Bundesliga: Coman: Der neue bajuwarisch-französische König

Kingsley Coman hat beim 3:1-Sieg des FC Bayern München gegen Hannover 96 überzeugt. Sein Trainer und seine Mitspieler sind begeistert von seiner Entwicklung - vor allem, weil der Franzose an seinen Schwächen arbeitet.

Kingsley Coman hat beim 3:1-Sieg des FC Bayern München gegen Hannover 96 überzeugt. Sein Trainer und seine Mitspieler sind begeistert von seiner Entwicklung - vor allem, weil der Franzose an seinen Schwächen arbeitet.

Die Zuschauer in der Allianz Arena erheben sich. Es wird laut. "Ribery! Ribery!", skandieren die Fans. Fast genau zwei Monate nach seinem letzten Spiel gegen Hertha BSC wird Franck Ribery in der 89. Minute gegen Hannover 96 eingewechselt.

Bis zum Abpfiff wenige Minuten später feiern die Fans den Franzosen und singen "Oh, Franck Ribery" auf die Melodie von Champs Elysees.

Es ist der emotionale Höhepunkt der Partie. Auch für den Gefeierten selbst. "Für mich ist es immer ein besonderer Moment, wenn die Fans meinen Namen rufen oder singen", sagte der Publikumsliebling nach der Partie im Bauch der Allianz Arena: "Ich bin schon lange hier und habe ein besonderes Verhältnis zu den Fans. Egal, ob ich nur ein paar Minuten gespielt habe, es ist vor allem wichtig, dass ich wieder bei der Mannschaft bin."

Ribery kommt für Matchwinner Coman

Die Standing Ovations bei Riberys Einwechslung galten dabei nicht ausschließlich dessen Comeback. Nein, er betrat den Rasen für den Matchwinner, seinen Landsmann und designierten Nachfolger auf dem linken Flügel der Bayern: Kingsley Coman.

Auch Coman hatte zuletzt pausieren müssen. Gegen Hannover 96 meldete sich der 21-Jährige mit einer beeindruckenden Vorstellung zurück.

Heynckes zufrieden mit Comans Leistung

"Er hat sich bis heute ausruhen können, er hatte ja eine Fußprellung und hat immer wieder vor den Spielen versucht zu spielen und dann ging es wieder nicht. Diese Woche hat er ganz normal trainieren können und das war selbstverständlich eine großartige Leistung", ordnete sein Trainer Jupp Heynckes hinterher auf der Pressekonferenz ein: "Seine langen Läufe kosten wahnsinnige Kraft. Da braucht man eine sehr gute Fitness und die hat er jetzt mittlerweile. Es ist erfreulich, wie er sich bei uns entwickelt."

Coman ließ Hannovers Rechtsverteidiger Julian Korb und den rechten Innenverteidiger Oliver Sorg in nahezu jedem Eins-gegen-Eins stehen und spielte seinen Geschwindigkeitsvorteil stark aus. Mit 33,38 km/h hatte er von allen Spielern auf dem Platz die höchste Endgeschwindigkeit, nur Joshua Kimmich (34) zog mehr Sprints an als Coman (26).

Comans Qualitäten im Sprint und im Eins-gegen-Eins sind bekannt. In den letzten Wochen unter Jupp Heynckes hat er jedoch auch gezielt daran gearbeitet, seine Effizienz zu steigern: "Dass Kingsley außergewöhnliche Fähigkeiten hat, die nicht an jeder Ecke zu finden sind, das wissen wir. Wenn er die PS - und er hat wirklich ein paar PS - auf den Rasen bringt, dann hat es jeder Gegner schwer. Er persönlich hat intensiv an seinen Flanken mit links gearbeitet, da kamen heute schon ein, zwei Hereingaben sehr gut. Die Flügelläufe hatte er ja schon immer drauf. Und wenn er es jetzt auch noch hinbekommt, dass die zu Torchancen führen, dann ist er für uns Gold wert", lobte Thomas Müller.

Jerome Boateng sieht den Schlüssel für die gute Entwicklung des Franzosen im Trainerwechsel von Carlo Ancelotti zu Heynckes: "Ich glaube, er entwickelt sich die ganze Zeit gut weiter. Aber vor allem jetzt unter unserem neuen Trainer, der mehr mit ihm redet. Er arbeitet mit ihm an den Sachen, bei denen wir gesagt haben, da muss er sich noch verbessern. Antritt braucht er nicht trainieren. Aber bei seinen Flanken und beim Torschuss hatte er noch Luft nach oben und da hat er heute auch die Annahme beim Tor klasse gemacht."

Comans starke Werte gegen Hannover

Tatsächlich war Coman gegen Hannover deutlich effizienter als häufig in der Vergangenheit: Von seinen sechs Flanken kamen drei zum Mann (Bestwert), er brachte 92,3 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler (90,9 in der gegnerischen Hälfte), gab drei Torschüsse ab und bereitete drei weitere vor.

"Er und Thomas waren die besten Männer auf dem Platz", urteilte Teamkollege Joshua Kimmich.

In der zweiten Halbzeit schwang sich Coman zum Matchwinner auf. In der 67. Minute nahm er eine Müller-Flanke am linken Fünfereck perfekt mit und versenkte den Ball mit dem linken Spann im Netz zum 2:1. Später war er es zudem, der gegen Martin Harnik den Foulelfmeter herausholte, den Robert Lewandowski zum 3:1 nutzte.

Tritt Coman das Ribery-Erbe früher an als vermutet?

"King war heute überragend. Er zeigt Woche für Woche, was er draufhat und dass er ein Spieler ist, der Weltklasse-Potenzial in sich hat", stimmte auch David Alaba, der gegen 96 ebenfalls sein Comeback nach einer Verletzungspause feierte, in die Lobeshymnen auf Coman ein.

Das besagte "Weltklasse-Potenzial" hat Coman in Abwesenheit des verletzten Ribery in den vergangenen Monaten angedeutet und seine Leistungen stabilisiert. Klar ist, dass der Youngster den Beweis noch erbringen muss, dass er die Effizienz des Hannover-Spiels konstant und vor allem auch gegen größere Gegner zeigen kann. Dennoch: Für seinen 13 Jahre älteren Landsmann dürfte es schwierig werden, zumindest dauerhaft den Stammplatz zurück zu ergattern.

Mittelfristig soll Kronprinz Coman König Franck auf Bayerns linkem Flügel beerben. Die Eindrücke der letzten Wochen könnten dafür gesorgt haben, dass diese Nachfolge früher eintritt als vermutet.

Noch hat Ribery als bajuwarisch-französischer König seinen Platz im Liedgut der Bayern-Fans sicher. Aber rein rhythmisch passt der Name Kingsley Coman ja auch auf Champs Elysees...

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