Bundesliga: Bayern verliert in Hoffenheim: Nur Plan A genügt nicht

Der FC Bayern München hat am 3. Spieltag der Bundesliga bei der Niederlage gegen die TSG 1899 Hoffenheim den ersten Rückschlag hinnehmen müssen. Dabei ist Trainer-Legende Carlo Ancelotti von seinem 28 Jahre jüngeren Kollegen Julian Nagelsmann ausgecoacht worden. Die erste Pleite kommt früher in der Saison als aus den letzten Jahren gewohnt und zeigt: Die Bayern brauchen einen Plan B.

Der FC Bayern München hat am 3. Spieltag der Bundesliga bei der Niederlage gegen die TSG 1899 Hoffenheim den ersten Rückschlag hinnehmen müssen. Dabei ist Trainer-Legende Carlo Ancelotti von seinem 28 Jahre jüngeren Kollegen Julian Nagelsmann ausgecoacht worden. Die erste Pleite kommt früher in der Saison als aus den letzten Jahren gewohnt und zeigt: Die Bayern brauchen einen Plan B.

Robert Lewandowski, Kingsley Coman, Arjen Robben, Franck Ribery, James Rodriguez. In der 78. Minute des Auswärtsspiels bei der TSG 1899 Hoffenheim hat Bayern Münchens Trainer Carlo Ancelotti fünf reine Offensivspieler auf dem Platz. Dazu Thiago Alcantara und Corentin Tolisso - auch nicht gerade die defensivsten Sechser im Weltfußball. Ancelotti setzt alles auf eine Karte, um die erste Saisonniederlage noch abzuwenden.

Doch es reicht nicht. Nicht mehr für den Anschluss-, geschweige denn für den Ausgleichstreffer. Und auch nicht mehr für eine richtig große Torchance. Stattdessen: Fernschüsse aus wenig versprechenden Positionen, ungenaue Flanken und wenig Struktur in den Angriffen.

Nach gut fünf Minuten Nachspielzeit pfeift Schiedsrichter Daniel Siebert ab. Die erste Saisonniederlage des FC Bayern steht fest. Der erste Schuss vor den Bug ließ zuletzt länger auf sich warten. Bereits am 3. Spieltag, so früh verlor der Rekordmeister zuletzt vor sechs Jahren (damals am 1. Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach).

Neuer: "Wir hatten Hoffenheim total im Griff"

"Ich will gar nicht über die Zeit nach dem Tor sprechen, sondern eher über die Zeit davor", blockte Kapitän Manuel Neuer die Frage nach der planlos wirkenden zweiten Hälfte ab: "Wir hatten Hoffenheim total im Griff und haben sehr gut gespielt. Wir hatten die eine oder andere Chance und müssen hier in Führung gehen, das ist das Problem."

Tatsächlich kamen die Bayern "ganz anders aus der Kabine als letzte Saison" (Julian Nagelsmann). War der Meister im April in Sinsheim noch völlig überrascht vom offensiven Beginn der TSG gewesen, dominierte er die Partie diesmal von Beginn an. Lewandowski touchierte mit seinem Versuch in der 7. Minute die Latte, Kingsley Coman lief den Außenverteidigern mehrfach davon.

Bayern erspielte sich durch die variable Offensive und das hohe Pressing einige gute Gelegenheiten.

Nagelsmann greift mit Systemänderung entscheidend ein

Als Nagelsmann jedoch nach etwa zehn Minuten auf die Münchner Überlegenheit reagierte und seine 5-4-1-Grundordnung mit engen Außen auf ein 5-3-2 korrigierte, griff er entscheidend ins Spiel ein.

Zwar spielten die Hausherren weiterhin ungewohnt defensiv, doch die Systemumstellung ermöglichte eine massive Verdichtung des Zentrums. Fortan fehlten den Bayern Platz und Ideen, um sich durch die Reihen zu kombinieren. Durch die dichte Mitte waren die Münchner gezwungen, über die Außen zu spielen und Flanken in den Sechzehner zu schlagen - eine bewusste Entscheidung von Nagelsmann.

