May beruft neuen Verteidigungsminister

Die britische Premierministerin Theresa May hat Gavin Williamson zum neuen Verteidigungsminister berufen. Zuvor war Michael Fallon wegen Belästigungsvorwürfen vom Amt zurückgetreten.


Die britische Premierministerin Theresa May hat Gavin Williamson zum neuen Verteidigungsminister berufen. Das teilte der Regierungssitz Downing Street am Donnerstag mit. Sein Vorgänger Michael Fallon war am Mittwoch nach Vorwürfen sexueller Belästigung einer Journalistin zurückgetreten. Der 41 Jahre alte Williamson war zuletzt als „Chief Whip“ (Einpeitscher) in der Fraktion tätig. Die Whips sind dafür zuständig, für Fraktionsdisziplin bei wichtigen Abstimmungen zu sorgen. Williamson gilt ansonsten als weitgehend unbeschriebenes Blatt in der konservativen Partei.

Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon war zuvor zurückgetreten. Er habe sich wohl selbst nicht an die Standards gehalten, die er vom Militär erwarte, schrieb Fallon am Mittwoch in einem Brief an Premierministerin Theresa May. Die Regierungschefin lobte die Ernsthaftigkeit, mit der Fallon seine Position überdacht habe. Der 65-Jährige war seit 2014 im Amt.

Zuvor hatte es Berichte gegeben, Fallon habe sich unangemessenen gegenüber der Journalistin Julia Hartley-Brewer benommen. Fallon räumte laut einem Bericht der Zeitung „The Guardian“ ein, der Journalistin vor 15 Jahren mehrfach die Hand aufs Knie gelegt zu haben. Daraufhin habe sie ihm ruhig und höflich eine Ohrfeige angedroht. Fallon habe die Hand dann weggenommen, schrieb das Blatt. Hartely-Brewer erklärte, sie fühle sich in dieser Sache nicht als Opfer sexueller Belästigung, sondern sei leicht amüsiert. In Medienberichten über den „Kneegate“ genannten Vorfall wurde jedoch nahegelegt, das es bald neue Vorwürfe gegen Fallon geben könne.

In Großbritannien kursiert derzeit eine ganze Reihe von Berichten über sexuelle Belästigung und Missbrauch in der Politik. So soll auch Kabinettsmitglied Damian Green eine Frau am Knie berührt haben und ihr in Verbindung mit Karriereratschlägen Avancen gemacht haben. Die Labour-Abgeordnete Lisa Nandy sagte, sie habe schon vor drei Jahren die Sorge geäußert, dass Parteiführer Vorwürfe wegen sexueller Missbräuche zurückhielten, um die betreffenden Abgeordneten so auf Parteiline halten zu können.

May hat die anderen Parteiführer zu einem Treffen gebeten, bei dem über den Umgang mit solchen Berichten gesprochen werden soll.