Britische Unternehmen bekommen Brexit-Folgen zu spüren

·Lesedauer: 2 Min.

LONDON (dpa-AFX) - Gut eine Woche nach dem endgültigen Austritt Großbritanniens aus dem Binnenmarkt und der Zollunion zum Jahreswechsel machen sich die Folgen beim Warenverkehr bemerkbar.

Der Paket-Dienstleister DPD zog am Freitag Konsequenzen und stellte Lieferungen von Großbritannien auf den europäischen Kontinent und nach Irland vorübergehend ein. Grund sei die erhöhte Belastung durch die erforderliche Zollbürokratie, wie das Unternehmen auf seiner Webseite mitteilte. 20 Prozent der Pakete wurden demnach ohne ausreichende Zollerklärung abgesendet und müssten an die Absender zurückgeschickt werden.

Schwierigkeiten gibt es auch für die Textileinzelhändler, deren Waren häufig in Asien hergestellt werden. Dem an Heiligabend vereinbarten Handelspakts zufolge fallen für Kleider und Accessoires, die beispielsweise aus Bangladesch oder Kambodscha stammen, nun Zölle an, sollten sie von Großbritannien aus auf die irische Insel oder den Kontinent geliefert werden. Die neuen Regeln betreffen außer dem EU-Mitglied Irland auch das zum Vereinigten Königreich gehörende Nordirland.

Die Unternehmen John Lewis und TKMaxx stellten Lieferungen nach Nordirland vorübergehend ein. Das Warenhaus Debenhams nahm seinen Online-Shop für Irland vom Netz. "Es tut uns leid, aber wir sind derzeit nicht in der Lage, Bestellungen von der Republik Irland auszuliefern wegen Unsicherheit über die Handelsbestimmungen nach dem Brexit", hieß es zur Begründung.

Probleme gibt es auch für Exporteure von Fisch- und Meeresfrüchten, die ihre Waren nun aufwendige Erklärungen ausfüllen müssen. Die Chefin des Verbands Seafood Scotland, Donna Fordyce, sprach am Freitag von einem "perfekten Sturm" aus Folgen der Corona-Pandemie und dem Brexit für die Branche. Viele Unternehmen seien nicht in der Lage, die erforderlichen Unterlagen auszufüllen. Hinzu kämen Probleme bei den IT-Systemen und Verwirrung über die neuen Regelungen. Sollte die leicht verderbliche Ware nicht rechtzeitig ausgeführt werden können, müsse sie weggeworfen werden. "Wir könnten innerhalb sehr kurzer Zeit die Zerstörung eines jahrhundertealten Branche sehen, die einen erheblichen Teil der schottischen Wirtschaft ausmacht", so Fordyce der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge.