Bundesliga: BVB vor Asienreise: Die Suche nach der Ideallinie

Drei langfristig verletzte Leistungsträger, eine Niederlage im ersten Testspiel unter dem neuen Trainer Peter Bosz und jetzt steht eine anstrengende Asienreise vor der Tür - die Vorbereitung des sich im Umbruch befindlichen BVB hält auf Anhieb einige Herausforderungen parat.

Drei langfristig verletzte Leistungsträger, eine Niederlage im ersten Testspiel unter dem neuen Trainer Peter Bosz und jetzt steht eine anstrengende Asienreise vor der Tür - die Vorbereitung des sich im Umbruch befindlichen BVB hält auf Anhieb einige Herausforderungen parat.

"Ich möchte keine Entschuldigungen suchen. Insgesamt war das schlecht von uns." Das Fazit von Peter Bosz nach dessen missglücktem Debüt auf der Trainerbank von Borussia Dortmund fiel unmissverständlich aus.

Der Neustart des BVB mit dem Niederländer an der Seitenlinie befindet sich derzeit in Woche eins. Die Pleite gegen Viertligist Essen zum Auftakt darf wie immer in der ersten Phase der Vorbereitung nicht zu hoch gehängt werden, doch war dies nicht die erste ungünstige Nachricht, die die Borussia rund um den Beginn der neuen Spielzeit begleitet.

Das neue Gesicht, das der BVB unter Bosz zeigen wird, zumindest das rund um den Saisonbeginn, muss in jedem Fall ohne drei Leistungsträger auskommen. Die langfristigen Verletzungen von Julian Weigl, Marco Reus und nun auch Raphael Guerreiro bedeuten für sich genommen einen schweren Schlag. Immerhin steht Shinji Kagawa, der wohl bald einen neuen Vertrag unterschreiben wird, nach einer Schulterblessur vor der Rückkehr ins Training.

BVB-Trainer Bosz wird tüfteln müssen

Die drei monatelang Lädierten hätte Ex-Coach Thomas Tuchel wohl als Akteure bezeichnet, die durch ihre bloße Anwesenheit auf dem Platz in der Lage sind, die Mitspieler um sie herum besser zu machen. Weigl war unter Tuchel so etwas wie die Drehscheibe im Dortmunder Spiel, Reus nicht zuletzt als Vizekapitän ein wichtiger Baustein für das Binnenklima und bei Guerreiro wird man vor allem dessen Vielseitigkeit vermissen.

So wird Bosz in seinen ersten Tagen beim BVB improvisieren und noch mehr taktisch tüfteln müssen, um zunächst die Spieler und deren Stärken besser kennen zu lernen sowie innerhalb der nächsten vier Wochen einen festen Kern zu bilden, der den Pflichtspielstart meistert.

Die anstehende Asienreise, die die Dortmunder vom 13. bis 19. Juli nach China und Japan führen wird, ist daher wie in jedem Jahr und bei jedem an Internationalisierung interessiertem Klub Fluch und Segen zugleich. Die Wunschvorstellung der Fußballlehrer, ihre Mannschaften quasi fernab der Öffentlichkeit durch stringent aneinandergereihte Trainingswochen zu lotsen, ist beim BVB längst utopisch geworden. Ein kleines Problem ist das schon, wenn man bedenkt, dass Bosz selbst sagt, das Implementieren seiner Spielidee benötige längere Zeit.

Klärt sich Aubameyangs Zukunft beim BVB?

In Asien wird der schwarzgelbe Tross nicht nur zwei Testspiele (Urawa Reds und AC Milan), sondern auch einige Trainingseinheiten absolvieren. Doch alle Angestellten müssen auch durch zahlreiche PR- und Marketingtermine abseits des Rasens geschleust werden.

Diese Mischung aus Pflicht und Kür bei brütender Hitze auf dem anderen Kontinent bekam der BVB in den letzten beiden Jahren ziemlich ordentlich hin. Der größte Zwischenerfolg könnte neben einer Weiterentwicklung von Boszs Forderungen auch ein ereignisloser 14. Juli werden.

Dann nämlich schließt in China das Transferfenster und der umworbene Torschützenkönig Pierre-Emerick Aubameyang wäre zumindest für die dortigen Vereine vom Eis. Das würde allerdings bedeuten, dass sich lediglich ein Teil von Aubameyangs Zukunft entscheidet. Die ebenfalls interessierten Mailänder weilen ja auch in Asien...

