Britische Regierung will tausende Zollbeamte einstellen


Der Brexit entwickelt sich zu einem gigantischen Arbeitsplatzprogramm im Londoner Parlamentsviertel Westminster. Seit dem Referendum im Juni 2016 hat die Regierung 3000 zusätzliche Stellen geschaffen, um den EU-Ausstieg vorzubereiten, darunter allein 300 Anwälte. Das teilte Brexit-Minister David Davis in einer Kabinettssitzung am Dienstag mit.

Im kommenden Jahr soll die Bürokratie weiter wachsen. So will die Finanzbehörde 3000 bis 5000 Menschen für die Zollkontrollen an der Grenze einstellen. Die Vorbereitungen seien in den vergangenen Monaten erheblich beschleunigt worden, sagte ein Sprecher von Premierministerin Theresa May. Insgesamt arbeiteten die Behörden an 300 verschiedenen Programmen zum Brexit, darunter neue IT-Systeme und Training von Zollbeamten.

May will damit eine Botschaft an Brüssel senden: Die EU soll sehen, dass London für den Tag X bereit ist - ob man sich nun auf eine Übergangsphase einigt oder nicht. Beim EU-Gipfel vor zwei Wochen hatte man sich gegenseitig versprochen, die Verhandlungen über die drei Kernforderungen der EU zu beschleunigen, damit nach dem Dezember-Gipfel die Gespräche über das künftige Handelsabkommen beginnen können. Doch getan hat sich seither nichts, weitere Verhandlungsrunden wurden noch nicht vereinbart.



Die Hardliner bei den regierenden Konservativen drängen darauf, dass Großbritannien bereits am Brexit-Stichtag im März 2019 bereit sein muss, die Zollschranken hochzufahren. Sonst sei man am Ende gezwungen, jeden Deal anzunehmen, den die EU anbietet, argumentieren sie. Finanzminister Philip Hammond hatte zuletzt gewarnt, große Summen zu investieren, die sich am Ende als unnötig erweisen könnten. Am Dienstag teilte er dem Kabinett nun mit, dass sein Ministerium mehr als 500 Millionen Pfund für die Brexit-Vorbereitungen bereitgestellt habe. Eine neue Zollkontrolle brauche man in jedem Fall, sagte der Sprecher, schließlich verlasse Großbritannien die Zollunion.

Bank von England warnt vor Verlust von 75.000 Finanzjobs

Unterdessen wurden neue Zahlen bekannt, welche Folgen ein Scheitern der Gespräche in Brüssel haben könnte. So schätzt die Bank of England laut BBC, dass bis zu 75.000 Arbeitsplätze in der britischen Finanzbranche wegfallen, wenn es kein neues Abkommen zwischen der EU und Großbritannien gibt. In dem Sektor sind rund 1,1 Millionen Menschen beschäftigt.

Die meisten Banken gehen aber davon aus, dass es eine Einigung geben wird. Die UBS hatte vergangene Woche ihre Umzugszahlen nach unten revidiert: Statt der ursprünglich geplanten 1000 Mitarbeiter will die Schweizer Großbank zunächst nur 250 Mitarbeiter aus London in die EU abziehen. Auch der Chef der britischen Großbank Barclays, Jes Staley, beschwichtigt: Man habe auch in den USA erfolgreich eine Holding etabliert. Etwas anderes sei der Brexit auch nicht.