Bundesliga: Applaus für Tedesco, kaum Kritik an Heidel: Schalke hakt schwache Saison ab

Freundlicher Applaus für den neuen Trainer Domenico Tedesco , kaum Kritik an Sportvorstand Christian Heidel: Schalke 04 hat auf seiner Mitgliederversamlung die schlechteste Saison seit 17 Jahren erstaunlich geräuscharm abgehakt.

Freundlicher Applaus für den neuen Trainer Domenico Tedesco, kaum Kritik an Sportvorstand Christian Heidel: Schalke 04 hat auf seiner Mitgliederversamlung die schlechteste Saison seit 17 Jahren erstaunlich geräuscharm abgehakt.

Trotz des enttäuschenden zehnten Platzes in der Bundesliga, des Verpassens des Europapokals und der Entlassung des Wunschtrainers Markus Weinzierl nach nur einem Jahr gab es beim traditionell aufgeregten Revierklub nur wenige kritische Stimmen gegen die sportliche Führung.

"Misserfolge sind das Doping für künftige Erfolge", sagte Heidel auf der JHV der Königsblauen am Sonntag nach seinem Bericht zu seinem ersten Jahr auf Schalke und versprach: "Wir werden voll gedopt in die neue Saison gehen." Statt der erwarteten Pfiffe gab es für den langjährigen Mainzer Manager, der Fehler zugab, Beifall von den rund 7500 Mitgliedern in der Arena. "Wir wollen in die Spitze der Bundesliga", sagte Heidel weiter und lobte den neuen Coach: "Genau ihn braucht Schalke 04."

Tedesco verspricht "harte Arbeit"

Der Weinzierl-Nachfolger versprach den Fans "harte Arbeit" und Emotionen. "Es geht darum, einen Plan zu haben und ihn Spiel für Spiel zu optimieren", sagte der 31-Jährige: "Aber die harte Arbeit, die von euch kommt, ist die Basis. Wir haben nur eine Aufgabe, eure Liebe und eure Emotionen zurückzugeben." Tedesco, der bislang lediglich über elf Wochen Profi-Erfahrung beim Zweitligisten Erzgebirge Aue verfügt, ist der jüngste Chefcoach der Vereinsgeschichte.

Die Rückkehr in den Europacup will Schalke mit dem lange verletzten Rekordeinkauf Breel Embolo und dem umworbenen Nationalspieler Leon Goretzka schaffen. "Die Leidenszeit ist langsam vorbei", sagte der 20-jährige Embolo, der seit Oktober wegen einer schweren Sprunggelenkverletzung gefehlt hatte, "ich freue mich, am 1. Juli wieder mit der Mannschaft auf dem Platz zu stehen."

Heidel betonte noch einmal, dass auch Goretzka, dessen Vertrag 2018 ausläuft, in der kommenden Saison für die Königsblauen spielen wird. Der 22-Jährige, der derzeit beim Confed Cup in Russland glänzt, wird vom Rekordmeister Bayern München umworben.

Im Gespräch sind Amine Harit und Pablo Insua

Anders als im Vorjahr, als Embolo als teuerster Einkauf der Vereinsgeschichte präsentiert worden war, gab Schalke diesmal keine Neuzugänge bekannt. "Wir werden noch ein paar Korrekturen an der Mannschaft vornehmen", kündigte Heidel an. Im Gespräch sind unter anderem der französische U20-Nationalspieler Amine Harit (FC Nantes) und der spanische Abwehrspieler Pablo Insua (Deportivo La Coruna).

Wirtschaftliche Auswirkungen hatte der sportliche Absturz noch nicht. Finanzvorstand Peter Peters verwies auf einen erneuten Rekordumsatz von 265,1 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2016. In den vergangenen acht Jahren seien 160 Millionen Euro Verbindlichkeiten an die Banken zurückgezahlt worden.

Zwei millionenschwere Deals präsentierte Marketingvorstand Alexander Jobst: Der englische Bekleidungs- und Sportartikelhersteller Umbro wird ab 2018 neuer Ausrüster für fünf Jahre und soll angeblich pro Saison rund sechs Millionen Euro zahlen. Bierbrauer Veltins verlängerte vorzeitig seinen Vertrag als Namensgeber der Arena bis 2027. Das Volumen dürfte bei rund 65 Millionen Euro liegen.

Der schärfste Kritiker von Klubchef Clemens Tönnies wurde aus dem Aufsichtsrat abgewählt. Der Trivago-Geschäftsführer Axel Hefer, der im vergangenen Jahr die Opposition gegen Tönnies angeführt hatte, erhielt auf der Mitgliedersammlung der Königsblauen am Sonntag nur 2715 Stimmen. In das Kontrollgremium wurden der Unternehmer Uwe Kemmer (4895) und der Mediziner Stefan Gesenhues (4134) gewählt.

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