Bundesliga: Die Abwehr des BVB: Auf dem Prüfstand

In den Bundesligaspielen unter Trainer Peter Stöger stand die Defensive von Borussia Dortmund zuletzt wieder sicherer. Dennoch ist dieser Mannschaftsteil seit längerer Zeit ein Problem beim BVB, es fehlt an Qualität und Konstanz. Eine Bestandsaufnahme.

In den Bundesligaspielen unter Trainer Peter Stöger stand die Defensive von Borussia Dortmund zuletzt wieder sicherer. Dennoch ist dieser Mannschaftsteil seit längerer Zeit ein Problem beim BVB, es fehlt an Qualität und Konstanz. Eine Bestandsaufnahme.

Wenn man sich auf die drei Bundesligaspiele beschränkt, die Peter Stöger als Trainer von Borussia Dortmund betreute, dann stimmt die Bilanz. Der zuvor beängstigend löchrige Abwehrverbund des BVB ist dank der Sofortmaßnahmen des Österreichers geschlossen worden. Ein Gegentor in drei Partien, das ist gut.

Stöger hat den verunsicherten Dortmundern eine moderate Linie für das Defensivverhalten mitgegeben, vom draufgängerischen Vorwärtsverteidigen unter Vorgänger Peter Bosz waren selbst die Spieler irgendwann nicht mehr überzeugt. Die Borussia unter Stöger steht tiefer, kompakter und presst später.

In den beiden Begegnungen vor der Winterpause in Mainz und gegen Hoffenheim baute Stöger zudem auf dieselben vier Mann in der hintersten Reihe. Dass er dies tun konnte, war eine kleine Sensation: Bosz musste in seiner Zeit die Viererkette vor allem aufgrund von Verletzungen permanent verändern.

Beide BVB-Linksverteidiger verletzt

So haben sich bis zum jetzigen Zeitpunkt noch keine festen Pärchen herauskristallisiert, jeder hat schon mit jedem spielen müssen. Dieses Unterfangen wird auch für Stöger eine Herausforderung, denn wenige Verletzte gab es beim BVB zuletzt so selten wie Ruhe um den Verein.

Wie zum Saisonstart muss Dortmund auch zu Beginn der Rückrunde auf beide etatmäßigen Linksverteidiger verzichten. Marcel Schmelzer und Raphael Guerreiro laborieren an Muskelfaserrissen und fehlen noch einige Zeit.

Stöger entschied sich beim Remis gegen Wolfsburg für Jeremy Toljan auf dieser Position. Das ist im Grunde die einzig sinnvolle Möglichkeit, denn Dan-Axel Zagadou bewies in der Hinrunde mehrfach, dass er für dieses Aufgabengebiet zu langsam und in der Mitte deutlich besser aufgehoben ist. Eine Alternative wäre noch der lange verletzte Erik Durm, den im Sommer eine Hüftoperation an einem Abgang hinderte. Wäre - denn der Weltmeister fällt mit einem Außenbandriss erneut mehrere Wochen aus.

Zu wenig Qualität in Dortmunds Defensive

Toljan, im August aus Hoffenheim gekommen, hatte in seiner neuen Heimat bislang keine einfache Zeit. Wegen muskulärer Probleme musste er anfangs pausieren, anschließend zwangen ihn die Probleme der Mitspieler, immer wieder zwischen den äußeren Enden der Viererkette hin- und hergeschoben werden zu müssen. Immerhin: Von den vier Bundesligaspielen, in denen Toljan als Linksverteidiger auflief, verlor der BVB keines.

Links hinten ist jedoch nicht die einzige Stelle im Abwehrverbund, die auf dem Prüfstand steht. Dortmunds gesamte Defensive ist ein Problem, mit dem bereits Thomas Tuchel zu kämpfen hatte. Im Vergleich zur hochkarätig besetzen Offensive steckt in diesem Mannschaftsteil zu wenig Qualität.

