Bundesliga: BuLi-Exporte bei ihren neuen Klubs: Die Finger-Brille sitzt

201 Abgänge musste die Bundesliga im Sommer verkraften - eine Transferphase voller Blockbuster-Deals und Wechsel-Odysseen. Wie schneiden die Bundesliga-Exporte bei ihren neuen Klubs ab? SPOX zieht eine Zwischenbilanz nach dem ersten Saisondrittel.

201 Abgänge musste die Bundesliga im Sommer verkraften - eine Transferphase voller Blockbuster-Deals und Wechsel-Odysseen. Wie schneiden die Bundesliga-Exporte bei ihren neuen Klubs ab? SPOX zieht eine Zwischenbilanz nach dem ersten Saisondrittel.

Seite 1: Die Abgänge von Bayern und dem BVB

Renato Sanches (von Bayern München zu Swansea City)

Neuer Klub, unveränderter Status: Sanches bleibt hinter den Erwartungen. Nach seinem ganz ordentlichen Debüt für die Swans gegen Newcastle United bestätigte sich das Bild aus der Vorsaison. Sanches hat Probleme mit dem hohen Spieltempo. Er habe viel an Selbstvertrauen verloren, meint Swansea-Coach Clement. Auch taktisch müsse er Sanches auf Vordermann bringen.

Bisher ein katastrophaler Start auf der Insel. Swansea steht derzeit auf Rang 19 der Premier League. Seit der Länderspielpause im Oktober plagt sich der 20-Jährige zudem mit Oberschenkelproblemen herum.

Douglas Costa (von Bayern München zu Juventus Turin)

Auch Costa hat sich wohl mehr von seinem Wechsel nach Italien erhofft. Bei der starken Konkurrenz auf den Außen kommt der Brasilianer nicht an Mario Mandzukic und Juan Cuadrado vorbei. Costa sitzt meist auf der Bank. Coach Max Allegri ist vor allem unzufrieden mit der mangelnden Defensivarbeit des 27-Jährigen. Ein Verbleib in Turin über die Leihe hinaus scheint unwahrscheinlich.

Ousmane Dembele (von Borussia Dortmund zum FC Barcelona)

Kam mit Trainingsrückstand nach Katalonien. Ließ sein Können beim Debüt gegen Espanyol kurz aufblitzen und bereitete direkt einen Treffer vor. Bei seinem ersten Startelfeinsatz gegen Getafe beendete sein Oberschenkel vorerst das Abenteuer Barca. Bis Januar ist Dembele erstmal raus.

Emre Mor (von Borussia Dortmund zu Celta Vigo)

Sammelte zu Beginn der Saison viele Kurzeinsätze. Durfte am achten Spieltag gegen Las Palmas erstmals von Beginn an ran und glänzte. Der Türke spielt deutlich mannschaftsdienlicher als noch beim BVB. "Ich bin sehr glücklich hier, die Leute sind sehr herzlich", sagte Mor. Aktuell muss sich der 20-Jährige jedoch mit Problemen im rechten Sprunggelenk und dem Syndesmoseband herumschlagen. Dennoch ein ordentlicher Einstand.

Mikel Merino (von Borussia Dortmund zu Newcastle United)

Überragender Start! "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Top-Klubs auf ihn schauen werden", wurde Newcastle-Keeper Rob Elliot bei Chronicle Live zitiert. Das unter Thomas Tuchel vermisste Vertrauen ist da. Merino lerne sehr viel von Trainer Rafael Benitez. "Er arbeitet an all den taktischen Kleinigkeiten und zeigt dir, dass jede einzelne Kleinigkeit wichtig sein kann", sagte Merino im Interview mit dem Guardian.

Durch sein gutes Stellungsspiel und seine sichere Spieleröffnung kam Merino bei den Magpies schnell eine tragende Rolle im Mittelfeld zu. Der Fünfjahresvertrag ist bereits unterschrieben. Der Spanier kehrt nicht nach Dortmund zurück.

Seite 2: China, Brasilien, Kasachstan - die Exoten

Anthony Modeste (vom 1. FC Köln zu Tianjin Quanjian)

Der Franzose macht genau da weiter, wo er bei Köln aufgehört hat. Schon sieben Mal setzte sich Modeste seine Finger-Brille auf und lässt die Kölner bei der Erwähnung seines Namen traurig seufzen. Seit seiner Ankunft in China verlor Quanjian nur zwei Spiele und schnappte sich einen Platz in der Qualifikation für die AFC Champions League. Grandioser Start!

