Die britische Reisekrankheit


Des einen Leid, des anderen Freud: Der deutsche Ferienflieger Condor hat offenbar von den Problemen in der europäischen Luftfahrtbranche profitiert. Die Pleite von Air Berlin und der britischen Gesellschaft Monarch habe dazu geführt, dass Reiseveranstalter ihre Kunden lieber mit Condor in den Urlaub schickten, erklärte Peter Fankhauser, der Chef der Condor-Muttergesellschaft Thomas Cook am Mittwoch. Das sei ein Vorteil für Condor. Dieser positive Effekt werde auch in diesem Jahr anhalten, ist sich der Reisemanager sicher. Auch nicht die Tatsache, dass Condor bei dem Poker um die Reste von Air Berlin leer ausging, macht Fankhauser Sorgen.

Zuletzt hatte die Airline-Tochter mit ihren blau-gelb lackierten Flugzeugen dem Mutterkonzern Probleme gemacht. Doch die Zeiten scheinen vorbei: Im vergangenen Geschäftsjahr trug Condor einen großen Teil dazu bei, dass das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) des in London ansässigen Reisekonzerns um acht Prozent auf 330 Millionen Pfund (372 Millionen Euro) stieg.

Der Umsatz legte um neun Prozent zu. Im Winter-Geschäft habe man ein Plus von fünf Prozent verzeichnet, erklärte Fankhauser, vor allem Reiseziele auf den Kanaren und Ägypten seien gefragt gewesen. Auch die ersten Buchungen für den kommenden Sommer seien gut, die Zahl der Buchungen und die Preise lägen über denen des Vorjahres. Reisen in die Türkei und Ägypten würden ebenfalls wieder stärker nachgefragt.


Aber besonders Spanien steht weiter hoch im Kurs bei vielen Touristen. Im vergangenen Sommer sind nach Aussage von Thomas-Cook-Chef Fankhauser 42 Prozent aller bei seinem Unternehmen gebuchten Reisen dorthin gegangen, deutlich mehr als in den vergangenen Jahren, als im Schnitt nur jeder dritte Thomas-Cook-Touri nach Spanien reiste. Doch nach den Terroranschlägen, dem arabischen Frühling und politischen Unruhen in der Türkei mieden viele Länder wie Tunesien, Ägypten oder eben die Türkei.

Das führte allerdings dazu, dass die Hoteliers in Spanien ihre Preise anzogen und Thomas Cook weniger Gewinn mit diesen Reisen machte, denn der höhere Preis konnte nur zum Teil an den Kunden weitergereicht werden. Gerade im britischen Geschäft seien die Margen deswegen gesunken, sagte Fankhauser, zum ersten Mal seit vier Jahren. Die Bruttomarge insgesamt fiel von 23,4 Prozent auf 22,1 Prozent. Das fanden die Aktionäre gar nicht gut: An der Londoner Börse sackte die Aktie deutlich ab.


Rigoroses Vorgehen gegen betrügerische Briten

In Spanien hatte sein Unternehmen zudem noch mit einem anderen Trend zu kämpfen, der bei britischen Touristen Anklang gefunden hatte: falsche Schadenersatzforderungen wegen angeblicher Lebensmittelvergiftungen. Die Masche ist simpel: Während des Pauschalurlaubs kauften sich Touristen in der Apotheke ein Durchfall-Mittel und beschweren sich nach dem Urlaub bei ihrem Reiseveranstalter über Magenprobleme wegen mangelnder Hygiene in dem Hotelessen. In vielen Fällen erstattete dieser einen Teil des Reisepreises zurück. Dabei kursierten in einigen Fällen Facebook-Fotos, in denen die angeblich kranken Touristen fröhlich in die Kamera lachen und in Posts das tolle Essen loben. Für skrupellose Touris ein Super-Deal.



Medienberichten zufolge haben 2016 zehntausende Briten derartige Ansprüche angemeldet. Einige Anwaltskanzleien sollen Reiseveranstalter mit Klagen regelrecht überflutet haben – nachdem sie zuvor britische Touristen in ihrem Urlaubsort zu diesem Vorgehen angestiftet hatten. Dieses Vorgehen habe man nur bei britischen Touristen erlebt, erzählte Fankhauser. Das britische Verbraucherschutzgesetz erleichtert derartigen Betrug. Deswegen forderte der Manager entsprechende Regelungen zur Verhinderung derartiger Fälle. Wie viele Briten so betrügerisch vorgingen, wollte er nicht sagen. Doch man verzeichne weniger Fälle – nicht zuletzt, weil Reiseveranstalter wie Thomas Cook mittlerweile rigoros vorgehen.

Im Sommer hatten britische Boulevardmedien so viel über den Fall einer vierköpfigen Familie berichtet, die nach einem zweiwöchigen Urlaub im Jahr 2013 rund 10.000 Pfund zurückerstattet haben wollte. Thomas Cook zog aber vor Gericht und bekam Recht. Nun muss die Familie dem Unternehmen Geld überweisen. Das zeigte offenbar Wirkung.