Bundesanwaltschaft will zwölf Jahre Haft für Neonazi André E

Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München hat die Bundesanwaltschaft für den mutmaßlichen NSU-Helfer André E. eine Haftstrafe von zwölf Jahren Haft gefordert. E. habe sich fünf Unterstützungshandlungen schuldig gemacht, von denen drei Fälle sehr schwer wögen, begründete Bundesanwalt Herbert Diemer am Dienstag die überraschend hohe Strafforderung gegen den Neonazi.

Gleichzeitig beantragte die Anklage, wegen der drohenden hohen Strafe Haftbefehl gegen E. zu erlassen. Mit seiner Inhaftierung solle eine drohende Flucht verhindert werden, hieß es zur Begründung. Das Gericht kündigte an, bis Mittwoch über den Antrag zu entscheiden. Bis dahin soll E. bereits in Gewahrsam in die Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim genommen werden.

E. soll damit nach der Forderung der Anklagebehörde genauso lange ins Gefängnis wie der mutmaßliche NSU-Helfer Ralf Wohlleben. Wohlleben wird das Beschaffen der Ceska-Pistole vorgeworfen, mit dem der NSU neun Migranten ermordet haben soll. "Im Ergebnis" seien die Tatbeiträge von Wohlleben und E. vergleichbar, sagte Diemer.

E. sei für das im Untergrund lebende NSU-Trio aus Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe "ein verlässlicher Anker" gewesen. "Auf ihn war unbedingter Verlass." E. hatte sich offenbar auf eine hohe Strafforderung eingestellt. Wie sein Verteidiger sagte, packte er bereits einen Koffer für eine mögliche Inhaftierung.

E. saß nach dem Auffliegen des NSU ein halbes Jahr in Untersuchungshaft. Seit seiner Freilassung sitzen von den Angeklagten nur noch Zschäpe und Wohlleben im Gefängnis.

Für den ebenfalls als NSU-Helfer angeklagten Holger G. forderte die Bundesanwaltschaft fünf Jahre Haft, für den mutmaßlichen Helfer Carsten S. drei Jahre Jugendhaft. Für diese beiden beantragte die Bundesanwaltschaft keine Haftbefehle.