Alexander Baumjohann (von Hertha BSC zu Coritiba FC)

Ein Traum ging in Erfüllung. Baumjohann hegte schon immer Sympathien für den brasilianischen Fußball. Seine Frau stammt aus Belo Horizonte. Es war eine Frage der Zeit, bis Baumjohann die Berliner Currywurst gegen eine deftige Feijoada eintauscht. Aber Baumjohann will auch sportlich was erreichen: "Ich bin hier in Brasilien, um Geschichte zu schreiben."

Bisher muss sich der 30-Jährige aber mit seiner Rolle als sporadischer Ersatzspieler zufriedengeben. Immerhin sieht sein Coach Marcelo Oliveira die Chance auf mehr Einsatzzeit: "Er ist sehr bemüht und entschlossen."

Laszlo Kleinheisler (von Werder Bremen zum FC Astana)

Der Ungar hat sich überraschend gut in Kasachstan akklimatisiert. Erhielt sofort das Vertrauen seines Trainers und avancierte schnell zum Spielmacher im zentralen Mittelfeld. Durfte bereits die Trophäe für den kasachischen Meistertitel gen Himmel strecken. In der Champions-League-Quali war gegen Celtic nicht nur Schluss (4:8 nach Hin- und Rückspiel), der 23-Jährige verletzte sich auch schwer am Knie und fällt seitdem aus.

Haris Seferovic (von Eintracht Frankfurt zu Benfica SL)

Sollte bei Benfica den Abgang von Konstantinos Mitroglou (Olympique Marseille) kompensieren. Das gelang dem Schweizer Nationalspieler zunächst auch hervorragend. In seinen ersten vier Pflichspielen traf Seferovic jedes Mal. Schnell als Schlüsselspieler identifiziert hängt Seferovic seiner Form mittlerweile etwas hinterher.

Vieirinha (vom VfL Wolfsburg zu PAOK Saloniki)

Zurück bei seinem Ex-Klub darf Vieirinha wieder auf seine angestammte Position auf dem rechten Flügel. Dem Europameister von 2016 fehlt es noch an der Spritzigkeit, von der sein Spiel lebt. Durch einen Kapselriss im Sprunggelenk verpasste der 31-Jährige große Teile der Vorbereitung.

Johan Djourou (vom Hamburger SV zu Antalyaspor)

Es läuft noch nicht in der Süper Lig. Antalyaspor steht auf Rang 14. Mit Djourou auf dem Platz gewann das Team um Samuel Eto'o erst ein Spiel. Die Unsicherheiten und Schwächen im Stellungsspiel konnte der Schweizer auch an der Mittelmeerküste bisher nicht ablegen. Derzeit fehlt Djourou bis auf weiteres aufgrund einer Knieverletzung.

Seite 3: Wahlheimat England

Felix Wiedwald (von Werder Bremen zu Leeds United)

Es fing doch so gut an! Wiedwald etablierte sich blitzschnell als Nummer eins bei den Peacocks. Nach sieben Spieltagen stand er erst bei zwei Gegentoren, Leeds stürmte an die Tabellenspitze. Seinen Status als unangefochtener Stammkeeper verlor Wiedwald genauso schnell wie er ihn gewonnen hatte. Ein paar kleine Patzer gegen Cardiff City und Sheffield Wednesday später nahm der 27-Jährige auf der Bank Platz, wo er seit fünf Spielen, von denen vier verloren wurden, sitzt.

Eric Maxim Choupo-Moting (von Schalke 04 zu Stoke City)

Lebt von seiner Flexibilität. Wurde bereits auf jeder denkbaren Position in der Offensive eingesetzt. Dementsprechend oft darf Choupo-Moting von Beginn an ran. Der Kameruner verleiht den Offensivaktionen seiner Mannschaft einen Energieschub, bisher glänzte er jedoch meist als mitspielender Stürmer (3 Torvorlagen). Selbst erzielte Choupo-Moting erst zwei Treffer - immerhin sprang dafür ein Punkt gegen Manchester United heraus (2:2).

