Bundesbank könnte Wachstumprognose für dieses Jahr anheben

Bundesbank-Chef Weidmann

Die Bundesbank könnte ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2017 anheben. "In Deutschland zeigen die Indikatoren nun noch stärkeres Wachstum, als wir es in unserer Prognose vom Juni angeführt haben", sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann am Freitag in Frankfurt am Main. Die Dauer und Stärke des derzeitigen Wachstums sei beeindruckend, vor allem vor dem Hintergrund der hohen Unsicherheit in der Weltpolitik. Weidmann forderte aber von der Bundesregierung weitere Maßnahmen gegen einen drohenden Arbeitskräftemangel.

Im Juni hatte die Bundesbank die Prognose für das Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent auf 1,9 Prozent für dieses Jahr erhöht. Ohne politisches Eingreifen könnten die Wachstumsraten in den kommenden zehn Jahren aber unter ein Prozent fallen, warnte Weidmann auf dem Europäischen Bankenkongress. Der Grund sei die Überalterung der Gesellschaft, weswegen immer mehr Arbeitskräfte fehlen würden. Deshalb sei es wichtig, beispielsweise mehr Frauen auf den Arbeitsmarkt zu holen: "Weitere Investitionen in Kinderbetreuung bleiben ein Muss", sagte Weidmann.

Bezüglich der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) äußerte Weidmann den Wunsch eines festen Enddatums für das Anleihekaufprogramm der Notenbank. EZB-Präsident Mario Draghi hatte zuvor die Entscheidung verteidigt, dass die EZB ihre Anleihekäufe lediglich reduziert. Ein definitives Ende wollte Draghi nicht ankündigen, solange die Inflationsrate nicht stabil bei zwei Prozent liege.

Die Bundesbank will am Montag ihren nächsten Monatsbericht vorstellen. Die Wachstumsprognose soll erst im Dezember aktualisiert werden, wenn auch die EZB ihre neuen Zahlen vorstellt. Die Wirtschaftsweisen gingen in ihrem Jahresgutachten vergangene Woche von einem Wachstum von 2,0 Prozent für dieses Jahr aus.