Bundesliga: BVB unter Stöger: Spürbar anders

Die Verpflichtung von Peter Stöger als neuem Trainer hat sich für Borussia Dortmund im Moment voll ausgezahlt. Der BVB gewann auch das zweite Spiel unter dem Österreicher. Damit hat Dortmund zum Ende der Hinrunde das Saisonziel Champions-League-Qualifikation wieder fester im Blick - und das mit einer für den BVB recht untypischen Herangehensweise.

Die Verpflichtung von Peter Stöger als neuem Trainer hat sich für Borussia Dortmund im Moment voll ausgezahlt. Der BVB gewann auch das zweite Spiel unter dem Österreicher. Damit hat Dortmund zum Ende der Hinrunde das Saisonziel Champions-League-Qualifikation wieder fester im Blick - und das mit einer für den BVB recht untypischen Herangehensweise.

"Wir haben ein paar Dinge angesprochen. So wahnsinnig viele Dinge haben wir nicht verändern können. Nochmal: Es gibt viele positive Dinge meines Vorgängers", sagte Peter Stöger nach seinem zweiten erfolgreichen Spiel als Trainer von Borussia Dortmund.

Diese Einschätzung der "Dinge" mag in gewissen Teilbereichen des Spiels nicht falsch sein. Allerdings muss nach den beiden BVB-Siegen in Mainz und nun gegen Hoffenheim konstatiert werden, dass der Borussia diese Erfolge mit einer für sie recht untypischen Herangehensweise gelangen.

Dies hat natürlich auch mit den knapp bemessenen Einflussmöglichkeiten Stögers zu tun, der sechs Tage nach seiner Vorstellung als Nachfolger von Peter Bosz zwei Partien fast aus dem Stand zu coachen hatte. Doch vor allem hat der Österreicher dem BVB eine ziemlich veränderte Ausrichtung mit auf den Weg gegeben, die deutlich weniger Risikobereitschaft vorsieht als unter seinem Vorgänger.

Stögers Vorgaben führen zu Passivität

Dortmund agiert unter Stöger viel tiefer als bei Bosz, das Pressingverhalten wurde fast vollständig verändert und ist in manchen Spielsituationen sogar nur noch situativ angelegt. Stögers BVB spielt ein abwartendes Mittelfeldpressing ab Höhe der Mittellinie und schafft es so, die einzelnen Positionen teils klarer zu besetzen.

Die gravierendste Veränderung ist wohl die neue alte Rolle von Julian Weigl, der jetzt wieder analog zu seinen Stärken als Anker zwischen Defensive und Offensive fungiert. Auch ließ Stöger zweimal in Folge dieselbe Startformation beginnen, um in der Kürze der Zeit mehr Vertraulichkeit zwischen den Spielern auf dem Feld zu schaffen. Besonders positiv tat sich in diesen beiden Begegnungen Shinji Kagawa hervor, der als wichtiger Umschaltspieler auffiel und einen Treffer sowie zwei Assists beisteuerte.

Diese Vorgaben Stögers führten allerdings besonders beim glücklichen 2:1-Erfolg gegen Hoffenheim zu einer Passivität im Spiel gegen den Ball, die man von Dortmund in den letzten Jahren nicht gewohnt war. Die Kraichgauer konnten im Signal Iduna Park phasenweise ohne Gegnerdruck kombinieren, während der BVB tief zurückgezogen das Geschehen zu verteidigen versuchte.

Stöger: "Wir werden im Frühjahr eine richtig gute Mannschaft haben"

So verkam das Dortmunder Heimspiel zu einem Gegenentwurf zu den wilden Pressing-Zeiten unter Jürgen Klopp, dem strukturierten Ballbesitzfußball von Thomas Tuchel und Boszs Versuch des permanenten Überrennens der Gegner. Dominanz kann derzeit noch kein Thema in Dortmund sein.

Ob daraus auch etwas für die Zukunft unter Stöger abzuleiten ist, muss für den Moment offen gelassen werden.

Stöger selbst sprach wieder von Dingen und verriet dazu nur: "Wenn wir uns ein bisschen konsolidieren und an ein paar Dingen arbeiten, werden wir im Frühjahr eine richtig gute Mannschaft haben."

Basiselemente beim BVB stimmen wieder

Der 51-Jährige wird in der Winterpause mehr Einfluss auf das Spiel seiner Mannschaft nehmen können und es würde überraschen, sollte Dortmunds Gesicht unter ihm dasselbe sein, wie man es jetzt vor Weihnachten gesehen hat.

Viel eher hat Stöger für den Moment aus der Not eine Tugend gemacht und einem bis ins Mark verunsicherten Team wieder mehr taktischen Halt gegeben.

Die Defensive hat sich dadurch letztlich stabilisiert, auch das Spielglück kam zurück und die Offensive ist ohnehin immer für einen Treffer gut. Courage und Kampfgeist stimmten - all diese Basiselemente, die zuletzt bei Bosz verschütt gegangen sind.

BVB hat Saisonziel Champions-League-Qualifikation wieder fester im Blick

Die größte Errungenschaft in den beiden Begegnungen mit Stöger an der Seitenlinie ist jedoch eine simple: zweimal drei Punkte in Serie. Unabhängig vom Jahresausklang im Pokal beim FC Bayern am kommenden Mittwoch hat Dortmund unter Stöger wieder Selbstvertrauen tanken können und die angekratzte Psyche mit einer Wagenladung Erleichterung aufgehellt.

"Man hat bei der Mannschaft gesehen: Wenn man länger nichts gewinnt, dann tut ein Sieg einfach gut. Spieler brauchen Erfolgserlebnisse damit ihre Stimmung steigt. Das ist hier geschehen", sagt der Trainer.

Am Ende der Hinrunde wird der arg gebeutelte BVB nun nicht schlechter als auf Platz fünf liegen, der größtmögliche Rückstand auf Rang zwei könnte drei Punkte betragen.

Das Saisonziel Champions-League-Qualifikation ist somit wieder fest im Blick. Nach der bislang reichlich skurril verlaufenen Spielzeit auch ein Beleg für die sehr enge Konstellation in dieser Tabellenregion, aber die wichtigste aller Nachrichten für den Klub.

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