Bund und Länder wollen Auffrischungsimpfungen für alle

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Corona-Schutzimpfung (AFP/Odd ANDERSEN)

Angesichts der sich verschärfenden Corona-Lage haben sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern für Auffrischungsimpfungen für alle ausgesprochen. "Boostern nach sechs Monaten sollte die Regel werden, nicht die Ausnahme", sagte der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag nach zweitägigen Beratungen in Lindau. In Alten- und Pflegeheimen sollen die verpflichtenden Tests ausgeweitet werden. Eine Impfpflicht für das Pflegepersonal soll es aber nicht geben.

Vor allem Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen und medizinisches Personal sollten die Auffrischungsimpfungen erhalten, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), der den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz hat. Grundsätzlich sollten aber sogenannte Booster-Impfungen nach sechs Monaten "für alle möglich sein". Es gehe darum, "diese Welle zu brechen".

Spahn und der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) forderten die Ärztinnen und Ärzte in einem Schreiben auf, "die Covid-19-Impfkampagne weiterhin mit aller Kraft zu unterstützen". Zur weiteren Eindämmung der Pandemie sei "die Durchführung der Auffrischimpfungen durch alle an der Impfkampagne beteiligten Akteure wichtig", hieß es in dem Brief. Bestellfristen für Impfstoffe würden wieder auf eine Woche verkürzt, um die Impfungen zu beschleunigen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte am Morgen den zweiten Tag in Folge einen Höchststand der Neuinfektionen seit Beginn der Pandemie gemeldet. Demnach wurden binnen 24 Stunden 37.120 Neuinfektionen registriert. 154 Menschen starben.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt Auffrischungsimpfungen bisher für Menschen ab 70 Jahren. Spahn verwies darauf, dass es auch bei dem Bund-Länder-Beschluss durch die Sechs-Monats-Frist de facto eine Priorisierung nach Altersgruppen gebe. Denn in der ersten Jahreshälfte hätten auch zunächst die Älteren ihre erste und zweite Impfung bekommen. Spahn zufolge besteht Einigkeit, dass es zusätzlich zu den Arztpraxen auch öffentliche Stellen für Impfangebote brauche, wie Impfzentren oder Impfbusse.

Die Testpflicht in Alten- und Pflegeheimen soll auf Geimpfte und Genesene ausgeweitet werden, da auch diese Überträger des Virus sein können. "Wir schaffen mit dem erweiterten Testkonzept für Personal und Besucher der Pflegeheime unabhängig vom Impfstatus zusätzliche Sicherheit für jene, die besonders geschützt werden müssen", betonte Holetschek.

Der Bund wird demnach die Voraussetzungen dafür schaffen, dass etwa Besuchern von Pflegebedürftigen Tests kostenlos zur Verfügung stehen. Spahn zufolge ist "idealerweise" eine tägliche Testung in den Heimen angezeigt, zumindest in Regionen mit hohen Inzidenzwerten. Zum Verzicht auf eine Impfpflicht für das Pflegepersonal sagte Spahn, er habe Sorge, dass Pflegekräfte dann nicht mehr zur Arbeit kämen.

Einig seien sich die Gesundheitsminister, dass die 2G-Regelung, die nur Geimpfte und Genesene einschließt, in Regionen mit sehr hohem Infektionsgeschehen fortan eine Option sei für den Zugang zu bestimmten Veranstaltungen, sagte der Gesundheitsminister weiter.

Sachsen, wo die Inzidenzwerte besonders hoch sind, beschloss am Freitag als erstes Bundesland eine landesweite 2G-Regelung, die etwa für Innenräume von Gaststätten und Veranstaltungen in Innenräumen gilt. Bisher galt dies dort nur als zusätzliche Option neben der 3G-Regel.

bk/mid

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