, kann er sich gute Chancen ausrechnen, im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Russland von Bundestrainer Joachim Löw für die anstehenden Länderspiele des DFB-Teams nominiert zu werden.

Frühestens im März nächsten Jahres könnte er dann sein Comeback in der Nationalelf geben, wenn Deutschland zwei Freundschaftsspiele gegen Spanien und Brasilien bestreitet. Für den amtierenden Weltmeister stand Volland zuletzt vor genau einem Jahr, im November 2016 gegen Italien, auf dem Rasen.

Sollte sich Volland nachdrücklich bei Löw für den WM-Kader empfehlen, wird die Konkurrenz im deutschen Sturm aber weiterhin hoch sein. Gerade auf den offensiven Außenbahnen hat der Bundestrainer die Qual der Wahl. Im Sturmzentrum ist derzeit Timo Werner gesetzt und Sandro Wagner der designierte Backup. Vollands Vorteil wäre es, dass er beides spielen kann - sowohl Außen- als auch Mittelstürmer.

Den Confed Cup im Sommer diesen Jahres musste Volland absagen, weil er sich kurz vor dem Turnier einen Muskelfaserriss zugezogen hatte.

"Das war für mich ärgerlich. Andere gute Spieler wie Lars Stindl, Sandro Wagner oder Timo Werner haben dann ihre Chance genutzt. Wir haben in Deutschland ein Luxusproblem. Auf jeder Position kannst du fast fünf, sechs Spieler auf Topniveau auswählen. Ich bin realistisch, will einfach meine Leistung im Verein zeigen. Alles andere kann ich nicht beeinflussen", sagte Volland kürzlich im Sportbuzzer. "Es wird nicht leicht - doch versuchen und geben werde ich alles."

Mit dem Sprung in die A-Elf des DFB tut sich Volland seit Jahren schwer. Seit seinem Debüt unter Löw nach der WM 2014 bestritt er zehn Länderspiele und steht bei einem Treffer und einem Assist. Der beim TSV 1860 München groß gewordene Angreifer durchlief von der U17 an alle Jugendauswahlen des DFB. Zwischen 2008 und 2012 erzielte Volland 24 Tore in 44 Länderspielen für die deutschen Nachwuchsteams.

Erst der Klub, dann die WM

Bevor Volland jedoch über die Weltmeisterschaft nachdenken kann, stehen für ihn die Ziele mit Bayer Leverkusen in der Bundesliga im Vordergrund. Der Klub hat sich seit dem vierten Spieltag von Position 17 auf neun vorgearbeitet und hat aktuell das drittbeste Torverhältnis der Liga hinter Bayern und Dortmund. Vier Punkte fehlen auf Platz vier.

Nach dem enttäuschenden zwölften Platz aus dem Vorjahr will die Werkself wieder ins europäische Geschäft einziehen.

"Wir müssen mit Leverkusen auch als Mannschaft Erfolg haben, dann hast du immer ein anderes Ansehen. Wir spielen wieder einen attraktiveren Fußball, das wird auch von unseren Fans honoriert. Wir sind auf einem guten Weg. Das darf natürlich kein Anlass, sich nun auszuruhen. Nichts läuft von allein. Das konnten wir aus der vergangenen Saison lernen."

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