Bundesliga: BVB-Neuzugang Sergio Gomez im Porträt: Schnäppchenjäger BVB

Borussia Dortmund hat die Verpflichtung von Sergio Gomez offiziell gemacht. Der 17-Jährige kommt vom FC Barcelona und hat viel Potenzial, ein Abgang lässt in Katalonien die Alarmglocken schrillen.

Borussia Dortmund hat die Verpflichtung von Sergio Gomez offiziell gemacht. Der 17-Jährige kommt vom FC Barcelona und hat viel Potenzial, ein Abgang lässt in Katalonien die Alarmglocken schrillen.

Wer sich ein Talent auf dem internationalen Markt sichern will, muss inzwischen ein enormes Portfolio zusammengestellt haben. Scouting ist wichtig, Kontakte, ein klares Konzept in der Förderung, ein modernes Nachwuchsleistungszentrum ...

Selten aber hat wohl ein Bundesliga-Verein einfacher ein Talent aus Spanien anlocken können. Sergio Gomez heißt das neueste Versprechen bei Borussia Dortmund.

Der 17-jährige Katalane kommt vom FC Barcelona - für eine vergleichsweise mickrige, festgeschriebene Ablösesumme von drei Millionen Euro. Dortmund zieht eine Klausel im bis Sommer 2018 datierten Vertrag und setzt Gomez vorerst in der eigenen U19 ein, obwohl er mit den Profis trainiert.

Spielzeit entscheidend für Dortmund

Anschließend soll es im Sommer schon weiter zu den Profis gehen: Der Transfer macht deutlich, worauf Gomez geschielt hat: endlich Einsatzzeiten bei den Erwachsenen und nicht mehr in der Jugend.

Dortmund setzte sich unter anderem gegen den FC Chelsea und den FC Arsenal durch. Englische Vereine sind bekannt dafür, Talenten aus der Bundesliga oder aus Spanien das bisherige Monatsgehalt als Wochengehalt zu überweisen.

Womit Dortmund aber ganz offensichtlich gepunktet hat, ist die Chance, schnell in der ersten Mannschaft anzugreifen. Denn das wäre Gomez sowohl beim FC Barcelona als auch bei beiden Klubs aus England verwehrt geblieben.

Schlechte Chancen für Jugendspieler bei Barca

Besonders mit Hinblick auf Barcelona wird schnell klar, weshalb Gomez das Weite sucht: Vor ihm stehen Spieler wie Lionel Messi, Philippe Coutinho oder Ousmane Dembele: Millionenschwer und eigentlich nicht zu verdrängen.

Die Chancen für Nachwuchsspieler stehen dieser Tage schlecht in Katalonien. Wer erfolgreich sein will, muss entweder Glück haben und sich auf einer Position in die Mannschaft arbeiten, die derzeit schwach besetzt ist - und selbst das klappt nicht immer - oder aber den Umweg über ein anderes Team gehen.

Barcelona würde Talente gerne über die zweite Mannschaft aufbauen, um sie dann zu verleihen und als fertige oder fast fertige Spieler bei den Profis über die Bank langsam in den Kader einzubauen. Dafür bringen die meisten jungen Spieler aber angesichts der Versprechen aus dem Ausland nicht mehr die nötige Geduld auf.

Ausstiegsklauseln erschweren Arbeit

Das steht auf der einen Seite. Auf der anderen Seite stehen der Zwang durch die spanische Liga, in alle Verträge Ausstiegsklauseln zu integrieren und das schlechte Vertragsmanagement der Katalanen.

Gomez ist nicht der erste Spieler, der die Katalanen zu einem Spottpreis verlässt. Thiago lässt grüßen, wobei dieser zum damaligen Zeitpunkt schon auf einem gänzlich anderen Niveau anzusiedeln war.

Denn der junge Gomez ist ohne Frage ein talentierter Fußballer, in vielen Bereichen aber auch noch ein Rohdiamant. Klar ist: Seine Auszeichnung zum zweitbesten U17-Spieler von 2017 kam nicht von ungefähr.

Gomez: Links, rechts, mittig

Der 17-Jährige wurde bislang besonders auf beiden Flügeln eingesetzt. Er ist relativ schnell, gut im Dribbling und kann sehr gute Hereingaben mit dem linken Fuß für seine Mitspieler servieren. Gleichwohl hat er aber einen großen Zug zum Tor.

Dies und seine gesamte Kreativität am Ball haben ihm inzwischen auch mehrere Einsätze in der Mitte eingebracht. Dort spielt Gomez hinter der Spitze und kann so noch öfter den Abschluss suchen oder mit Dribblings Lücken aufreißen, um dann seine Mitspieler einzusetzen.

Ein Sechser oder Achter ist er eher nicht. Das Spiel von Gomez ist stark auf Läufe mit Ball und etwas chaotische Momente ausgelegt und zeichnet sich weniger durch ein sicheres Pass- und Bewegungsspiel aus.

Iniesta als Gomez' Vorbild

Dass er Andres Iniesta selbst als Vorbild anführt, hat Gomez manchen Vergleich eingebracht. Noch ist er davon weit entfernt. Wobei er nicht nur die fußballerischen Fähigkeiten des Landsmanns lobt.

"Er ist nicht nur ein hervorragender Spieler, sondern auch ein sehr bescheidener Mensch", sagt Gomez. Das trifft auch auf den 17-Jährigen zu, der, typisch La-Masia-Absolvent, sich klar ausdrücken kann, bescheiden und respektvoll formuliert und doch auf dem Feld Verantwortung als Führungsspieler übernimmt.

Somit stehen einer Erfolgsgeschichte eigentlich nur die üblichen Fragen im Weg: Wie schnell kann sich Gomez einleben? Wie geht er mit dem Kulturunterschied um? Ist er mit 17 Jahren schon bereit für einen derartigen Schritt? Wie kommt er mit den Trainern klar?

Gomez-Transfer kein großes Risiko für den BVB

Dortmund geht mit dem Transfer nicht groß ins Risiko. Der junge Spanier hat großes Talent und hat schon mehrfach unter Beweis gestellt, dass er große Aufgaben meistern kann. Für drei Millionen Euro bekommt der BVB einen Spieler mit viel Potenzial.

Entscheidend ist die Integration von Gomez in den Verein. Läuft dieser Prozess über die U19 wie gewünscht ab, wird er sich ab Sommer 2018 sicherlich auch Chancen bei den Profis erarbeiten können.

Die Borussia profitiert somit, wie schon andere Klubs zuvor, von Planungsfehlern im Jugendsystem des FC Barcelona. Und Barca muss sich die Frage stellen, was den Talenten angeboten werden kann, wenn der Klub in Sachen Spielzeit und Geld nur die zweite Wahl darstellt.

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