Brüste im Beruf: Wie man damit am Arbeitsplatz umgeht

Busen am Arbeitsplatz. (Bild: Getty, WireImage, Collage: Quinn Lemmers)

Es gibt viele Gründe, warum Katie Couric so erfolgreich ist – Intelligenz, Menschlichkeit und Hartnäckigkeit, um nur einige zu nennen. Trotzdem erinnerte sich die erfahrene Journalistin vor Kurzem an die Anfänge ihrer Karriere, als ein CNN-Executive ihre Leistungen auf eine seltsame Art von Attributen reduzierte.

„Sie ist erfolgreich, weil sie hart arbeitet, intelligent ist und wegen ihrer Brustgröße”, waren die verblüffend verfehlten Worte der Führungskraft, an die sich Couric im März während eines #WeSeeEqual-Forums über die Arbeitsbedingungen der Frauen bei Proctor & Gamble erinnerte.

NEW YORK CITY, NY – 5. März: Katie Couric am 5. März 2007 beim jährlichen Awards Dinner der Jackie Robinson Foundation im Waldorf Astoria in New York City. (Bild: David X Prutting/Patrick McMullan via Getty Images)

„Ich hatte Glück, in dem Sinne, dass ich keinen sexuellen Missbrauch erlebt habe, aber mit Sicherheit war ich weit verbreiteten Haltungen gegenüber Frauen, dem Denken in Schubladen, ausgesetzt“, sagte Couric, als sie von Carolyn Tastad von P&G nach Hindernissen in ihrer Karriere gefragt wurde. Sie zitierte für sie häufig verwendete Attribute wie „süß“ und „frech“, die sie „marginalisierend“ nannte und erwähnte dann die unerhörten Kommentare des CNN-Mitarbeiters, über die sie sich in einem Brief an ihn beschwerte. Er reagierte mit einem Telefonanruf, der, wie sie sagte, „vor Entschuldigungen triefte“.

Leider ist Couric kein Einzelfall, was unerwünschte Kommentare über ihren Körper angeht, besonders zu ihrem Busen. Promis von Tracee Ellis Ross bis zu Dolly Parton haben schon solche Kommentare erhalten, genauso wie Politikerinnen, inklusive Angela Merkel, die vor Jahren eine Opernaufführung in Oslo in einem umwerfenden Kleid besuchte, nur um wegen ihres Ausschnitts angesprochen zu werden, oder Hillary Clinton, die wegen ihres tiefen Ausschnitts von einem „Washington Post“-Reporter 2007 angegriffen wurde.

Der norwegische Premierminister Jens Stoltenberg und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnung des neuen Opernhauses in Oslo 2008. Am 12. April 2008 wird in Anwesenheit von König Harald und Bundeskanzlerin Angela Merkel das neue Opernhaus, ein futuristisches Bauwerk, das zu einem architektonischen Wahrzeichen der Stadt werden soll, offiziell eingeweiht. AFP PHOTO / Bjorn Sigurdson / SCANPIX POOL (Bild: BJORN SIGURDSON/AFP/Getty Images)

„Am Mittwoch nachmittag konnte man bei C-SPAN2 einen tiefen Ausschnitt sehen, er gehörte Senatorin Hillary Clinton”, schrieb Moderedakteurin Robin Givhan. Während sie Clintons Kleiderwahl kommentierte, schrieb sie auch: „Bei Clinton hatte man das Gefühl, einen heimlichen Blick auf etwas Privates zu werfen, als würde man unerlaubt eindringen – ein Voyeur sein.“

Und es sind nicht nur Leute mit einer Karriere im Rampenlicht, die solchen Kommentaren ausgesetzt sind (viele, die dies lesen, verstehen das wohl nur allzu gut). Bei einer Umfrage von Slater & Gordon von 2013 gab ein Drittel der Frauen an, dass ein älterer männlicher Kollege schon einmal unangemessene Kommentare zu ihren Brüsten, ihrem Sexleben, ihrem Po oder ihrer Kleidung gemacht hat. Im November 2017 befragte Fairygodboss, ein Job-Bewertungs-Portal für Frauen, 500 Userinnern und 43 Prozent derjenigen, die antworteten, sagten, sie hätten Belästigung am Arbeitsplatz erlebt.

Offensichtlich ist das Problem weitreichender als Brüste, aber sie sind ein großer Bestandteil, egal welche Körbchengröße Sie haben. Die Umfrage von Slater & Gordon ergab, dass jede sechste Frau Kollegen hat, die ihr auf die Brüste starren und fast die Hälfte hat schon einmal Kommentare zu ihren Brüsten am Arbeitsplatz erhalten. Sexuelle Belästigung wie diese hat dazu geführt, dass jede achte Frau ihren Job kündigt, weil sie sich unter diesen Bedingungen unwohl fühlte.