Müller und Coman mit schwachen Flankenwerten

Schließlich spielten bei den Münchnern auf den Außen nicht die Platzhirsche Franck Ribery und Arjen Robben. Stattdessen ein erneut unglücklich auftretender Thomas Müller, der nur eine von drei Flanken zum Mitspieler brachte. Und Coman, dessen Statistik mit einer angekommenen von neun Flanken (!) noch schwächer ausfiel. Insgesamt schlugen die Münchner 43 Flanken, lediglich neun landeten beim eigenen Mann.

"Es war ein schwieriges Spiel", resümierte Ancelotti: "Wir hatten nicht viel Platz und haben mit Seitenwechseln versucht, die Räume zu öffnen. Das hat heute nicht so gut geklappt."

Passend zum Spielverlauf fiel die Hoffenheimer Führung aus dem Nichts: Einen schnell ausgeführten Einwurf durch Andrej Kramaric verwandelte Mark Uth zur 1:0-Führung. Dem Treffer war eine verwirrende Situation vorausgegangen, weil ein zweiter Ball im Spiel war. Dieser war jedoch so weit abseits des Geschehens, dass Schiedsrichter Stieler alles richtig machte, das Tor zu geben.

Sowieso suchten die Münchner die Schuld nicht bei einer möglichen Fehlentscheidung: "Ich kann nicht genau sagen, wo der zweite Ball war. Aber wir waren trotzdem nicht in Unterzahl und haben uns nicht optimal verhalten. Es war nicht nur ein Fehler, dass ein zweiter Ball im Spiel war, sondern auch unsere eigene Schuld natürlich", analysierte Neuer.

Und auch Ancelotti räumte ein: "Wir waren in manchen Situationen nicht zu 100 Prozent fokussiert."

Bayern fehlt nach Rückstand der Plan B

Dieser fehlende Fokus verursachte den Rückstand. Doch noch hatte der FC Bayern über eine Stunde Zeit, um den Fauxpas zu korrigieren. Einzig fehlten dazu die Ideen, der Plan B.

Hoffenheim setzte weiter konsequent auf das Schließen der Mitte und einen hohen Laufaufwand (am Ende acht Kilometer mehr). Die Bayern versuchten es weiter mit Flanken und teilweise aussichtslosen Fernschüssen. Dass einer Torschuss-Statistik von 23:6 eine Schüsse-aufs-Tor-Statistik von 6:3 gegenübersteht, unterstreicht diesen Eindruck.

Ancelottis Reaktion auf das frühe 0:2 in der zweiten Hälfte war die Hereinnahme von Robben und die Umstellung auf ein 4-2-3-1. Damit wollte er sowohl die Flügel als auch das Zentrum stärken. Die Maßnahme verpuffte.

Dass er schließlich in der Schlussphase auf fünf Offensive setzte, wirkte mehr wie ein Verzweiflungsakt denn wie ein echter Plan B. Die Abläufe im nun improvisierten 3-2-5 waren sichtlich nicht einstudiert, Ribery und Coman kamen sich auf Linksaußen ins Gehege, Rodriguez hatte keine Bindung mehr zum Spiel.

Nachdem durchwachsene Leistungen in den ersten beiden Spielen wegen der fehlenden Effizienz des Gegners (Leverkusen) und individueller Klasse (Lewandowski gegen Werder) noch gereicht hatten, war die taktisch starke Ausrichtung, das Engagement und die hohe Effizienz der Hoffenheimer im dritten Spiel zu viel, um noch irgendwie an den Dreier oder zumindest einen Punkt zu gelangen.

Überspitzt formuliert hat der 30-jährige Nagelsmann die 28 Jahre ältere Trainer-Legende Ancelotti ausgecoacht.

Ancelotti: "95 Prozent haben nicht gereicht"

Und so stand am Ende die erste Niederlage der Saison. Kein Beinbruch und kein Grund, um Alarm zu schlagen. Allerdings vor der ersten heißen Saisonphase mit drei englischen Wochen in Folge eine Warnung. "Die Leistung war okay, aber wir waren nicht bei 100 Prozent. 95 Prozent haben heute nicht gereicht", so Ancelottis Fazit.

Genau da wird in seiner zweiten Saison die Hauptaufgabe Ancelottis liegen. Erstens werden 95 Prozent gegen manche, aber sicher nicht gegen alle Gegner in dieser Saison reichen. Und zweitens brauchen die Münchner zwingend Lösungen gegen taktisch variable Mannschaften. Einen Plan B. Denn nur Plan A genügt nicht - zumindest nicht immer.

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