Bundesliga: Dembeles zweite BVB-Saison: Teil der Lebensversicherung

Ousmane Dembele von Borussia Dortmund wird mit einem Wechsel zum FC Barcelona in Verbindung gebracht . Doch die Dortmunder Verantwortlichen haben bislang nicht nachgegeben, denn der 20-Jährige gehört schon jetzt zu den wichtigsten Spielern beim BVB. Sein Reifeprozess muss trotz seines jungen Alters aber weiter voranschreiten.

Ousmane Dembele von Borussia Dortmund wird mit einem Wechsel zum FC Barcelona in Verbindung gebracht. Doch die Dortmunder Verantwortlichen haben bislang nicht nachgegeben, denn der 20-Jährige gehört schon jetzt zu den wichtigsten Spielern beim BVB. Sein Reifeprozess muss trotz seines jungen Alters aber weiter voranschreiten.

Noch am vergangenen Samstag saß Roman Bürki im BVB-Trainingslager in Bad Ragaz vor den anwesenden Medienvertretern und erzählte, die Integration neuer Spieler liefe bei der Borussia immer problemlos ab. Der Keeper lobte den Teamgeist und die gute Stimmung innerhalb der Truppe.

Es kam daher überraschend, dass zwei Tage später am Montag ein Trainingsstreit zwischen eben Bürki und Ousmane Dembele ausbrach. Wo genau das Problem in diesem Moment lag, ließ sich nicht herauskriegen.

Das Tete-a-tete zwischen beiden hatte dennoch nicht mehr als handelsüblichen Charakter. Auswirkungen auf die Chemie innerhalb der Mannschaft sollten nicht zu befürchten sein.

Dembele als Heißsporn bekannt

Dass Dembele mit dabei war und von Mitspielern eingefangen werden musste, ist wiederum nicht allzu überraschend. Dembele, das hat die vorige Saison zu genüge gezeigt, ist ein Heißsporn auf dem Fußballplatz. Einige Male stand er hauchdünn vor einem Platzverweis, da er seinen Unmut nach Fouls und Provokationen seiner Gegenspieler oder fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen nicht zügeln konnte.

Dembele ist diese Problematik bewusst. Er gibt zu, oftmals "gereizt und wütend" zu reagieren. "Doch ganz ausschließen kann ich es nicht, dass mein Temperament manchmal mit mir durchgeht", sagte er dem kicker Ende Mai.

"Auf mich hört er", erzählte sein Teamkollege Pierre-Emerick Aubameyang, als Dembele im Champions-League-Achtelfinale gegen Benfica schon vor dem Pausenpfiff rotgefährdet war. Bislang funktionierte es immer, dass der Franzose doch auf dem Feld blieb, nachdem die Mitspieler ihm ins Gewissen redeten.

BVB-Lebensversicherung mit Aubameyang

Ansonsten würde man sich auch tief ins eigene Fleisch schneiden. Dembele benötigte kaum Anlaufzeit, um zu einem der wichtigsten Spieler beim BVB zu werden. Aufgrund seiner explosiven Entwicklung möchte man beinahe Ottmar Hitzfeld widersprechen, der kürzlich meinte, Aubameyang sei Dortmunds Lebensversicherung und der einzige Spieler im Kader, der nicht zu ersetzen sei.

Dies ist natürlich keine falsche Einschätzung, wenngleich fast im selben Atemzug Dembele genannt werden müsste. Der 20-Jährige ist ein großer Teil der BVB-Lebensversicherung und Hauptzulieferer für Aubameyangs Treffer.

"Was wir bei ihm gesehen haben, war außergewöhnlich. Sowohl was seine Entwicklung angeht als auch seine Bedeutung für die Mannschaft. Man hat immer das Gefühl, dass er etwas Besonderes machen kann, den Unterschied herstellen kann. Er kann mit Einzelaktionen Spiele entscheiden, selbst solche, in denen er nicht so richtig drin ist", bilanzierte Sportdirektor Michael Zorc Dembeles erste Saison in schwarzgelb.

Gerüchte um Dembele werden bleiben

Wundern tut sich über Dembeles Entwicklung kaum ein Klub der europäischen Elite. Viele dicke Fische waren im Vorjahr an ihm dran, doch der Ruf der Borussia, besonders gut mit jungen Talenten umzugehen und sie mittels ausreichender Spielanteile auf die nächste Stufe zu hieven, ist mittlerweile ein Faustpfand, das zahlungskräftigere Verein ausstechen kann.

