Britische Polizei untersucht mehr als 200 Beweisstücke nach Vergiftung Skripals

Polizisten in Schutzkleidung

Die britische Polizei untersucht bei den Ermittlungen zur Vergiftung des ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal mehr als 200 Beweisstücke. Zudem seien mehr als 240 Zeugen identifiziert worden, teilte das Innenministerium in London nach einer Sitzung des nationalen Krisenstabs Cobra unter Vorsitz von Innenministerin Amber Rudd am Samstag mit. Rudd sprach von "enormen Ressourcen", die den mehr als 250 Ermittlern zur Verfügung gestellt würden. Auch die Streitkräfte, darunter Experten für Chemiewaffen, sind beteiligt.

Am Mittwoch hatte die Anti-Terror-Polizei bekannt gegeben, dass Skripal und seine Tochter zum Ziel eines "Mordversuchs durch Anwendung eines Nervenkampfstoffs" wurden. Welche Substanz verwendet wurde, ist weiter unklar. Der 66-jährige Ex-Spion und seine 33-jährige Tochter Julia waren am Sonntag vergangener Woche im englischen Salisbury südwestlich von London zusammengesackt und bewusstlos auf einer Sitzbank vor einem Einkaufszentrum angetroffen worden. Laut Rudd war ihr Zustand weiter lebensbedrohlich, aber stabil.

Verdachtsmomente richten sich gegen Russland. Moskau wies die Vorwürfe zurück. In Großbritannien wird über mögliche Strafmaßnahmen gegen Russland diskutiert, sollte sich eine Verwicklung Moskaus erweisen. Skripal, ein Oberst des russischen Militärgeheimdiensts, war 2006 in Russland wegen des Vorwurfs der Spionage für Großbritannien zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Er soll russische Agenten an den britischen Geheimdienst MI6 verraten haben. Im Zuge eines Gefangenenaustauschs zwischen Russland und den USA kam er 2010 nach Großbritannien.