Broadcoms Übernahmeversuch des Handychip-Herstellers Qualcomm ist erneut gescheitert: Der Verwaltungsrat lässt sich auch von hohen Summen nicht beeindrucken.


Auch der zweite Übernahme-Versuch des Chipkonzerns Qualcomm durch den Konkurrenten Broadcom ist gescheitert: Das US-Unternehmen lehnte das 121 Milliarden Dollar schwere Angebot ab. „Der Vorstand ist nach wie vor einstimmig der Ansicht, dass das Angebot unter Qualcomms Wert liegt und ein hohes Risiko birgt, und aus diesem Grund nicht im Sinne der Qualcomm-Aktionäre ist“, heißt es am Freitag in einer Mitteilung des Handychip-Herstellers.

Broadcom betont, dass diese bereits einmal nachgebesserte Offerte das letzte Angebot sei. Das Angebot bedeutet einen Aufschlag von über 50 Prozent auf den Aktienpreis vor dem Durchsickern erster Übernahmegerüchte im vergangenen November. Es wäre der größte Technologie-Deal aller Zeiten. Qualcomm warnte zuletzt immer wieder vor wettbewerbsrechtlichen Schwierigkeiten im Falle eines Zusammenschlusses. Beide Unternehmen beliefern vor allem Mobiltelefon-Hersteller, zu deren wichtigsten Kunden unter anderem Apple zählt.

Allerdings ließ Qualcomm die Tür für weitere Gespräche offen. Man könne sich grundsätzlich auch einen Verkauf des Unternehmens vorstellen, wenn das Angebot angemessen sei, schrieb der Verwaltungsrat am Freitag.


Eine Vorentscheidung über den Deal könnte am 6. März bei der Hauptversammlung von Qualcomm fallen. Broadcom strebt dabei an, eine Mehrheit im elfköpfigen Verwaltungsrat zu erzielen. Sollten die Aktionäre die Broadcom-Vertreter wählen, wäre das faktisch eine Zustimmung zu der Übernahme. Die Aussichten dafür sind völlig unklar: Die große Mehrheit der Qualcomm-Anteile ist auf viele Finanzfirmen verstreut.

In der Chipbranche, in der die einzelnen Hersteller hohe Entwicklungskosten tragen, grassiert seit einiger Zeit das Fusionsfieber. So hat Broadcom noch nicht den 5,5 Milliarden Dollar schweren Kauf von Brocade abgeschlossen. Qualcomm selbst befindet sich derzeit mitten in der 38 Milliarden Dollar schweren Übernahme des niederländischen Chipanbieters NXP, der einst zu Philips gehörte. Die EU-Kommission hat dem geplanten Geschäft jüngst unter Auflagen zugestimmt. Ob die Übernahme wirklich zustande kommt, gilt allerdings als fraglich.