Britischer Gesundheitsdienst NHS fordert Verlängerung von Brexit-Übergangsphase

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Premierminister Boris Johnson

Angesichts der angespannten Lage wegen der Corona-Pandemie hat der staatliche britische Gesundheitsdienst NHS die Regierung in London aufgerufen, die Brexit-Übergangsphase zu verlängern. Eine einmonatige Verlängerung der Übergangsphase würde die Gefahr eines chaotischen Brexit verringern und damit die bereits überlasteten Krankenhäuser im Land aus der "unmittelbaren Gefahrenzone" nehmen, erklärte die NHS-Führung am Mittwoch in einem Schreiben an den britischen Premierminister Boris Johnson.

Mit einem Einlenken solle Johnson verhindern, dass "störende Veränderungen" im Rahmen eines No-Deal-Szenarios den NHS treffen, während er in der ohnehin arbeitsreichsten Zeit im Jahr "mit der größten Herausforderung in seiner Geschichte" zu kämpfen habe, hieß es in dem Appell weiter.

Der NHS werde vielleicht nicht als Akteur am Post-Brexit-Verhandlungstisch wahrgenommen, "aber die zerstörerischen Schockwellen eines No-Deal-Ergebnisses könnten die Funktionsfähigkeit des NHS über den Rand stoßen", erklärte der Dachverband NHS Confederation.

Großbritannien war zum 1. Februar aus der EU ausgetreten, bis zum Jahresende bleibt das Land aber noch im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion. Bei den Verhandlungen zwischen London und Brüssel über ein Handelsabkommen für die Zeit danach verstrichen bereits einige Ultimaten, die Verhandlungen laufen weiter. Die Zeit für die fristgerechte Ratifizierung eines Handelsabkommens ist nach Angaben des EU-Parlaments allerdings bereits abgelaufen.

Zugleich kämpft Großbritannien derzeit mit einer neuen Variante des neuartigen Coronavirus, das sich in London und im Süden Englands ausgebreitet hat. Das mutierte Virus ist nach Angaben der britischen Regierung bis zu 70 Prozent ansteckender als frühere Varianten.

Viele Länder in der EU und anderen Teilen der Erde reagierten darauf mit mit Grenzschließungen und Einreiseverboten für Menschen aus Großbritannien. Dadurch kam auch der Güterverkehr von der EU nach Großbritannien vorerst zum Erliegen. Die NHS-Führung warnte in ihrem Schreiben, das gegenwärtige Reisechaos sei nur ein kleiner Vorgeschmack auf die Probleme, die ohne ein Handelsabkommen mit der EU drohten.

Großbritannien hat eine der höchsten Corona-Opferzahlen in Europa. Mehr als 68.000 Menschen im Vereinigten Königreich starben bereits nach einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Am Dienstag erreichte die Zahl der täglichen Neuinfektionen einen neuen Höchststand von 36.804 Fällen.

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