Britisches Parlament zieht aus Westminster aus und macht Platz für Handwerker

Wegen dringender Reparaturbedürftigkeit müssen die Abgeordneten des britischen Unterhauses den traditionsreichen Westminister-Palast verlassen

Wegen dringender Reparaturbedürftigkeit müssen die Abgeordneten des britischen Unterhauses den traditionsreichen Westminister-Palast verlassen. Die Parlamentskammer votierte am Mittwochabend mit 234 gegen 185 Stimmen für einen vorübergehenden Auszug aus den Räumlichkeiten, um Platz für die Handwerker zu schaffen. Westminster gilt als Sanierungsfall: Das historische Gebäude hat keinen modernen Brandschutz, es kursieren Berichte über Mäusebefall und defekte Toilettenanlagen.

"Diese Debatte hätte eigentlich schon vor 40 Jahren stattfinden müssen", sagte Parlamentsministerin Andrea Leadsom. "Der Westminster-Palast ist der Sitz unserer Demokratie, das Gebäude ist weltbekannt - und akut reparaturbedürftig."

Ein im vergangenen Jahr vorgelegter Sachverständigenbericht hatte Alarm geschlagen. "Das Risiko katastrophaler Pannen ist hoch, und es steigt mit jedem Monat", hieß es darin. Brände, Kurzschlüsse und Abwasserpannen seien eine ständige Gefahr.

Wann genau die Abgeordneten ausziehen und wo sie vorübergehend Obdach finden, ist noch unklar. Eine Untersuchungskommission soll nun Vorschläge machen und einen Zeitplan vorlegen.

Billig wird die Renovierung nicht. Einer der vorliegenden Pläne sieht eine Sanierungszeit von sechs Jahren und Kosten von 3,5 Milliarden Pfund (vier Milliarden Euro) vor, wenn die Abgeordneten ausziehen. Eine Renovierung bei laufendem Parlamentsbetrieb käme beinahe doppelt so teuer und könnte bis zu 32 Jahre dauern.

Der größte Teil der Westminster-Anlage stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Einige Abschnitte sind aber deutlich älter: Die berühmte Westminster Hall wurde 1099 gebaut.