Sead Kolasinac (von Schalke 04 zum FC Arsenal)

Begeistert die Fans mit seinem körperbetonten Spiel. "Ich bin ein Spieler, der über die Mentalität kommt", wurde Kolasinac bei seiner Ankunft auf der offiziellen Klub-Homepage zitiert. Der Linksverteidiger ist nicht nur dank dieser unter Arsene Wenger gesetzt. Defensiv gewohnt robust, offensiv mit gefährlichen Flanken. Bereits drei Assists und drei Tore stehen wettbewerbsübergreifend auf dem Konto des 24-Jährigen. So oft traf er bei Schalke in der gesamten vergangenen Saison.

Abdul Rahman Baba (von Schalke 04 zum FC Chelsea)

Erlitt im Januar beim Afriika Cup eine komplizierte Knieverletzung, das Kreuzband sowie der Meniskus waren schwer beschädigt. Hatte im Juni erstmals wieder einen Ball am Fuß, bevor er den nächsten Nackenschlag hinnehmen musste. Die nächste OP war nötig, die Folgeschäden noch immer nicht ausgemerzt. Ein fester Wechsel zu Schalke scheiterte an seinem Gesundheitszustand. Im Winter könnte Baba wieder zum Thema auf Schalke werden: "Wir haben uns darauf verständigt abzuwarten."

Chicharito (von Bayer Leverkusen zu West Ham United)

"We've got a Chicharito,

So much better than Defoe & Iheanacho,

Slaven's Chicharito,

Our little Mexican Paceman,

Down at West Ham,

Hernandez Hernandez, Oh Hernandez Hernandez,

He Bangs Em in, He Bangs Em in, He Bangs Em in."

Noch Fragen? Eigentlich nicht, stünde West Ham in der Premier League nicht auf Rang 18. An Chicharito kann das nicht liegen. Der Mexikaner ist mit vier Treffern der Top-Scorer der Hammers, die in der Offensive sonst nicht viel zu bieten haben (11 Saisontore).

Aleksandar Dragovic (von Bayer Leverkusen zu Leicester City)

Rund 18 Millionen Euro hat Bayer 2016 für den Österreicher auf das Konto von Dynamo Kiew überwiesen. Der langjährige Wunschspieler für die Defensive blieb weit hinter den Erwartungen. Die Leihe an die Foxes erweist sich bisher ebenso als Reinfall, denn er hat in der Premier League noch nicht gespielt.

Unter dem neuen Trainer Claude Puel steht Dragovic immerhin wieder auf der Kaderliste. Dennoch führt aktuell kein Weg an Harry Maguire und Kapitän Wes Morgan vorbei. Auch Robert Huth steht kurz vor seinem Comeback (Knöchelverletzung).

Pierre-Michel Lasogga (vom Hamburger SV zu Leeds United)

"Er ist groß und physisch stark, das passt gut hierher, so jemand hat uns gefehlt", werden Leeds-Fans im Hamburger Abendblatt zitiert. Lasogga sei "ein guter Zweitliga-Spieler." Der 25-Jährige feierte einen absoluten Traumstart auf der Insel. Zwei Tore und zwei Vorlagen gelangen Lasogga bei seinem Debüt gegen Burton Albion. Unmittelbar danach flog er nach Hamburg, wo seine Freundin einen Tag zuvor die gemeinsame Tochter zu Welt gebracht hatte.

Doch das Formtief der Peacocks ließ auch Lasogga nicht aus. Das Pech klebt am Ex-Hamburger, wenngleich er hin und wieder trifft. Aktuell steht er bei fünf Ligatoren in zehn Einsätzen.

Andreas Christensen (von Borussia Mönchengladbach zum FC Chelsea)

Vier Mal stand er in der Liga erst in der Startelf der Blues. In der Königsklasse und dem EFL Cup durfte der Däne immerhin bereits je zwei Mal beginnen. Dennoch verwundert es schon, dass Chelseas bester Innenverteidiger (auf dem Papier) meist nur auf der Ersatzbank schmort (Quelle: opta):

Spieler Zweikampfquote in Prozent Passquote in Prozent Klärende Aktionen pro 90 Minuten
Andreas Christensen 75,9 91,2 4,57
David Luiz 55,6 86,6 4,39
Antonio Rüdiger 54,1 88,5 4,84
Gary Cahill 59,5 83,4 4,36

Immerhin: Antonio Conte lernt die Qualitäten Christensen langsam zu schätzen. Beim 1:0-Sieg über United verdrängte er David Luiz aus der Startelf und absolvierte eine bärenstarke Partie. Genauer gesagt, ein "massive game", wie Conte es im Anschluss beschrieb.

