Buchen bei insolventer Air Berlin: Das sind die Chancen und Risiken

Momentan weiß niemand, wie lange die Maschinen von Air Berlin noch fliegen. (Bild: REUTERS/Fabrizio Bensch)

Nach der Insolvenz lockt Air Berlin mit wahren Schnäppchen-Preisen, vor allem die Preise für Flüge in die USA sind im Keller. Das kann sich für Kurzentschlossene richtig lohnen, birgt aber auch Risiken.

Ab Stuttgart, Hamburg oder Frankfurt kommt man im September oder Oktober für nur 332 Euro nach New York, ab München ist es sogar noch billiger. Hin- und Rückflug wohl gemerkt, für den Preis in der Economy, aber ok. Auch Los Angeles und San Francisco lassen sich bei Air Berlin für ganz ähnliche Preise buchen, oder wollen Sie lieber nach Chicago, Fort Myers oder Orlando? Kein Problem. Sagt zumindest Air Berlin.

Die Tickets sind billig, weil die Maschinen ausgelastet sein müssen
Als erste deutsche Fluggesellschaft ist sie in ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingetreten, soll heißen: Der Betrieb soll trotz Zahlungsunfähigkeit weiterlaufen, wodurch der Wert der Airline mit ihren Landerechten viel höher bleibt, als wenn sie den Betrieb einstellen würde. Möglich macht das ein staatlich verbürgter Kredit über 150 Millionen Euro. Weil der Linienflugplan weiter gilt, muss die Airline die Plätze weiterhin voll kriegen, um die Verluste nicht noch größer werden zu lassen. Sind die Maschinen ausgelastet, finden die Flüge statt. Und genau deshalb gibt es so viele Schnäppchen-Angebote.

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Je näher das Flugdatum, desto sicherer
Wie das Beispiel der USA-Angebote zeigt, kann sich eine Buchung richtig lohnen. Vor allem, wenn das Reisedatum relativ zeitnah ist. Je größer die Zeitspanne bis zum geplanten Reisedatum, desto unsicherer ist, was bis dahin passieren wird. Fest steht, dass die Reisenden, die direkt über Air Berlin gebucht haben, leer ausgehen, falls der Flug wegen der Insolvenz ausfällt. Und auch Entschädigungen für verspätete Flüge sind von Air Berlin nicht mehr zu erwarten.

Wer auf Nummer sicher gehen will, weicht auf die Unternehmens-Tochter aus
Betroffenen bleibt in diesem Fall nur die Möglichkeit, ihre Ansprüche als Insolvenzforderung anzumelden. Solange Gläubiger und Interessenten aber in Verhandlung stehen, sollte alles weiterlaufen wie bisher. Trotzdem kann es vorkommen, dass Flüge bei schlechter Auslastung gecanceled oder verlegt werden. Buchungen bei der nicht insolventen Urlaubsflieger-Tochter Niki gelten aber als sicher.

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Pauschalreisen sind abgesichert
Auf der sicheren Seite sind Reisende, die Flug und Hotel pauschal gebucht haben. Egal, ob der Flug stark verspätet ist, gestrichen oder verlegt wird: Hier gilt das Pauschalreiserecht und der Reiseveranstalter steht in der Pflicht, einen Ersatz bereitzustellen oder für Zusatzkosten aufzukommen.

Bonusmeilen können Sie vergessen
Wer bei Air Berlin ein Meilenguthaben angesammelt hat, hat leider verloren. Die Guthaben verfallen, weil das Vielfliegerprogramm Topbonus ebenfalls insolvent ist. Noch schlimmer als die Meilensammler trifft es die Eigentümer der Airline wie den Hauptaktionär Etihad aus Abu Dhabi. Experten gehen von einem Totalverlust aus.