Bundesliga: Gladbachs Dreierkette: Vorbereitung auf den Endspurt

Borussia Mönchengladbach hat bei der 0:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt erstmals mit einer defensiven Dreierkette gespielt. Im direkten Duell gegen einen anderen Europa-Anwärter testete Trainer Dieter Hecking für den Endspurt um Europa.

Borussia Mönchengladbach hat bei der 0:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt erstmals mit einer defensiven Dreierkette gespielt. Im direkten Duell gegen einen anderen Europa-Anwärter testete Trainer Dieter Hecking für den Endspurt um Europa.

Es glich schon beinahe einem Skandal, dass die Borussia in der vergangenen Woche gleich zwei Mal unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainierte. Was in Dortmund Gang und Gäbe ist, waren die Borussia-Reporter nicht gewöhnt. Die Vermutung lag nahe, dass Dieter Hecking ein neues Spielsystem installierte. Schließlich beeindruckt die Borussia ihre Gegner nicht unbedingt durch ihre einschüchternde Defensive (32 Gegentore).

Angesprochen auf eine mögliche Dreier-Abwehrkette gegen Eintracht Frankfurt sagte Hecking: "Ich gehe davon aus, dass wir wieder mit Viererkette spielen, weil wir das eben aus dem Effeff können." Nur ein Schachzug? Es schien, als wolle man das neue 3-4-3-System behutsam installieren. Damit die Fohlen, so Hecking, "im April, wenn es für uns hoffentlich um das europäische Geschäft geht, das eine oder andere Ass im Ärmel haben".

Den ersten Testlauf startete Hecking dann wider Erwarten nur einen Tag später. Statt einer Viererkette aus dem Effeff, die ohnehin nicht zuverlässig funktionierte, stemmte sich also eine unausgereifte Dreier- respektive Fünferkette gegen das vertikal ausgerichtete Offensivspiel der Eintracht. Zumindest versuchte sie das.

Das Potenzial des neuen Systems war erst in Durchgang zwei zu erkennen. "Hin und wieder ein wenig zu offensiv gepresst" (Hecking), "zu viele Räume freigegeben" (Kramer): Das Gladbacher Fazit zum Erstversuch fiel realistisch aus.

Die Dreierkette kostet Gladbach die Punkte

Die Angriffsreihe um Lars Stindl, Michael Cuisance und Thorgan Hazard presste extrem hoch. Aufgrund der fehlenden Unterstützung des nicht nachrückenden Mittelfelds klafften Freiräume im Mittelfeld, durch die Gladbach keinen Zugriff auf den Gegner fand.

Die theoretisch gegebene numerische Überzahl im Mittelfeld kam auch deshalb nicht zustande, weil die Außen Oscar Wendt und Patrick Herrmann, der auf seiner neuen Position völlig überfordert war, zu häufig auf einer Linie mit der Abwehrreihe standen (insgesamt schlugen die beiden zwei Flanken). Gegen die im hohen Tempo konternden Frankfurter kamen Gladbachs Hintermänner selten in die Zweikämpfe. Die Borussia gewann in den ersten 45 Minuten lediglich 36,4 Prozent der Eins-gegen-Eins-Duelle.

Gladbachs neues System hat Potenzial

Nach dem Wiederanpfiff offenbarte sich das Potenzial der Gladbacher Dreierkette. Die Borussia stand nun kompakter und übte so mehr Druck auf das Frankfurter Aufbauspiel aus. Und prompt kamen die Fohlen zu Chancen. Zwölf der 14 Torschüsse verbuchte Gladbach in Durchgang zwei, auch in Sachen Zweikampf war die Borussia plötzlich obenauf (50,8 Prozent).

Dass die Hecking-Elf am Ende nichts aus der Commerzbank-Arena mitnahm, lag schließlich auch an der schwachen Chancenverwertung. "Es war ein harter Kampf, aber ich finde, dass wir alles gebracht haben, was man für einen Auswärtssieg braucht", resümierte Jannik Vestergaard.

Ein ausgereiftes 3-4-3-System, eines, das man aus dem Effeff spielen kann, könnte Gladbach viele Vorteile verschaffen - gerade mit Blick auf die instabile Defensive. In diesem gefährlichen Anfangsstadium droht der Borussia jedoch noch der eine oder andere Punktverlust.

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