Seite 4: Bundesliga-Urgesteine: Nach langer Vertragszeit was Neues

Benedikt Höwedes (von Schalke 04 zu Juventus Turin)

Ergriff nach seiner Degradierung durch Domenico Tedesco die Flucht nach Italien, wartet beim italienischen Meister aber aufgrund von Verletzungsproblemen noch auf seinen ersten Pflichtspieleinsatz. Immerhin stand der deutsche Nationalspieler zuletzt nach überstandener Oberschenkelzerrung gegen Benevento wieder im Kader.

Johannes Geis (von Schalke 04 zum FC Sevilla)

Auch für den defensiven Mittelfeldspieler hatte Tedesco keine Verwendung mehr. Als Leihspieler kam Geis bei den Andalusiern bislang nicht in Tritt und wurde in der Liga nur zweimal spät eingewechselt. Auf seiner Lieblingsposition kommt der 24-jährige nicht an Guido Pizarro, Steven N'Zonzi und Ever Banega vorbei, sodass ihn Sevilla-Trainer Eduardo Berizzo zuletzt als Innenverteidiger einsetzte. In der Abwehrkette gilt Geis aber ebenfalls nur als Notlösung und dürfte bei ausbleibenden Einsatzzeiten wieder nach Gelsenkirchen zurückkehren.

Klaas-Jan Huntelaar (von Schalke 04 zu Ajax Amsterdam)

Etablierte sich nach seiner Rückkehr zu seinem ehemaligen Verein auf Anhieb als Leistungsträger und Führungsspieler. Mit vier Treffern und sechs Vorlagen ist Huntelaar bester Scorer seines Teams und hat wesentlichen Anteil am zweiten Tabellenplatz.

Hakan Calhanoglu (von Bayer Leverkusen zum AC Milan)

Hat sich bei Milan sofort als Stammkraft und Strippenzieher im offensiven Mittelfeld etabliert. Der Türke hat es wie die gesamte Mannschaft jedoch noch schwer, den Standards, die an den teuren Kader gestellt werden, gerecht zu werden. "Ich denke, dass wir bisher immer guten Fußball gezeigt haben und uns immer besser finden", sagte Calhanoglu im DAZN-Interview. Lediglich die Ergebnisse hätten bisher nicht gestimmt.

Ricardo Rodriguez (vom VfL Wolfsburg zum AC Milan)

Ähnliches gilt für den Schweizer. Der sitzt seit Vincenzo Montellas Umstellung auf eine Dreier-Abwehrkette allerdings ein wenig zwischen den Stühlen. Seine Position ist futsch. Im 3-5-2-System spielt Rodriguez meist im linken Mittelfeld. Zuletzt fungierte er gar als Aushilfs-Innenverteidiger für den rotgesperrten Leonardo Bonucci.

Luiz Gustavo (vom VfL Wolfsburg zu Olympique Marseille)

Verleiht OM durch seine Präsenz im Spiel gegen den Ball mehr Stabilität. Der Brasilianer bewegt sich jedoch immer noch häufig an der Grenze des Erlaubten und überschritt diese bereits mehrmals. Sechs Gelbe und eine Rote Karte stehen nach zehn Liga-Einsätzen hinter dem Namen Luiz Gustavo. Dennoch eine Bereicherung für Olympique.

Diego Benaglio (vom VfL Wolfsburg zu AS Monaco)

Er wolle durch Leistung überzeugen, alles weitere obliege dem Trainer, sagte Benaglio zum Startschuss seiner letzten großen Herausforderung. Bisher führt jedoch an Danijel Subasic wie erwartet kein Weg vorbei. Drei Mal sprang Benaglio in der Ligue 1 bereits für den Kroaten ein, der sich das Sprunggelenk verstaucht hatte. Und Benaglio erledigte seinen Job famos - null Gegentreffer.

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