Starker Euro scheucht die Anleger vom Parkett

Nach einer montäglichen Rally lässt der Dax am Dienstag Punkte. Lange Zeit behauptete sich der Frankfurter Leitindex gegenüber dem Druck vom Devisenmarkt. Doch kurz vor Handelsschluss brachen sich Gewinnmitnahmen Bahn.


Ein starker Euro hat den Dax-Anlegern die vorweihnachtliche Stimmung eingetrübt. Nach einem starken Montag – der Frankfurter Leitindex hatte 1,6 Prozent fester geschlossen –, gestaltete sich der Dienstag schwieriger. Die Gewinnmitnahmen hielten sich lange Zeit in Grenzen. Doch weil im Späthandel die Unterstützung aus New York ausblieb, brach sich der Druck am Ende doch noch Bahn. Mit 13.217 Punkten ging der Dax letztlich 0,7 Prozent schwächer in den Feierabend. Der Leitindex der Währungsunion, der Euro-Stoxx-50 verlor ebenfalls 0,7 Prozent und kam auf 3584 Zähler.

Auf dem europäischen Parkett bleibt die Laune vor den Feiertagen dennoch gut. „Die Jahresendrally ist in vollem Gange. Vor allem aber ist auch das Fundament für einen stabilen Start in das Börsenjahr 2018 gelegt“, meint etwa Analyst Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel.


Ein Grund für die Zuversicht der Investoren ist die Hoffnung, dass die größte Steuerreform in den USA seit den 1980er Jahren noch vor Weihnachten grünes Licht bekommt. Sie spekulieren darauf, dass es dadurch zu einem Wirtschaftsboom in den USA kommt, von dem Firmen auf der ganzen Welt profitieren. Es wäre nicht nur US-Präsident Donald Trumps größter politischer Erfolg. Es ist auch das Objekt der Begierde der Börsianer – und das seit dem Wahlsieg des Republikaners im November des vergangenen Jahres.

Während anglo-amerikanische Investoren Rekord-verwöhnt sind, liegt die Rally-Phase in Frankfurt und anderswo in Europa schon etwas länger her, der Dax hatte Anfang November mit 13.525 sein Allzeithoch markiert. Seitdem kannte der Markt nur eine Richtung, die nach längs. Der Frankfurter Handel ergab sich im Seitwärtstrend. Nun scheinen sich die Hoffnungen auf eine Weihnachtsrally und – mehr noch – eine Jahresendrally zu bestätigen.

Wenn da nicht der Euro wäre, der auf dem Devisenmarkt eine Muskel-Show veranstaltet. Bei Börsianern gehe die Sorge um, dass der Euro wieder in Richtung 1,20 Dollar klettere, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. „Das dürfte in einer sonst impulsarmen Zeit rund um die Feiertage auch das Einzige sein, was den Dax davon abhält, sich mit einem neuen Allzeithoch aus einem starken Börsenjahr zu verabschieden.“ Anleger fürchten, dass durch einen stärkeren Euro die Wettbewerbschancen der Exportunternehmen in der Euro-Zone sinken.


Die Gemeinschaftswährung verteuerte sich am Dienstag um 0,3 Prozent auf 1,1813 Dollar. Im Vergleich zum Dollar legte der Euro in diesem Jahr mehr als zwölf Prozent zu, so stark ging es seit 2004 nicht mehr nach oben. Im September hatte der Euro mit knapp 1,21 Dollar den bislang höchsten Stand in diesem Jahr erzielt.

Überraschender Gegenwind für den Dienstagshandel kam von der deutschen Konjunkturfront. Der wichtige Ifo-Index, für den monatlich 7000 Manager befragt werden, ging im Dezember auf 117,2 Zähler von dem im November erreichten Rekordwert von 117,6 Zählern zurück. „Enttäuschend ist der deutliche Rückgang der Erwartungskomponente“, sagte Fondsmanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.


Dialog Semiconductor mal wieder im Fokus


„Die befragten Unternehmer rechnen nicht mit einer weiteren Zunahme der wirtschaftlichen Dynamik.“ Dies lasse vermuten, dass der wirtschaftliche Aufschwung seinen Höhepunkt erreicht oder schon überschritten habe. Die Umfrage bildet erstmals in vollem Umfang die Reaktion auf das Scheitern der Jamaika-Sondierungen ab.

„Zur Weihnachtszeit ist die Stimmung in den deutschen Chefetagen ausgezeichnet, aber nicht mehr ganz so euphorisch wie im Vormonat“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Manager beurteilten ihre Geschäftslage etwas besser, die Aussichten für die kommenden sechs Monate dagegen schlechter als zuletzt.

Stärkster Titel im Dax war die Lufthansa. Der beste Titel in der Frankfurter Benchmark legte weitere 1,6 Prozent zu und markierte zwischenzeitlich ein neues Allzeithoch. Am anderen Ende notierten die Scheine der Deutschen Bank, die sich um 1,7 Prozent verbilligten.


Unter Druck gerieten auch die beiden Fresenius-Papiere. Der Gesundheitskonzern kann den 4,4 Milliarden Euro schweren Kauf des US-Generikakonzerns Akorn nicht so schnell wie erhofft abschließen. Statt noch in diesem Jahr werde die Übernahme wohl erst Anfang 2018 unter Dach und Fach gebracht werden, sagte ein Unternehmenssprecher, das kostete Fresenius und die FMC Kurs-Euros. Die Mutter verlor 1,1 Prozent, die Medical-Care-Tochter gab 0,9 Prozent nach.

Siemens-Aktien profitierten von einer Hochstufung und legten rund ein halbes Prozent zu. Händlern zufolge stuften Analysten der Investmentbank Mainfirst die Titel auf „outperform“ von „neutral“ nach oben. Unter den Top-Favoriten im TecDax waren die Titel des Chipherstellers Dialog Semiconductor mit einem Kursgewinn von zeitweise mehr als zehn Prozent 7,3 Prozent. Der chinesische Großaktionär Tsinghua Unigroup baute seinen Anteil an Dialog auf neun Prozent aus.

Bei Dialog gab es zuletzt Spekulationen, dem Konzern könne ein Großteil des Umsatzes wegbrechen, weil Apple eigene Chips für seine Tablets und Smartphones herstellen will. Die Aktien sind eine der schlechtesten im HDax, der sowohl Dax, MDax als auch TecDax zusammenfasst. Am Ende gingen die Dialog-Papiere am Dienstag aber 8,2 Prozent teurer in den Feierabend.

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