Die Bundesliga hat ein Elfer-Problem

SID
·Lesedauer: 3 Min.

Nach der Elfmeterflut vom vergangenen Wochenende bezog Mats Hummels Stellung. Denn was derzeit in den deutschen Bundesligastadien in Sachen Strafstößen passiert, stößt dem 31-Jährigen bitter auf.

"Mal ein Kommentar von einem Spieler dazu: Es werden viel zu viele Elfmeter gepfiffen. Sowohl bei Handspielen als auch bei angeblichen Fouls (Stichwort "Kontakt")", twitterte der Innenverteidiger.

Zustimmung dafür bekam er wenig später von seinem Verteidigerkollegen Matthias Ginter. Kernaussage: Ohne Kontakt geht es im Fußball nicht, auch nicht in der aktuellen Zeit.

Elfmeter-Rekorde in der Bundesliga

Und doch stellt das deutsche Oberhaus derzeit Rekorde auf. Zehn Elfmeter gab es am vergangenen Spieltag, nur das Topspiel zwischen Hummels' Klub Borussia Dortmund und Bayern München kam ohne Strafstoß aus. Nur in der Saison 1971/72 gab es jemals mehr Elfmeter an einem Spieltag (zwölf).

So extrem der Spieltag für sich betrachtet sein mag, so klar ist die Tendenz: 30 Elfmeter nach sieben Spieltagen sind Bundesligarekord.

Schalke schimpft

Besonders heftig hat es die ohnehin schon gebeutelten Schalker erwischt. Bereits sechs Elfmeter wurden in der laufenden Spielzeit gegen die Königsblauen gepfiffen, am vergangenen Spieltag im Kellerduell beim FSV Mainz 05 gleich zwei. Vor allem die Art und Weise, wie unterschiedlich der Videobeweis in beiden Szenen eingriff (oder auch nicht eingriff) ließ die Schalker schäumen.

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"Ganz ehrlich: Es reicht jetzt irgendwann mal, wir sind immer anständig, wir sind immer fair und geben dem Schiedsrichter hinterher immer die Hand. Ich weiß nicht, was da in Köln los ist", echauffierte sich Sportvorstand Jochen Schneider danach. Trainer Manuel Baum empfand den zweiten Mainzer Strafstoß gar als "ungeheuerlich". Ohnehin trägt der "VAR" seinen Teil zur Inflation der Strafstöße bei. Vermeintlich leichte Fouls, die nicht gepfiffen wurden, werden (zu?) oft überprüft, andere strittige Szenen wiederum nicht.

Auch Streich ohne Verständnis

Beim Spiel zwischen RB Leipzig und dem SC Freiburg (3:0) etwa war SC-Trainer Christian Streich sauer über die Elfmeterentscheidung vor dem 2:0 durch Marcel Sabitzer, die der Videoassistent nicht überprüfte. "Heutzutage heißt es 'Kontakt'. Es gab einen Kontakt. Ich habe immer gedacht, es muss ein Foul geben", sagte Streich und schlug damit in die gleiche Kerbe wie Hummels.

Hinzu kommt das ewige Thema Handspiel. Seit vergangener Saison gilt jede "unnatürliche Vergrößerung" der Körperfläche als strafbar, die Definition darüber, was genau "unnatürlich" ist, obliegt im Spiel dem Schiedsrichter. Eine Vergleichbarkeit war zuletzt nicht mehr gegeben, auch hier meldete sich der Videoassistent immer wieder.

Elferflut auch in der Premier League

Der Versuch der Regelhüter, durch die Änderung die Handspielregel einfacher zu machen, ging eher nach hinten los. Als prominentester Vertreter hatte sich daher zuletzt UEFA-Präsident Aleksander Ceferin für eine erneute Änderung der Handspielregel ausgesprochen.

Die Bundesliga steht mit der aktuellen Situation übrigens nicht alleine da. Selbst in der englischen Premier League, die von mehreren Seiten stets für ihre großzügigere Gangart gelobt wird, haben die Elfmeterentscheidungen in der laufenden Saison rapide zugenommen. I

n 78 Partien gab es bereits 43 Strafstöße. Der Schnitt von 0,53 würde, sofern er auch am Saisonende Bestand hat, den alten Bestwert aus der Saison 2006/07 pulverisieren.