Bundesliga: Filip Kostic beim Spiel gegen Mainz: Der personifizierte HSV

Filip Kostic traf beim 0:0 des Hamburger SV gegen den FSV Mainz 05 erst die Latte, erzielte dann ein Tor aus Abseitsposition und verschoss schließlich einen Elfmeter. Mit seinem Auftritt war er der personifizierte HSV.

Filip Kostic traf beim 0:0 des Hamburger SV gegen den FSV Mainz 05 erst die Latte, erzielte dann ein Tor aus Abseitsposition und verschoss schließlich einen Elfmeter. Mit seinem Auftritt war er der personifizierte HSV.

"Filip Kostic ackerte unermüdlich", heißt es im Spielbericht auf der vereinseigenen Homepage des Hamburger SV, "doch ihm klebte das Pech an den Füßen."

So wenig treffend die Vorstellung des HSV im Spiel zuvor war, so treffend diese Aussage: Das metaphorische Pech klebte an Kostic und zwar nicht mit metaphorischem Tesafilm oder Uhu, sondern mit metaphorischem Superkleber. Kostic war die tragische Figur dieses aus Sicht des HSV so tragischen 0:0 gegen den 1. FSV Mainz 05.

Mit einem Sieg gegen den aktuellen Inhaber des Relegationsplatzes 16 hätte der HSV bis auf vier Punkte an selbigen heranrücken können. Und Kostic war der Mann, der dafür sorgte, dass dieser Sieg sehr möglich erschien. Er war es aber auch, der dafür sorgte, dass er nicht Realität wurde.

Es lief die 22. Minute, als Kostic auf einmal mitten im Strafraum frei auftauchte und direkt abschloss: Mainz-Keeper Florian Müller riss die Hände aber hoch und lenkte den Ball an die Latte. Zwei Minuten später lief Kostic von der rechten Seite in den Strafraum und schoss den Ball ins Tor. Er durfte sogar jubeln und auch der Tormusik lauschen, doch dann meldete sich der Videoassistent und verwehrte dem Treffer wegen einer Abseitsstellung zurecht die Anerkennung. In der 48. Minute flankte Kostic von der linken Seite in den Strafraum, wo der Ball über einen kurzen Umweg bei Rick van Drongelen und von dort abermals an der Latte landete.

Und dann kam die 62. Minute und mit ihr die Krönung aller Tragik. Gian-Luca Waldschmidt war im Strafraum gefoult worden. Entschlossen nahm sich Kostic den Ball und schoss ihn vom Elfmeterpunkt so Richtung Tor, dass Müller parierte. Das war's: 0:0.

Kostic, der personifizierte HSV

Der HSV führte alle Statistiken im Vergleich mit Mainz an und Kostic im Vergleich mit seinen Mitspielern, er war in diesem Spiel also der personifizierte HSV. Kostic gab die meisten Torschüsse ab (vier), die meisten Schüsse aufs Tor (drei), lieferte die meisten Torschussvorlagen (drei, gemeinsam mit Aaron Hunt) und die meisten angekommenen Flanken (drei). Seine 58 Ballaktionen waren Bestwert aller Hamburger Offensivspieler.

Nominell agierte Kostic in Bernd Hollerbachs 4-2-3-1-System zwar auf dem linken Flügel, aber er interpretierte diese Rolle sehr frei. Er wollte überall helfen und das lässt sich bestens an den vier tragischen Szenen ablesen: ein Schuss aus dem Zentrum, ein Lauf von rechts, eine Flanke von links und eine Standardsituation.

Die Konstante Kostic

Nachdem Hollerbach Mitte Januar als Trainer des HSV übernommen hatte, änderte er die taktische Ausrichtung zunächst in ein 5-3-2 - mit Kostic als zweiter Spitze. "Filip hat immer Aktionen und ist gefährlich", erklärte Hollerbach seine Maßnahme damals. "Ich wollte ihm ein bisschen mehr Freiraum geben, weil er die fußballerische Klasse hat, aus wenig viel zu machen."

In seinen ersten beiden Spielen als Stürmer gegen RB Leipzig und Hannover 96 traf Kostic jeweils zum 1:1-Ausgleich und sagte: "Ich fühle mich in diesem System wohl." Nachdem der HSV dann aber gegen Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen verlor, kehrte Hollerbach zum 4-2-3-1 zurück und beorderte Kostic erneut auf den linken Flügel.

Gegen Mainz zumindest theoretisch. Während Kostics Pendant auf rechts Bakery Jatta mehr wie ein klassischer äußerer Mittelfeldspieler agierte, gab Kostic einen Stürmer-Flügel-Hybridspieler. Eine linkshängende Spitze versetzt hinter Sven Schipplock. Nach Bobby Wood, Jann-Fiete Arp und Andre Hahn der vierte unterschiedliche Angreifer, den Hollerbach in seinen bisherigen sechs Spielen aufbot.

Die Konstante daneben war stets Kostic, von der Welt jüngst sogar als "Hoffnungsträger" bezeichnet. Gegen Mainz war er aber nur der tragische Filip.

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