Britische Zentralbank erhöht Leitzins erstmals seit zehn Jahren

Erstmals seit zehn Jahren erhöht die britische Zentralbank den Leitzins. Er steigt von 0,25 auf 0,5 Prozent. Die Bank of England will damit vor allem die Inflationsrate senken

Die steigenden Preise machen den britischen Verbrauchern zu schaffen - die Zentralbank in London erhöhte deshalb erstmals seit zehn Jahren wieder den Leitzins. Er steigt von 0,25 auf 0,5 Prozent, teilte die Bank of England am Donnerstag mit. Seit der Brexit-Abstimmung für ein Ausscheiden des Landes aus der EU ist das Pfund schwach und Importe entsprechend teurer. Im September hatte die Inflationsrate mit 3,0 Prozent ein Fünf-Jahres-Hoch erreicht.

Es ist die erste Zinserhöhung in Großbritannien seit Juli 2007, bevor die weltweite Finanzkrise begann. Auch in den USA und in der Eurozone schränkten die Zentralbanken ihre extrem lockere Geldpolitik mittlerweile etwas ein: Die Fed in Washington erhöhte den Zins bereits dreimal leicht auf ein Niveau von aktuell 1,0 bis 1,25 Prozent; die Europäische Zentralbank kündigte vergangene Woche an, ihre Anleihenkäufe ab Januar zu halbieren. Die Bank of England ließ ihr 2009 zur Ankurbelung der Konjunktur gestartetes Anleihenkaufprogramm am Donnerstag vorerst unangetastet.

Zentralbankchef Mark Carney kommentierte die Zinserhöhung mit den Worten: "Die Zeit ist gekommen, unseren Fuß ein bisschen vom Gas zu nehmen." Die "schiere Neuigkeit" einer Zinserhöhung nach einem Jahrzehnt erzeuge zwar eine "gewisse Unsicherheit" im Hinblick auf die Folgen. Doch es gebe Gründe, dass diese "nicht größer als üblich" sein werden.

Die Entscheidung am Donnerstag war nicht unumstritten. Von den neun Mitgliedern im zuständigen Ausschuss stimmten zwei dafür, den niedrigen Zinssatz von 0,25 Prozent beizubehalten. Carney stimmte für die Erhöhung.

Das britische Pfund, das in Erwartung der Zinserhöhung vor kurzem noch lehrbuchmäßig gegenüber Euro und Dollar zugelegt hatte, fiel stattdessen am Donnerstag - weil Investoren keine weitere Erhöhungen in naher Zukunft erwarten. Die Kurse an der Londoner Börse hingegen legten zu. Vielen britische Unternehmen hilft ein schwaches Pfund bei ihren Exporten.

Die Zinserhöhung soll über die Geschäftsbanken wirken: Kredite für Haushalte und Unternehmen werden teurer, was das Einkommen schmälert. Das drückt die Nachfrage und damit die Konjunktur und führt in den Unternehmen zu einer geringeren Auslastung. Sie können Preisanhebungen nicht mehr so gut durchsetzen - so soll die Inflation sinken.

Die Zentralbank hatte den Leitzins erst im August 2016 auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt, kurz nach dem Brexit-Votum. Sie wollte damals den sogenannten Brexit-Schock abfedern, der allerdings nicht eintrat. Die Bank of England senkte am Donnerstag ihre Prognose für das britische Wachstum minimal von 1,7 auf 1,6 Prozent in diesem Jahr. Ihre Prognose für 2018 und 2019 ließ sie unverändert bei 1,6 und bei 1,7 Prozent.

Großbritannien will im März 2019 aus der EU austreten. Die Verhandlungen mit Brüssel über die Bedingungen stocken aber.