British-Airways-Mutter IAG stellt Norwegian-Übernahme in Frage


Die Aktionäre von IAG, dem Mutterkonzern von British Airways, Iberia und Vueling, können zufrieden sein: Das Unternehmen flog im ersten Quartal deutlich mehr Gewinn ein als Analysten erwartet hatten.

Doch trotzdem klingt IAG-Chef Willie Walsh nicht besonders gut gelaunt, als er am Freitagmorgen die Quartalsbilanz präsentiert. Kein Wunder: Ein kleiner Konkurrent macht ihm Ärger. Norwegian-Gründer und -Chef Bjørn Kjos. Der Norweger zeigt dem mächtigen Rivalen die kalte Schulter.

IAG hatte im April mit dem Kauf von Anteilen an der norwegischen Billig-Fluggesellschaft Norwegian für Schlagzeilen gesorgt. Fast fünf Prozent der Norwegian-Aktien hat Walsh eingesammelt und erklärte, mit Norwegian über eine Übernahme sprechen zu wollen.


Doch der Ex-Kampfjet-Pilot Kjos ließ Walsh abblitzen. „Ein Verkauf steht nicht auf der Tagesordnung“, erklärte Kjos öffentlich.

Walsh gestand nun ein, dass er die Norweger nicht überzeugen konnte: „Wir haben Gespräche mit dem Norwegian-Management geführt“, sagte Walsh bei Bekanntgabe der Quartalszahlen. „Aber wir haben uns nicht geeinigt und deswegen prüfen wir derzeit alle uns zur Verfügung stehenden Optionen“. Man werde sich davon aber nicht bei der Expansion bremsen lassen.

An der Börse wurde das als Ankündigung gewertet, dass IAG die Pläne für eine Übernahme von Norwegian aufgibt: Die Norwegian-Aktie rutschte am Freitag in Oslo um bis zu 12 Prozent auf 265 Kronen ab, nachdem sie zuvor noch auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren gestiegen waren. In London kletterten die IAG-Aktien hingegen um über fünf Prozent.


Dabei könnte Norwegian die Rückendeckung des Großkonzern sicher gut gebrauchen. In der Branche munkelt man, dass sich die Airline bei der rasanten Expansion überschätzt haben könnte.

Der Kauf von Flugzeugen hat die Schulden von Norwegian in die Höhe getrieben. Aber Kjos, der in Norwegen auch als Krimi-Autor vor einigen Jahren sein Debüt feierte, will von einer Übernahme nichts wissen.

Wenn Walsh seine Pläne mit Norwegian aufgibt, wäre das für ihn der zweite Rückschlag innerhalb weniger Wochen. Denn der ehrgeizige Brite hatte sich bei einer anderen Transaktion schon auf der Ziellinie gesehen – aus gutem Grund.


Der deutsche Insolvenzverwalter von Air Berlin hatte IAG den Zuschlag für den Kauf der österreichische Air-Berlin-Tochter Niki gegeben. Doch dann verwies ein Gericht die Entscheidung über den Deal an die österreichischen Insolvenzverwalter und diese bevorzugten den Gründer Niki Lauda. IAG-Chef Walsh nahm daraufhin Norwegian ins Visier.

Derweil läuft das Geschäft seiner Gesellschaft gut. Das operative Ergebnis stieg im ersten Quartal auf 280 Millionen Euro von 160 Millionen. Die Zahl der Passagiere erhöhte sich um 8,5 Prozent

Allerdings blieben trotzdem Sitze in den Flugzeugen der IAG-Gesellschaften leer: Der so genannte Sitzladefaktor belief sich auf 80,5 Prozent nach 79 Prozent zuvor.

„Exzellente Zahlen“, lobten Analysten in einer Telefonkonferenz mit dem IAG-Management. Dabei profitierte IAG zum einen von günstigen Wechselkursen, aber auch daran, dass die Osterfeiertage so früh waren, dass sie im ersten Quartal lagen.

Auch für das laufende Jahr erwartet IAG-Chef Walsh einen höheren Betriebsgewinn als im vergangenen Jahr, als die Gesellschaft drei Milliarden Euro einflog. Walsh ist damit zuversichtlicher als sein Kollege Jean-Marc Janaillac von Air France-KLM.

Der hatte ebenfalls am Freitag Zahlen vorgelegt und dabei keine guten Nachrichten für die Aktionäre im Gepäck: Wegen der Streiks in Frankreich, dem Hauptmarkt der Gesellschaft, werde der Gewinn in diesem Jahr niedriger ausfallen als im Jahr zuvor, kündigte Firmenchef Janaillac an.