Bundesliga: Dortmund nach dem Sieg gegen die Hertha: Alles wie immer

Im ersten Spiel nach dem Abgang von Ousmane Dembele hat Borussia Dortmund Hertha BSC überzeugend geschlagen . Nuri Sahin, Christian Pulisic und Mario Götze standen dabei im Fokus. Genau wie die Frage: Kommt noch wer?

Im ersten Spiel nach dem Abgang von Ousmane Dembele hat Borussia Dortmund Hertha BSC überzeugend geschlagen. Nuri Sahin, Christian Pulisic und Mario Götze standen dabei im Fokus. Genau wie die Frage: Kommt noch wer?

Als das Spiel von Borussia Dortmund gegen Hertha BSC angepfiffen wurde, war Ousmane Dembeles Emanzipation vom BVB noch längst nicht abgeschlossen. Die Ablöse von 105 Millionen Euro, die noch auf bis zu 147 Millionen Euro anwachsen könnte, war schon längst ausgemacht, aber auf Twitter stockte die Anpassung noch. Dembele hatte seine als Profilfoto dienende Comic-Figur zwar schon von schwarz-gelb auf blau-rot umgekleidet, aber darunter stand immer noch: #7. Bei Barcelona wird er ja die #11 werden.

Womöglich fand Dembele für diese Berichtigung noch keine Zeit, weil er sich erst um all die Beglückwünschungen kümmern musste, die da so eintrudelten. Seine Follower auf Twitter freuten sich nämlich ausgiebig mit ihm: Die neuen Mitspieler und Landsmänner Lucas Digne und Samuel Umtiti hießen ihn willkommen und sogar Benjamin Mendy von Manchester City gratulierte. Genau wie Pierre-Emerick Aubameyang. Von Borussia Dortmund. "Vergiss nicht, mir eine Dauerkarte zu reservieren", schrieb er.

Glück hatten Dembele und Aubameyang in dieser Angelegenheit insofern, als dass Barcelona an diesem Samstagabend nicht im Camp Nou, sondern auswärts in Alaves spielte. Dembele hätte sich sputen müssen, eine Dauerkarte zu organisieren. Und Aubameyang hatte ja zeitgleich einen beruflichen Termin in Dortmund.

Die Fans singen, Aubameyang trifft, Dortmund gewinnt

Aubameyang war also nicht verhindert, stand in der Startelf und, keine Viertelstunde war gespielt, brachte er seine Mannschaft auch schon in Führung. Es war das erste Spiel nach dem tosenden Abschied von Dembele, aber so viel war gar nicht anders als zuvor. Wie immer traf Aubameyang, genau wie in seinen letzten acht Pflichtspielen auch. Wie immer sangen die Fans vor dem Spiel inbrünstig "You'll Never Walk Alone". Und wie (fast) immer gewann der BVB letztlich auch. Keines der vergangenen 39 Heimspiele hat Dortmund verloren, 32 davon gewonnen.

Für den neuen Trainer Peter Bosz war es dagegen der erste Heimsieg, es war aber auch erst sein erstes Heimspiel in der Bundesliga. Nach dem Abpfiff stand er dann da und sagte: "Die Atmosphäre war unglaublich. Im Supercup war sie schon schön, aber heute war das noch viel besser. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, an unserem Spiel müssen wir aber noch arbeiten."

Zufriedenheit, aber auch noch etwas Arbeit. Diese Aussage fasst die aktuelle Post-Dembele-Situation in Dortmund ganz gut zusammen. Angesprochen dürfen sich viele fühlen, vor allem aber Nuri Sahin, Christian Pulisic und Mario Götze.

Sahin, der zentrale Part

Da wäre also Sahin, der das 1:0 mustergültig vorgeflankt und das 2:0 mustergültig selbst eingehämmert hatte. "Wenn wir Nuri erreichen, dann wird es gefährlich", sagte Bosz nach dem Spiel. Sahin agierte auf der Sechs, er ordnete von dort das Spiel und gab das Tempo vor - immer wieder mit riskanten Schnittstellenpässen.

Sahin war der zentrale Part im System von Bosz. Im wichtigsten Spiel der vergangenen Saison war Sahin dagegen gar kein Part. Der damalige Trainer Thomas Tuchel hatte ihn aus dem Kader für das DFB-Pokal-Finale gestrichen. Dieser Rückschlag brachte Sahin ins Grübeln.