Bosz-BVB wird sich von Tuchel-BVB unterscheiden

Dortmund hat seinem Torjäger eine Deadline gesetzt, die bis zum Start des Trainingslagers im schweizerischen Bad Ragaz am 26. Juli reicht. Sollte sich doch noch ein Verein finden, der die Ablösevorstellungen des BVB erfüllt und den Gabuner aus seinem Vertrag herauskauft, wäre die Borussia gefordert, im Idealfall schnellstmöglich einen geeigneten Nachfolger zu präsentieren. Am Mittwoch kursierten Gerüchte über ein Interesse an Arsenals Olivier Giroud.

Stand jetzt wird Bosz davon ausgehen müssen, mit Aubameyang planen zu können. Wie Kapitän Marcel Schmelzer nach dem 2:3 bei RWE verriet, verlor Bosz in seinen ersten Tagen keine Zeit, um seine Philosophie der Mannschaft einzuimpfen.

Viele neue Sachen seien dabei, blieb Schmelzer nach der ersten Handvoll an Eindrücken zwar vage, deutete damit aber an, dass sich der Bosz-BVB vom Tuchel-BVB der vergangenen beiden Jahre unterscheiden werde.

BVB-Test in Essen mit ersten Erkenntnissen

Und diese Veränderung wird besonders in den nächsten Wochen genau beäugt werden. Denn das Possenspiel um Tuchels Aus hallt nach und sorgt dafür, dass Boszs sportliche Fußspuren vom Fleck weg speziell in Augenschein genommen werden.

Schon der Test in Essen förderte ein paar kleine Erkenntnisse zu Tage, auch wenn zu diesem frühen Zeitpunkt naturgemäß viele Fragen offen sind: Bleibt Bosz bei "seinem" 4-3-3-System, welche Spieler sieht er auf anderen oder gar neuen Positionen, wie gedenkt er, die eingangs erwähnten Ausfälle zu kompensieren?

Die Antworten darauf werden sich erst in den nächsten Wochen nach und nach herauskristallisieren, an der Hafenstraße sah man beispielsweise Sven Bender wieder auf seiner "Klopp-Position" im defensiven Mittelfeld agieren. Neuzugang Dan-Axel Zagadou, der direkt einen ordentlichen Eindruck hinterließ, probierte Bosz als Linksverteidiger aus - und Erik Durm lief als Achter auf.

Wer wird Weigl-Ersatz beim BVB?

Von essentieller Bedeutung, einen Aubameyang-Abgang einmal ausgeklammert, wird die Suche nach dem Ersatzmann von Weigl. Boszs Mannschaften traten zumeist mit einem ähnlich freien Mittelfeldakteur auf, der vor der Abwehr den Spielaufbau mit vorantreibt und durch seine Bewegungen vor allem als Balanceträger fungiert.

Interessant wird dabei zu beobachten sein, welchen Spielertypen der Niederländer für diese Position und besonders in Abwesenheit Weigls letztlich bevorzugt. Das könnte auch davon abhängig sein, wie offensiv er die Reihe vor jenem Akteur ausrichtet.

In Essen versuchte es Bosz mit je einem Vertreter der unterschiedlichen Spezies: Der spielerisch wie technisch starke Nuri Sahin durfte im ersten Abschnitt ran, nach der Pause hielt dort Benders Staubsauger-Mentalität Einzug.

Borussia steht unter Beobachtung

Neuzugang Mahmoud Dahoud, der wie die beiden weiteren U21-EM-Teilnehmer Maximilian Philipp und Mikel Merino erst nach der Asienreise zum Team stößt und dann erst einmal eingegliedert werden muss, könnte die wahrscheinlichste Lösung sein, wenngleich sich der Deutsch-Syrer wie auch Weigl im Defensivzweikampf noch steigern muss. Auch Sebastian Rode und eben Merino sind Kandidaten - oder gar Gonzalo Castro?

Die Reise nach Asien ist für Borussia Dortmund der nächste Mosaikstein der Bosz-Ära, das Gewöhnen an neue Inhalte und eine veränderte Ansprache beginnt gerade. Trotzdem werden die Dortmunder Entscheidungsträger sehr gut einschätzen können, wie streng ihr Klub in der kommenden Spielzeit unter Beobachtung steht.

Es ist beim BVB, dem womöglich spannendsten Projekt der kommenden Bundesligasaison, gerade die Suche nach der Ideallinie angesagt.

Jeder Umbruch bringt Veränderungen mit sich, gerade das Einläuten der ersten kleinen Entwicklungsphase wird meist von Höhen und Tiefen begleitet. Die Niederlage in Essen muss also nicht der letzte Wackler gewesen sein.

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