„Körper von Frauen werden nur als Gesprächsobjekte angesehen”, erklärt Jaclyn Friedman, Herausgeberin von „Yes Means Yes: Visions of Female Sexual Power and a World Without Rape” und Autorin von „Unscrewed: Women, Sex, Power and How to Stop Letting the System Screw Us All“, gegenüber Yahoo Lifestyle hinsichtlich dessen, warum Frauen so anfällig für Aufmerksamkeit auf ihre Brüste am Arbeitsplatz sind. „Und ich glaube, dass es da diese zugrundeliegende Annahme gibt, dass es die Aufgabe der Frau ist, Männer nicht mit ihrem Körper abzulenken; dass, wenn Männer sich abgelenkt fühlen, weil sie uns als sexuelle Wesen sehen, dies unser Problem ist und nicht das des Mannes, der nie dazu aufgefordert wurde, dieses Problem für sich zu bearbeiten.“

Laut einem Bericht von Captivate Network gaben 45 Prozent der Befragten an, dass sie Ausschnitte im Büro sehen. Aber 87 Prozent der Führungskräfte gaben an, dass sie dies ablenkend finden.

Givhan, die für die „Post“ über Clinton schrieb, fand dies mit Sicherheit auch. „Es ist eine Provokation, einen tiefen Ausschnitt in einer Umgebung ohne Cocktails und Hors d’oeuvres zu haben“, schrieb sie. „Dies erfordert von einer Frau, dass sie sich in ihrer Haut extrem wohlfühlt, cool und selbstbewusst auftritt und ihren Sinn für Stil bewahrt.“ Oder… es erfordert, dass die Trägerin große Brüste hat und einfach ein Oberteil tragen möchte, das keinen Rollkragen hat. Oder sie möchte einfach tragen, was sie will, weil sie es kann.

Hillary Clinton (Bild: Getty Images)

„Es ist verrückt, dass wir das so sher betonen müssen”, sagt Friedman.

Samantha von Sperling – Etikette-Trainerin, Stylistin und Image-Beraterin – stimmt dem zu. Aber nur zu einem gewissen Grad. „Das Argument ist, dass Männer machtlos und wehrlos gegenüber dem allmächtigen Busen sind, dass sie Monster sind und sich nicht beherrschen können“, erklärt sie Yahoo Lifestyle. „[Aber] dass sich Männer nicht beherrschen können, ist Schwachsinn. Es geht nicht darum, sich auf eine bestimmte Art anzuziehen, weil andere Leute sich nicht benehmen können. Es geht darum, sich der Kultur anzupassen, in der man sich befindet. Und wenn Sie nicht wissen, in welcher Welt Sie leben, dann schauen Sie sich um und wählen Sie besser die konservative Seite.“

Auch Fairygodboss CEO und Mitbegründerin Georgene Huang glaubt daran, dass man sich dem Kontext entsprechend kleiden sollte.

„Kleidervorschriften für den Arbeitsplatz sind in bestimmten Branchen üblicher als in anderen (Gastronomie, Investment Banking) und es ist wichtig, zu verstehen, was im eigenen Arbeitsumfeld angemessen ist und was nicht“, erklärt Huang. „Ich denke, der Kontext ist alles. In bestimmten Berufen kann es akzeptabler sein, einen tiefen Ausschnitt zu tragen als in anderen. Leute sollten sich entsprechend ihrer Kultur am Arbeitsplatz kleiden und etwas tragen, in dem sie sich wohlfühlen.“

Leider passen diese zwei Dinge nicht immer zusammen, weshalb wir in Unternehmen in den USA keine Yogahosen tragen oder ohne BH erscheinen können. Und das ist der Punkt, an dem es unfair wird, besonders für Frauen.

„Frauen sind leider mehr gesellschaftlichen Urteilen ausgesetzt, zum Beispiel, ob ein Kleid als zu kurz angesehen wird oder ein T-Shirt zu weit ausgeschnitten ist – im Vergleich zu Männern, die typischerweise mit dem Tragen einer ‚Uniform‘ wie einem Anzug davonkommen“, sagt sie. „Im Allgemeinen zeigen unsere Untersuchungen, dass arbeitssuchende Frauen aufgrund ihres Aussehens sehr unfairen Stereotypen ausgesetzt sind.“

Und offensichtlich geben sich viele Frauen mit „angemessen” zufrieden, um bei der Arbeit nicht für Unruhe zu sorgen.

„Eine einzelne Person, es sei denn, sie hat unglaublich viel Macht am Arbeitsplatz, hat meist einfach nur das Ziel, nicht in Schwierigkeiten zu geraten und gut zu arbeiten“, betont Friedman. „Weil wir alle Arbeitsplätze brauchen und erfolgreich sein wollen. Aber das bedeutet nicht, dass wir mit zweierlei Maß messen müssen.“ Trotzdem sind wir hier, im Büro, mit Bügeln, die in unsere Seiten schneiden und BH-Trägern, die sich in unsere Schultern graben. „Wir gehen alle Kompromisse ein, um im Leben zurechtzukommen“, sagt Friedman. „Ich glaube nicht, dass es gerecht ist, aber wir alle tun es.“

