Was der Bundes-Flick für die Bundesliga bedeutet

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Was der Bundes-Flick für die Bundesliga bedeutet
Was der Bundes-Flick für die Bundesliga bedeutet

Wer glaubt, Hansi Flick sei, als ehemaliger Co-Trainer von Joachim Löw und langjähriger DFB-Angestellter, die kleine und vor allem pflegeleichte Lösung, die sich ohne großes Getöse in die bestehenden Strukturen eingliedern und geräuschlos den eingeschlagenen Weg fortsetzen werde - der hat wohl selten mehr geirrt!

Gerade bei Flicks Noch-Klub FC Bayern - bis Ende Juni steht der kommende Bundestrainer beim Deutschen Meister noch unter Vertrag - gehen sie davon aus, dass mit dem Führungswechsel bei der Nationalmannschaft nun bald ordentlich Bewegung reinkommt in den elitären Zirkel des deutschen Fußballs. (Flick wird Bundestrainer - wann er loslegt, was er verdient)

"Hansi", sagt einer, der einige Jahre eng mit ihm zusammenarbeitete, "kann sehr schnell sehr emotional werden. Er hat klare Vorstellungen und ist Freund eindeutiger Entscheidungen. Das wird auch der DFB merken, die Zeit als Bayern-Cheftrainer hat ihn noch mal selbstbewusster gemacht. Politisches Getue bringt Hansi schnell auf die Palme, das war schon immer so."

Unter Flick gilt ab August eine neue Zeitrechnung

So können sie sich beim DFB schon darauf einstellen, dass eben nicht der Löw-Weg fortgesetzt, sondern der Flick-Weg eingeschlagen wird. Ab August gilt eine neue Zeitrechnung - mit deutlich mehr Bundestrainer-Präsenz. So erwarten sie es beim DFB.

Wenn Flick seinen Worten aus den Gesprächen der vergangenen Wochen Taten folgen lässt, wird er aktiver auftreten als Jogi Löw zuletzt, möchte als ranghöchster Fußballlehrer des DFB deutlich mehr vorangehen und den deutschen Fußball eindeutiger und energischer anführen, zudem sichtbarer.

Auch für die Bundesliga und ihre Vereine wird das Konsequenzen haben. Flick will den Austausch enger machen, greifbarer sein für die Verantwortlichen und vor allem die Trainer der deutschen Profiklubs.

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Das plant Flick bei der Spielerauswahl

So stehen auch regelmäßige Besuche bei den Vereinen wieder oben auf der Bundestrainer-Agenda, der persönliche Austausch ist Flick wichtig. Er möchte die Bundesliga-Vereine uneingeschränkt hinter sich bringen, um in kritischen Situationen, z.B. den eng getakteten Phasen der Saison, dann auch von ihnen Unterstützung zu erfahren.

Auch an die Spielerauswahl, so erwarten es Flicks Wegbegleiter, wird er anders herangehen als Vorgänger Löw. Wie auch bei den Bayern sollen zuallererst und vornehmlich die Besten zum Einsatz kommen. Die Nationalmannschaft, das habe er im letzten Herbst im Verein schon betont, sei nicht der Ort, in dem sich die Reservisten der Vereine ihre Einsatzzeiten holen. Sie ist kein Ausbildungsort.

Flick, damit rechnen sie beim DFB, wird wieder voll auf die "Stärksten" setzen. Thomas Müller soll dabei bleiben, auch nach der EM. Genauso der 18-jährige Jamal Musiala, den Flick über alle Maßen schätzt und für dessen Nominierung er sich auch bei Löw stark machte.

Anders als Löw hätte Flick Jérôme Boateng in den EM-Kader geholt, den für ihn besten Bayern-Verteidiger der vergangenen Saison. Gut möglich, wenn Boateng weiter bei einem Top-Klub spielt, dass auch Flick ihn wieder zur Nationalmannschaft holt.

So entspannt der Wechsel von Löw auf Flick von außen vielleicht erscheinen mag - er bringt einiges an Veränderung mit sich. Die gelassenen Jogi-Jahre beim DFB, erst recht intern, neigen sich dem Ende. Die Flick-Ära wird gut - und spannend …

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".