"Ich stand im Sommer an einem richtungsweisenden Punkt in meiner Karriere", erinnerte er sich nun. Denn: "Mir ist einfach wichtig, dass ich gebraucht werde." Aber auch: "Ich will ein Teil der BVB-Familie sein." Der neue Trainer hätte ihm dann in einem Gespräch im Sommer genau das versichert. Versichert, dass er Sahin braucht. Und dann hieß es, wie Sahin erklärte: "Arbeiten, arbeiten, arbeiten - und genießen." Gegen Hertha stand beides an und "genau da muss ich jetzt weitermachen".

Pulisc, der mögliche Profiteur

Ein bisschen zufrieden sein und weiter arbeiten: Das trifft auch bestens auf den erst 18-jährigen Christian Pulisic zu. Er könnte zum großen Profiteur des Dembele-Transfers werden, er könnte sich langfristig dessen Stammplatz sichern. Und dass er daran gesteigertes Interesse hat, war beim Spiel gegen die Hertha von Beginn an zu merken.

Keine 15 Sekunden waren gespielt, als Pulisic erstmals rechts am Strafraum ins Dribbling ging. Er blieb zwar hängen, aber probierte es und probierte es wieder. 50 Mal war Pulisic insgesamt am Ball, fünf Mal schloss er ab und zwei Schüsse bereitete er vor.

Mal dribbelte Pulisic und zeigte Übersteiger wie in der 28. Minute; mal flankte er wie in der 34.; mal kam er durch die Zentrale und zog aus der Distanz ab wie in der 52.; mal kam er von links und probierte sich mit einem Schlenzer wie in der 82. Pulisic war umtriebig und aktiv. Er versprühte Spielfreude und Gefahr, an der Präzision muss er aber noch arbeiten. Denn Scorerpunkt sammelte er keinen: Mal blieb er im Dribbling hängen, mal verpasste er mit der Flanke den Kopf eines Kollegen knapp, mal schoss er haarscharf am Tor vorbei.

Götze, der Dankbare

Und außerdem wäre da noch Mario Götze, der nach langer krankheitsbedingter Zwangspause vergangene Woche sein Bundesliga-Comeback gefeiert hatte. Äußerst auffällig spielte er zum Auftakt in Wolfsburg, nun gegen die Hertha eher solide. Zufrieden war er trotzdem: "Ich freue mich über jedes Spiel, das ich machen kann, und bin dankbar, spielen zu können." Einfach spielen können, darauf hatte Götze monatelang hingearbeitet: "Aber ich wusste immer, dass ich ein Ziel habe." Nun habe er jedenfalls wieder ein "super Gefühl", berichtete er.

Die Verantwortlichen des BVB haben dagegen aktuell ein bisschen das Gefühl, zumindest einen Teil der eingenommenen Millionen aus dem Dembele-Transfer auf dem Transfermarkt wieder ausgeben zu müssen. Fünf Tage bleiben dafür noch, ein möglicher Kandidat auf einen Wechsel ist offenbar Mittelstürmer Kasper Dolberg.

Die Zukunft der Dembele-Millionen

"Wir sagen nichts zu irgendwelchen Namen", hatte der Vorstandsvorsitzende Hans-Joachim Watzke auf Dolberg angesprochen vor dem Spiel gesagt. Trainer Bosz hätte dagegen sicherlich viel zu Dolberg zu sagen, kennt er ihn doch bestens. In der vergangenen Saison hat Dolberg bei Ajax Amsterdam unter Bosz gespielt - und getroffen, 16 Mal in 29 Ligaspielen.

Dolberg ist erst 19 Jahre alt, genauso alt also wie Dembele, als er im vergangenen Sommer für 15 Millionen Euro von Stade Rennes nach Dortmund gewechselt war. Er ist nun in Barcelona und Dortmund versucht den Abgang mit dem aktuellen Kader und womöglich auch neuen Talenten aufzufangen.

Reichlich Geld ist ja da und aktiv unterstützt wird der Klub künftig darüber hinaus auch vom neuen Mitglied Detlef Steputat, der den jährlichen Betrag von 62 Euro beisteuern wird. Vor dem Spiel gegen die Hertha wurde er im Stadion feierlich willkommen geheißen - als 150.000. Vereinsmitglied.

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