Dembele wird nicht Ewigkeiten in Dortmund bleiben und sich seinen nächsten Verein aussuchen können. Das steht jetzt schon fest. Erst recht, wenn man sich vor Augen führt, wie oft er bereits mit einem vorzeitigen Abgang aus Dortmund in Verbindung gebracht wurde.

Der nun bestätigte Wechsel von Barcelonas Neymar nach Paris und die damit verbundene Frage, ob nicht Dembele der geeignete Nachfolger des Brasilianers sei, wird die von den zahlreichen Gerüchten reichlich genervten BVB-Verantwortlichen noch eine Weile lang beschäftigen.

Dembele widerspricht Wechsel-Spekulationen

"Ganz ehrlich, diese Spekulationen interessieren mich nicht im Ansatz. Ich bin gerne in Dortmund, habe mich bewusst für diesen Klub nach meiner Station in Stade Rennes entschieden", ließ Dembele erst kürzlich via Bild verlauten.

Bei seinem Transfer nach Dortmund scheint Zorc mit Dembele und seiner Entourage klar besprochen zu haben, nicht gleich beim ersten Gerüchte-Wirbel einzuknicken. Zwar sind gerade durch das Neymar-Geld unmoralische Angebote in Nähe der dreistelligen Millionengrenze nicht mehr utopisch, ein Abgang noch in dieser Transferperiode ist nach Zorcs Machtwort dennoch unwahrscheinlich und käme sehr überraschend.

Schließlich ist beim BVB die Personalplanung abgeschlossen, was Neuzugänge angeht. Und davon bräuchte es schnellstmöglich einen hochkarätigen, um Dembeles Einfluss auf das Spiel zu kompensieren.

Wie schon im Fall Aubameyang hat Dortmund den Zeitpunkt, an dem endgültige Planungssicherheit bestehen muss, selbst klar festgelegt. Der neue Trainer Peter Bosz wird Dembele mindestens genauso sehr brauchen wie den Torschützenkönig, damit sein Start bei der Borussia Chancen auf Erfolg hat.

Dembeles Reifeprozess muss voranschreiten

In Abwesenheit des verletzten Marco Reus wird es für Dembele in der neuen Spielzeit darauf ankommen, den eigenen Reifeprozess als Fußballer und Persönlichkeit ungeachtet seines jungen Alters weiter voranzutreiben.

Reus verpasste bereits im Vorjahr den Saisonstart und Dembele merkte man in manchen Phasen trotz seines Talents an, dass ihn die große Verantwortung für Dortmunds Offensivbereich auch hemmen konnte.

Als Reus dann wieder auf dem Feld stand und Dembele vom Flügel mehr ins Zentrum als eine Art zweiter Zehner einrückte, war zu sehen, dass ihm diese Last nicht mehr auf den Schultern lag. Der Franzose braucht noch erfahrene Spieler um sich herum, er fühlte sich so merklich freier.

Dembele für den "neuen" BVB unverzichtbar

"Ich muss vor dem Tor noch effektiver werden und darf mir keine dummen Ballverluste erlauben", sagt Dembele. Dem ist uneingeschränkt zuzustimmen, denn bei aller Klasse unterlaufen dem Instinktfußballer noch zu viele leichtsinnige Fehler.

Seine Dribblings und Drehungen sind in Kombination mit der atemberaubenden Geschwindigkeit für kaum einen Gegner in den Griff zu bekommen. Doch Dembele könnte noch deutlich gefährlicher werden, wenn er Stockfehler, Ungenauigkeiten im Passspiel und unkonzentrierte Torabschlüsse vermeiden würde. Auch das Umschalten in die Defensive oder ins Gegenpressing muss er verbessern, um den neuen Dortmunder Fußball helfen zu können.

Diese Schritte wird Dembele nun gehen müssen, das ist für den "neuen" BVB unter Bosz kaum verzichtbar. Dembele kommt nicht umher, bereits jetzt eine höhere Verantwortung als im Vorjahr zu tragen und eine noch verlässlichere, konstante Säule zu bilden. Der Anspruch ist gestiegen, daran trägt er mit seinen Leistungen und der Wichtigkeit für das gesamte Offensivspiel den größten Anteil.

Dembele wird sich zuvorderst zügeln müssen, damit ihm für diese Rolle weniger Gäule durchgehen. Die Gegner kennen seinen Spielstil jetzt. Und wenn jemand leicht zu provozieren ist, wird er auf dem Fußballplatz auch gerne einmal pausenlos provoziert.

Den Dortmunder Bossen ist bewusst, dass Behutsamkeit weiterhin ein guter Ratgeber im Umgang mit Dembele ist. Der Weg zum fertigen Spieler ist für ihn noch weit, bei seinen Fähigkeiten könnte es aber auch schnell gehen.

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