Bundesbank-Präsident: Bei Zinserhöhungen nicht zu früh nachlassen

FRANKFURT (dpa-AFX) -Bundesbank-Präsident Joachim Nagel dringt auf weitere Zinserhöhungen im Kampf gegen die nach wie vor extrem hohe Inflation. "Das Eurosystem ist auf dem richtigen Weg. Mit drei großen Leitzinserhöhungen in Folge haben wir wichtige Schritte auf dem Weg der geldpolitischen Normalisierung gemacht", sagte Nagel am Freitag bei einem Bankenkongress in Frankfurt. "Aber wir können hier nicht stehen bleiben. Weitere entscheidende Schritte sind notwendig."

Die Europäische Zentralbank (EZB) versucht nach langem Zögern seit Juli mit kräftigen Zinserhöhungen die Inflation einzudämmen. Der Leitzins im Euroraum, der jahrelang auf dem Rekordtief von null Prozent eingefroren war, liegt inzwischen bei 2,0 Prozent. Höhere Zinsen sind allerdings auch eine Bürde für die Wirtschaft, etwa weil sich Kredite verteuern.

Er hielte es für "falsch, aus Angst vor einem Abschwung mit weiteren entscheidenden Schritten zu warten", betonte Nagel. Die Geldpolitik dürfe nicht zu früh nachlassen. "Die Inflation ist eine harte Nuss, die es zu knacken gilt. Wenn wir sie knacken wollen, muss auch die Geldpolitik hart sein", sagte der Bundesbank-Präsident.

Die EZB strebt mittelfristig im Euroraum Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von 2,0 Prozent an. Im Euroraum lagen die Verbraucherpreise im Oktober um 10,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. "Um die Rückkehr zur Preisstabilität zu gewährleisten, müssen die langfristigen Nominal- und Realzinsen in ausreichendem Maße steigen, weshalb die Leitzinsen weiter erhöht werden müssen", bekräftigte Nagel, der im EZB-Rat mitentscheidet.

Auch der weitere Ausstieg aus der jahrelang ultralockeren Geldpolitik inklusive milliardenschwerer Wertpapierkäufe sollte nach Dafürhalten Nagels vorangetrieben werden: "Meiner Meinung nach sollten wir Anfang nächsten Jahres damit beginnen, den Umfang unserer Anleihebestände zu reduzieren, indem wir nicht mehr alle fällig werdenden Anleihen vollständig reinvestieren. Die zusätzliche Straffung würde dazu beitragen, die Inflation zu senken."