Britischer Außenminister bemüht sich in Moskau um Ende der Eiszeit

Beim ersten Besuch eines britischen Außenministers in Moskau seit fünf Jahren hat sich Boris Johnson um ein Ende der Eiszeit in den Beziehungen mit Russland bemüht. Sein russischer Kollege Lawrow sagte, Moskau sei bereit zu einem Dialog auf Augenhöhe

Beim ersten Besuch eines britischen Außenministers in Moskau seit fünf Jahren hat sich Boris Johnson um ein Ende der Eiszeit in den Beziehungen mit Russland bemüht. Trotz aller "Schwierigkeiten" in den vergangenen Jahren müsse ein Weg gefunden werden, um "voranzugehen", sagte Johnson am Freitag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow. Allerdings kam es zum Streit um die von London Russland zugeschriebene Einmischung in das Brexit-Referendum im vergangenen Jahr.

Lawrow sagte, er begrüße Johnsons Äußerung vom November, wonach er keinerlei Beweise für eine russische Einmischung sehe. Darauf fiel ihm Johnson ins Wort, um zu sagen, dass er keine Beweise für eine "erfolgreiche Einmischung" habe. Außerdem gebe es "zahlreiche Beweise für eine russische Einmischung bei Wahlen in Deutschland, Dänemark, Frankreich und in den USA.

Lawrow warf Johnson daraufhin vor, dass er ihm widerspreche, um in London nicht kritisiert zu werden. Der Westen habe die Einmischung Moskaus erfunden, "konkrete Beweise" dafür müsse er erst noch vorlegen.

Lawrow erklärte zugleich Moskaus Bereitschaft zu einem Dialog auf Augenhöhe über sehr viele Themen. Dabei müssten die Interessen des anderen berücksichtigt und respektiert werden, forderte der russische Chefdiplomat.

Nach seiner Unterredung mit Lawrow nahm Johnson am Grab des Unbekannten Soldaten an einer Zeremonie mit Kranzniederlegung teil. An der Brücke in der Nähe des Roten Platzes, wo der Oppositionspolitiker Boris Nemzow 2015 ermordet wurde, legte Johnson Blumen nieder.

Johnson, der sich nun selbst als "russenfreundlich" bezeichnete, hatte einen für April geplanten Besuch in Moskau in letzter Minute wegen der russischen Unterstützung für den syrischen Staatschef Baschar al-Assad abgesagt.

Zu Beginn seines Treffens mit Lawrow sagte der als eher undiplomatisch geltende Brite, beide Länder sollten zugunsten der weltweiten Sicherheit zusammenarbeiten. Die Gemeinsamkeiten seien wichtiger als die Unterschiede. Als Felder einer möglichen Kooperation nannte Johnson den Iran, Nordkorea und Syrien.

Lawrow erklärte zum Auftakt des Gesprächs, dieses solle zu "konkreten Schritten" führen, um die beiderseitigen Beziehungen zu verbessern. Es sei "kein Geheimnis", dass die Beziehungen "an einem Tiefpunkt" seien.

Das Verhältnis zwischen beiden Ländern hatte sich 2006 deutlich abgekühlt, als der ehemalige Geheimagent und spätere Kreml-Kritiker Alexander Litvinenko in London vergiftet wurde. Außerdem war die britische Regierung im Zuge der Ukraine-Krise 2014 eine entschiedene Verfechterin westlicher Strafmaßnahmen gegen Russland. London wirft Russland vor, die prorussischen Rebellen in der Ukraine militärisch zu unterstützen, was Moskau bestreitet.

Derzeit untersucht eine britische Parlamentskommission Vorwürfe über russische Cyberattacken während des Volksentscheids über den Brexit im Juli 2016 und während der Parlamentswahl im Juni 2017.