Bundesanwaltschaft klagt bundesweit aktiven Islamistenprediger Abu Walaa an

Die Bundesanwaltschaft hat den als maßgebliche Schlüsselfigur der radikalislamischen Szene in Deutschland geltenden Prediger Ahmad Abdulaziz Abdullah A. angeklagt. Der 33-Jährige, der sich selbst auch Abu Walaa nennt, werde der Mitgliedschaft in der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verdächtigt, teilte die Karlsruher Behörde am Donnerstag mit. Zusammen mit vier Mitangeklagten habe er ein überregionales Netzwerk gebildet.

Die Bundesanwaltschaft wirft A. auch Terrorfinanzierung und die öffentliche Aufforderung zu Straftaten vor. Er und seine vier Mitangeklagten im Alter von 27 bis 51 Jahren wurden im November festgenommen und sitzen seither in Untersuchungshaft. Für die Entscheidung über die Anklage ist der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts im niedersächsischen Celle zuständig. Ob und wann es zum Prozess gegen die Männer kommt, ist noch offen.

A. gilt seit langem als einer der bekanntesten Salafisten in Deutschland. Er war Imam der Moschee des als Islamistentreff geltenden Vereins Deutscher Islamkreis Hildesheim, den das niedersächsische Innenministerium im März verbot. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft agierte er darüber hinaus bundesweit als islamistischer Prediger in einschlägigen Sammelpunkten der Szene.

Seine sogenannten Islamseminare hielt er demnach unter anderem auch in der Moschee des im Februar verbotenen Berliner Vereins Fussilet 33 ab. Dort soll auch der Tunesier Anis Amri, der im Dezember vergangenen Jahres bei einem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt zwölf Menschen tötete, verkehrt haben.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem aus dem Irak stammenden A. vor, mit seinen Mitangeklagten ein "salafistisch-dschihadistisches Netzwerk" gebildet und darin als IS-"Repräsentant" in Deutschland die zentrale Rolle gespielt zu haben. Ziel der Gruppe sei es gewesen, Kämpfer in IS-Gebiete in Syrien und im Irak zu bringen. A. habe "direkte Kontakte" zu IS-Führern gehabt.

Konkret geht es in der Anklageschrift um die Schleusung von acht Dschihadisten in den Jahren 2014 und 2015, die von A. und seinem Netzwerk organisiert oder finanziert worden sein soll. Darunter waren laut Bundesanwaltschaft auch die Zwillinge Mark und Kevin K. aus Nordrhein-Westfalen, die sich bei IS-Angriffen auf die irakische Armee als Selbstmordattentäter in die Luft sprengten.

Die Vorwürfe gründen sich laut Bundesanwaltschaft unter anderem auf Aussagen einer "Vertrauensperson", die früher in "engem Kontakt" zu den Beschuldigten stand. Deren Angaben seien für die Ermittlungen von "maßgeblicher Bedeutung" gewesen. Die Identität werde geheimgehalten. A. habe diese vor seiner Festnahme bereits als "Verräter" bezeichnet sowie zu ihrer Ermordung aufgerufen.