Bugatti erwägt Elektro-Viersitzer für unter 1 Million Euro

Christoph Rauwald

(Bloomberg) -- Bugatti Automobiles SAS will für mehr Kunden attraktiv werden. Der Luxus-Autobauer will neben dem 2,5 Millionen Euro teuren Supersportwagen Chiron eine etwas günstigere Alternative anbieten.

Die potenzielle zweite Modell-Linie wäre ein elektrogetriebener Grand Tourer oder Crossover mit Platz für bis zu vier Personen, der zwischen 500.000 Euro und einer Million Euro kosten würde. Die französische Edelmarke befinde sich in Diskussionen mit der Muttergesellschaft Volkswagen AG bezüglich der Investitionen, sagte der Bugatti-CEO Stephan Winkelmann in einem Bloomberg-Interview in Berlin.

“Die Industrie verändert sich gerade fundamental und wir müssen uns damit auseinandersetzen, welche Möglichkeiten es gibt, um Bugatti als Marke weiterzuentwickeln”, sagte Winkelmann. Er räumte ein, dass es ein “harter Kampf” ist, Gelder für ein derartiges Nischenprojekt zu sichern.

Die Pläne zeigen, dass selbst Autohersteller, die von den Realitäten des Alltagsverkehrs losgelöst sind, sich auf das allmähliche Ende der Ära des Verbrennungsmotors einstellen. Für Bugatti geht es dabei weniger um Emissionen als um die sich ändernde Definition von Fortschritt und Innovation.

Winkelmann, der zuvor bei Volkswagen die Marke Lamborghini leitete, versucht Bugatti rentabel genug zu machen, damit die Edelmarke möglicherweise außerhalb des Konzerns überleben kann und nicht wieder Gefahr läuft, eingestellt zu werden. Seit dem Diesel-Skandal im Jahr 2015 nimmt Volkswagen sein Produkt-Portfolio genauer unter die Lupe angesichts der wachsenden Kosten der Investitionen in Elektroautos und Technologie für selbstfahrende Autos.

Bugatti galt lange Zeit als Paradebeispiel für Volkswagens Technik-Extravaganz. Die Edelmarke wurde unter dem früheren Aufsichtsratvorsitzenden Ferdinand Piech 1998 wiederbelebt, nachdem sie in den 1950er Jahren fast in der Versenkung verschwunden war. Angesichts des Nobelcharakters gibt es nur begrenzte Möglichkeiten für die gemeinsame Nutzung von Teilen und Technologie. Wegen der hohen Entwicklungskosten und niedrigen Volumina galt der Veyron - das erste Bugatti-Modell unter VW -- als einer der größten Verlustbringer in der Autobranche.

Winkelmann sagte, dass Bugatti heutzutage “gutes Geld” verdiene und dass die Marke sich nun als wirtschaftlich rentabel beweisen müsse und nicht nur als ein Ingenieurstraum. In diesem Jahr hat ein Chiron-Modell einen Geschwindigkeitsrekord von mehr als 482 Kilometer pro Stunde aufgestellt. Aber das Erreichen derartiger Leistungsrekorde gehört laut Winkelmann der Vergangenheit an, der Autohersteller sei mehr daran interessiert, seine Attraktivität als Luxusmarke zu steigern.

Bugatti hat den Fertigungsbetrieb vom Chiron auf nur 500 Fahrzeuge begrenzt und weniger als 100 sind noch zu haben. Derzeit fertigt das Unternehmen pro Jahr etwa 100 Fahrzeuge stark nach den Wünschen der Kunden. Die Erweiterung um ein günstigeres Modell wäre eine massive Expansion, der Ausstoß würde um mehr als 600 Fahrzeuge jährlich steigen, so Winkelmann.

Überschrift des Artikels im Original:Bugatti Plots Electric Four-Seater for Less Than $1 Million

(Neu: Fotos)

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