Wäre es anders, wüsste man mittlerweile einwandfrei, wer beispielsweise Dortmunds erstes Innenverteidigerpärchen wäre. Doch da ist seit längerer Zeit nur Sokratis, neben ihm fehlt eine Konstante. Der Kauf von Ömer Toprak, einem Wunschspieler Tuchels, den er nicht mehr trainierte, sollte dies zusammen mit dem jungen Talent Zagadou begradigen.

Akanji steht voll im Saft - bald auch auf dem Platz?

Topraks bisherige Leistungen rechtfertigten die Hoffnung noch nicht, dem türkischen Nationalspieler geht die Souveränität ab. Von den eigenen Anhängern wird der ehemalige Leverkusener bereits sehr kritisch beäugt. Aktuell hat er aber die Nase gegenüber Marc Bartra vorn. Zu Saisonbeginn war die Rollenverteilung noch umgekehrt.

Bartra durchlebt ebenfalls keine einfache Saison. Unter Bosz musste er einige Male als Rechtsverteidiger aushelfen und hatte mit dieser Aufgabe enorme Schwierigkeiten. Unter Stöger kam er in der Liga noch keine Minute zum Einsatz, beim Pokalspiel in München wechselte ihn der Coach nach nur 34 Minuten und schwacher Vorstellung vorzeitig aus.

Auch deshalb griff der BVB nun bei Manuel Akanji zu und dafür tief in die Tasche. Der Schweizer ist das neue Versprechen für die Zukunft, doch würde es nicht überraschen, wenn der 22-Jährige das aktuelle Defensivaufgebot schon zeitnah sprengt.

Akanji steht schließlich voll im Saft und hat in Basel kein Saisonspiel verpasst. Er ist zudem nicht durch die Krise der Schwarzgelben vorbelastet und hat angesichts der schwächelnden Konkurrenz keine unlösbare Aufgabe vor sich.

Die Bundesligastatistiken der BVB-Defensive in der laufenden Saison

Name Bundesligaspiele Startelf Zweikampfquote Vertragslaufzeit
Sokratis 17 17 67,3 2019
Ömer Toprak 12 9 65,5 2021
Marc Bartra 12 9 61,6 2020
Neven Subotic 4 3 61,1 2018
Lukasz Piszczek 8 8 57,1 2019
Marcel Schmelzer 9 9 50,4 2021
Jeremy Toljan 9 9 51,2 2022
Dan-Axel Zagadou 11 6 58,6 2022
Raphael Guerreiro 7 5 42,1 2020

Es sollte jedoch nicht bei Akanji als Verstärkung bleiben. Jonathan Tah aus Leverkusen scheint ein Kandidat für den Sommer zu sein. Der junge Nationalspieler hat bei Bayer zuletzt große Sprünge gemacht und zählt aktuell zu den besten deutschen Innenverteidigern.

Diese Kategorie Spieler muss es dann auch sein, um das individuelle wie mannschaftliche Niveau anzuheben. Auch Sokratis, der von Boszs Co-Trainer Hendrie Krüzen offen kritisiert wurde und den Teamkollege Lukasz Piszczek im Winter-Trainingslager in Marbella als "nicht den Lautesten" charakterisierte, spielt derzeit so inkonstant wie lange nicht. Sein Vertrag läuft 2019 aus und der Grieche liebäugelte nicht nur einmal mit einer neuen Herausforderung.

Das tut momentan laut kicker auch Bartra. Neven Subotics Zeit in Dortmund wird spätestens im Sommer enden. Mit dem dauerverletzten Durm ist seit zwei Jahren schwer zu planen, Felix Passlack noch bis 2019 an Hoffenheim ausgeliehen.

So steht man aktuell mit elf Spielern für vier Positionen da. Das ist zu üppig, es muss also ohnehin ausgedünnt werden. Wie und in welcher Form, das werden auch die kommenden Monate unter Stöger bestimmen.

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