Briefmarke zu Papstbesuch zeichnet Kurdistan bis in Türkei - Außenministerium empört

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Die türkische Regierung sieht sich durch diese Briefmarke bedroht (Bild: Ano Abdoka/Twitter)
Die türkische Regierung sieht sich durch diese Briefmarke bedroht (Bild: Ano Abdoka/Twitter)

Das türkische Außenministerium hat den Entwurf einer Gedenkbriefmarke aus den kurdischen Autonomiegebieten im Irak anlässlich des Papstbesuches scharf kritisiert.

Auf der Marke sei eine Landkarte abgebildet, "die auch manche Provinzen unseres Landes einschließt", hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums vom Mittwoch. Die Türkei erwarte von den Behörden der kurdischen Regionalregierung im Irak so bald wie möglich eine "klare" Erklärung, um diesen "schweren Fehler umgehend zu korrigieren".

Der Kommunikationsminister der kurdischen Autonomiegebiete erklärte, es habe sich bei der Briefmarke lediglich um einen "ersten Entwurf" gehandelt und nicht um eine offizielle Version. Die auf Bildern verbreitete Briefmarke zum Papst-Besuch im Irak am vergangenen Wochenende sei noch nicht gedruckt worden, sagte Ano Abdoka Dschauhar, der zuvor die Briefmarke zusammen mit fünf weiteren Motiven vorgestellt hatte.

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Die Briefmarke bildet den Kopf von Papst Franziskus und eine Karte mit der Bezeichnung "Region Kurdistan" ab. Diese zeigt die historischen Siedlungsgebiete der Kurden und umfasst auch die mehrheitlich von Kurden bewohnten Regionen in der Türkei, in Syrien und im Iran. Auch der iranische Botschafter in Bagdad protestierte gegen die Briefmarke.

Ankara hat starke Wirtschaftsbeziehungen zu den kurdischen Autonomiegebieten im Irak, sieht deren angestrebte Unabhängigkeit aber als eine Bedrohung der nationalen Sicherheit. Die Türkei greift zudem regelmäßig Stellungen der kurdischen Arbeiterpartei PKK auf dem Territorium der Autonomiegebiete an, die in den dortigen Kandil-Bergen ihr Hauptquartier hat.

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"Manche dreiste Anführer der kurdischen Regionalregierung" nutzten den Papstbesuch, "um ihre kruden Fantasien hinsichtlich der territorialen Integrität der Nachbarländer des Iraks zu offenbaren", erklärte das Außenministerium in Ankara. Die Behörden der Region wüssten, dass "solche heimtückischen Bestrebungen" böse enden würden.

2017 hatten sich die Kurden im Norden des Irak in einem Referendum mit überwältigender Mehrheit für die Unabhängigkeit vom Rest des Landes ausgesprochen. Die irakische Regierung lehnt das aber ab. In der Folge kam es zu Kämpfen, bei denen die zuvor von kurdischen Peshmerga vor dem IS verteidigte Stadt Kirkuk wieder unter irakische Kontrolle geriet.

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