Friedman unterstützt jede, die sich gegen diesen Kompromiss entscheidet. „Ich denke, das zu tun, was man für richtig hält, kann unter bestimmten Umständen Vorrang haben – wenn man es sich leisten kann, Risiken einzugehen. Keine unserer sozialen Normen in Bezug auf Kleidung und Frauenkörper hat sich geändert, ohne dass einige Leute ihren Hals riskierten“, sagt sie. „Vor nicht allzu langer Zeit durften Frauen keine Hosen tragen oder ihre Knöchel zeigen und das änderte sich nur, weil sich genügend Frauen weigerten, mitzuspielen“, betont Friedman. „Wenn man das Gefühl hat, in einer Position zu sein, in der einem das wichtig ist und man dieses Risiko eingehen kann, dann kommt es zu Veränderungen.“

BEVERLY HILLS, KALIFORNIEN – 26. FEBRUAR: Tracee Ellis Ross bei der Vanity Fair Oscar Party 2017, die von Graydon Carter im Wallis Annenberg Center for the Performing Arts am 26. Februar 2017 in Beverly Hills, Kalifornien, ausgerichtet wurde. (Bild: JB Lacroix/WireImage)

Von Sperlin währenddessen findet, dass Frauen zeigen sollten, was sie haben, wenn das für sie funktioniert und sie damit kein Problem haben. Aber ihre allgemeine Richtlinie ist, dass „die Person im Raum, die die geringste Menge an Haut zeigt, normalerweise die meiste Macht hat, zumindest in der Geschäftswelt…. alles, was tatsächlich den Busen zeigt, ist zu tief ausgeschnitten. Es muss höher geschnitten sein. Das ist keine feste Vorschrift, aber es ist eine Faustregel.“ Das könnte am Ablenkungsfaktor liegen, oder wie Jezebel einmal sagte: „Manchmal sieht [ein tiefer Ausschnitt] schlampig aus, als bräuchten Sie Unterstützung, als ob Ihre Kleidung schlecht sitzt.“

Wenn Sie sich nicht sicher sind, so empfiehlt von Sperling einen Blick ins Unternehmens-Handbuch. „Sie werden überrascht sein, wie detailliert und spezifisch diese Handbücher sind.“

Wenn Sie trotzdem jemals in eine Situation wie Couric kommen sollten oder noch schlimmer, dann werden Sie die Lösung wahrscheinlich weder im Handbuch noch in der Schublade mit den Rollkragenpullovern finden.

Katie Couric und Jim Kelly, Redaktionsleiter des Time Magazine. (Bild: Dimitrios Kambouris/WireImage for Rubenstein Communications, Inc.)

„Frauen am Arbeitsplatz sollten aufsteigen, indem sie ihre Kompetenz unter Beweis stellen und nicht, indem sie sich provokant anziehen, denn Letzteres kann nach hinten losgehen“, sagt Dr. Regan A.R. Gurung, Autor der Studie zu Macht und Provokation (also schlägt er im Grunde vor, seine ganzen Kein-Mieder-Bedeutet-Macht-Resultate nicht ernst zu nehmen). „Ich bin ein Befürworter, Stereotype zu widerlegen, in dem Maße, dass, wenn man am Arbeitsplatz unbeabsichtigt und unbewusst kategorisiert wird, dann kann man sich der Aufgabe stellen und Ergebnisse liefern, die beweisen, dass man nicht das ist, was andere annehmen“, empfiehlt Huang. Aber das ist nicht immer die Lösung. „Ich glaube, wenn Kritik und Kommentare offensichtlich beleidigend oder belästigend sind, dann liegt es nicht in Ihrer Verantwortung, Ihren Belästigern zu beweisen, dass sie damit im Unrecht sind“, sagt sie. „Sie sollten dann die entsprechenden Schritte unternehmen, indem Sie die Person direkt ansprechen und den Vorfall Ihrem Vorgesetzten oder der Personalabteilung melden.“

„Vielleicht können Sie sie selbst lösen”, sagt von Sperling über Situationen wie Courics. „Wenn es verbal ist und keine körperliche Gefahr besteht, ist das der Zeitpunkt, an dem Sie als erwachsene Frau in der Lage sein sollten, zu sagen: ,das ist unangemessen‘. „Fragen Sie ihn, warum er das gesagt hat“, rät sie. „Es kann sein, dass ihm nicht bewusst war, dass dies unangemessen war. Und wenn Sie eine Antwort erhalten, die Ihnen nicht gefällt, also wenn sie keine Entschuldigung enthält, dann wenden Sie sich an die Personalabteilung.“ Und natürlich, „wenn Sie jemand angrabscht, gehen Sie umgehend zur Personalabteilung.“

Friedman findet Courics Reaktion bewundernswert. „Ich finde, so wie sie damit umgegangen ist, war toll. Sie wusste nicht, wie sie in dem Moment reagieren sollte und ich glaube, viele von uns kennen dieses Gefühl des Erstarrens, wenn man nicht weiß, was man sagen soll“, sagt sie. „Und ich denke, die Führungskraft war besser in der Lage, es zu hören, nachdem es passiert war, denn es war keine Konfrontation. Sie schrieb ihm einen Brief und erklärte, warum es nicht in Ordnung war, was er gesagt hatte, und es sieht so aus, als habe er sie gehört.“

Maggie Parker