Bundesanwaltschaft erhebt Spionageanklage in Fall von verschlepptem Vietnamesen

Die Slowakei leitet Ermittlungen zur aufsehenerregenden Verschleppung eines vietnamesischen Geschäftsmanns aus Berlin ein. Es besteht der Verdacht, dass Trinh Xuan Thanh mit einer slowakischen Regierungsmaschine in seine Heimat geflogen wurde

Im Fall der aufsehenerregenden Verschleppung des vietnamesischen Geschäftsmanns Trinh Xuan Thanh im vergangenen Juli in Berlin durch den vietnamesischen Geheimdienst hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen einen mutmaßlichen Beteiligten erhoben. Der 47-jährige Vietnamese Long N. H. soll unter anderem in Prag einen für die Entführung benutzten Transporter angemietet haben, wie die Behörde am Mittwoch in Karlsruhe mitteilte. Die Anklage lautet auf geheimdienstliche Agententätigkeit und Beihilfe zur Freiheitsberaubung.

Thanh war 2016 nach Deutschland geflohen und beantragte hier Asyl. In seiner Heimat wurde ihm vorgeworfen, als Chef des Staatskonzerns PetroVietnam Construction Wirtschaftsstraftaten begangen zu haben.

Der Anklage zufolge wurden Tanh und eine Begleiterin im Berliner Tiergarten direkt neben dem Regierungsviertel von mehreren Männern auf offener Straße in einen Transporter gezerrt und zunächst in die vietnamesische Botschaft gebracht. Von dort aus sei der Funktionär dann auf unbekanntem Weg nach Vietnam verschleppt worden.

Die Täter waren der Bundesanwaltschaft zufolge Mitarbeiter des vietnamesischen Geheimdiensts sowie mehrere in Europa lebende Vietnamesen, darunter der Angeschuldigte Long N. H., der am Tag nach der Entführung in Tschechien festgenommen wurde. Später wurde er auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls nach Berlin ausgeliefert.

Auslöser der Ermittlungen gegen Tanh in Vietnam war ein Foto: Es zeigt einen Luxuswagen der Marke Lexus mit Kennzeichen der vietnamesischen Regierung. Der Wagen soll Thanh gehört haben. Die Regierung in Hanoi brachte ein Verfahren wegen Korruption und Unterschlagung in Gang und warft Tanh dem Auswärtigen Amt zufolge vor, "hohe dreistellige Millionendollarbeträge" veruntreut zu haben.

Laut Bundesanwaltschaft stellte Vietnam einen Auslieferungsantrag, verschleppte Tanh dann aber noch vor einer Entscheidung darüber gewaltsam aus Berlin. Mittlerweile wurde der Vietnamese in Hanoi in zwei Gerichtsverfahren wegen Wirtschaftsdelikten jeweils zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Entführungsfall löste eine schwere diplomatische Krise zwischen Berlin und Hanoi aus. Das Auswärtige Amt sprach von "Menschenraub" und "Entführung". Die vietnamesische Regierung bestritt die Vorwürfe. Sie betonte, Thanh sei freiwillig zurückgekehrt, um sich dem Verfahren zu stellen.