Britische Botschaft in Moskau muss Personal um weitere 50 Stellen reduzieren

Die russische Regierung verschärft ihre diplomatischen Sanktionen gegen Großbritannien

Die russische Regierung verschärft ihre diplomatischen Sanktionen gegen Großbritannien: Das russische Außenministerium wies die britische Botschaft in Moskau am Samstag an, ihr Personal um mehr als 50 Diplomaten zu reduzieren. Verschärft wurde der Streit durch die Durchsuchung einer Aeroflot-Maschine auf dem Londoner Flughafen: Russland warf den britischen Behörden Rechtsbruch vor. Im Streit mit den USA zeichnete sich derweil eine leichte Entspannung ab.

Die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa argumentierte, dass Russland mit der Reduzierung des diplomatischen Personals aus Großbritannien "Gleichheit" herstellen wolle. Ziel sei es, dass London und Moskau die gleiche Zahl von Diplomaten im jeweils anderen Land hätten. Derzeit habe "die britische Seite noch über 50 Leute mehr", sagte die Sprecherin zu AFP.

Der britische Botschafter Laurie Birstow wurde einbestellt und London ein Ultimatum von einem Monat für die Personalkürzungen gegeben. Zudem sei ihm ein Protestschreiben wegen der "provozierenden und unbegründeten Maßnahmen" Großbritanniens überreicht worden. Das britische Außenministerium werde die Implikationen der russischen Anordnung prüfen, teilte eine Sprecherin am Samstag im London.

Die Anordnung steht in Zusammenhang mit dem Streit um den Giftgasanschlag in Salisbury, für den Großbritannien und seine Verbündeten Russland verantwortlich machen. Russland bestreitet jegliche Beteiligung.

Der Streit hatte sich in den letzte Tagen hochgeschaukelt. Mehr als 20 Länder, darunter neben Großbritannien auch die USA und Deutschland, verfügten die Ausweisung russischer Diplomaten. Moskau hatte bereits zu Beginn des Streits 23 britische Diplomaten ausgewiesen und damit auf eine entsprechende Ausweisung russischer Vertreter aus London reagiert.

Washington, das mit insgesamt 60 Diplomaten die größte Zahl an Ausweisungen veranlasste, bot Moskau am Freitag an, die vakanten Stellen neu zu besetzen. Die USA würden nicht von der russischen Vertretung verlangen, "die Gesamtzahl ihres Personals zu reduzieren", sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums am Freitag der AFP. Die russische Regierung könne frei entscheiden, wen sie auf die frei gewordenen Posten setze.

Die Beziehungen zwischen Moskau und London wurden indes von einem weiteren Vorfall gestört. Britische Zollbehörden durchsuchten Freitag eine Aeroflot-Passagiermaschine auf dem Flughafen Heathrow. Russland nannte die Durchsuchung eine "weitere unverhohlene Provokation" und einen Bruch geltenden Rechts.

Der britische Sicherheitsminister Ben Wallace erwiderte in einer Mitteilung vom Samstag, es habe sich um eine Routinedurchsuchung gehandelt, um das Land vor organisierter Kriminalität dem Schmuggel von Drogen oder Waffen zu schützen.