Bund und Länder wollen schnellere Anerkennung ausländischer Pflegekräfte

Zimmer in einem Pflegeheim

Im Kampf gegen den Personalmangel in der Pflege wollen Bund und Länder die Anwerbung ausländischer Fachkräfte beschleunigen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (beide CDU) stellten am Montag in Berlin die Deutsche Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe (Defa) vor. Bisher lang dauert es oft mehr als zwei Jahre, bis eine Pflegekraft aus einem Nicht-EU-Land in Deutschland arbeiten kann. Dies soll sich jetzt auf sechs Monate verkürzen.

Dabei geht es vor allem um Fachkräfte aus Mexiko und den Philippinen. Spahn verwies darauf, dass die Bundesregierung Pflegekräfte nur in Ländern anwerbe, deren Bevölkerung im Schnitt sehr jung ist und die deutlich über ihren eigenen Bedarf ausbilden. "Wir wollen nicht anderen Ländern die Fachkräfte klauen", sagte der Minister.

Mit Unterstützung der Defa sollen Pflegekräfte drei Monate nach dem Visa-Antrag nach Deutschland einreisen können. Nach drei weiteren Monaten soll die volle berufliche Anerkennung vorliegen. Zum Start unterstützt die Defa rund 4200 Antragsverfahren. Die Agentur beginnt jetzt mit der Umsetzung, so dass die ersten Pflegekräfte im zweiten Quartal 2020 in Deutschland eintreffen.

"Den hohen Personalbedarf können wir ohne Pflegekräfte aus dem Ausland nicht decken", sagte Spahn. "Deshalb erleichtern wir es ausländischen Fachkräften, die mit anpacken wollen und unsere Werte teilen, hier in der Pflege zu arbeiten." Die neue Agentur sorge dafür, dass sie schnell und unbürokratisch ein Visum und eine Arbeitserlaubnis erhalten.

Die vom Saarland gegründete Defa werde nicht nur die Antragsteller und die deutschen Behörden spürbar entlasten, sondern auch dafür sorgen, dass die Gesundheitseinrichtungen schneller dringend benötigte Pflegefachkräfte aus dem Ausland erhalten, sagte Hans. Wer im Saarland anerkannt wird, kann auch in anderen Bundesländern arbeiten.

Konkret kümmert sich die Defa um Anträge auf Visa, Anerkennung der Berufserlaubnis sowie Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Sie bündelt die Anträge zu Paketen und sorgt dafür, dass die Unterlagen vollständig und richtig sind. Auf Wunsch bietet sie aber auch weitere Leistungen an, wie die Auswahl von Bewerbern oder Sprachkurse im Ausland. Der Bedarf an Pflegekräften in Deutschland wird auf bis zu 100.000 geschätzt.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sieht die Anwerbung ausländischer Pflegekräfte kritisch. Besonders in der Pflege seien gute Deutschkenntnisse von zentraler Bedeutung, erklärte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. "So ist es beispielsweise für demenziell erkrankte Menschen sehr belastend und mitunter gefährlich, wenn die Verständigung aufgrund von Sprachbarrieren nicht gelingt." Um den Pflegenotstand zu beheben, müssten Bezahlung und Arbeitsbedingungen besser werden.