Eigentlich gesperrt! Besiegt Pep den Fluch ausgerechnet jetzt?

Johannes Fischer
·Lesedauer: 4 Min.
Eigentlich gesperrt! Besiegt Pep den Fluch ausgerechnet jetzt?
Eigentlich gesperrt! Besiegt Pep den Fluch ausgerechnet jetzt?

Pep Guardiola bekam das Grinsen fast nicht mehr aus seinem Gesicht.

Der spanische Trainer von Manchester City, der zur Halbzeit noch grimmig von seiner Bank auf das Geschehen im Prinzenpark blickte, durfte sich nach zwei Geschenken der PSG-Abwehr über ein 2:1 im Halbfinal-Hinspiel der Champions League freuen.

Damit stehen die Chancen für Guardiola gut, dass er nach zehn Jahren mal wieder in einem Finale der Königsklasse steht. Die englische Presse zeigte sich vor allem von der zweiten Hälfte angetan. "Citys Leistung in der zweiten Halbzeit wird noch lange in Erinnerung bleiben", schrieb beispielsweise der Guardian. (Die Pressestimmen zum Spiel)

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Guardiola verzockt sich mit den Bayern

Seit er mit dem FC Barcelona 2009 und 2011 die Champions League gewann, war die begehrteste Trophäe im europäischen Vereinsfußball unerreichbar für Guardiola. Mit den Bayern war spätestens im Halbfinale Schluss - und das, obwohl der Rekordmeister in der Bundesliga alles kurz und klein spielte. Doch in der Königsklasse versagten die Guardiola-Bayern in den entscheidenden Spielen. Das lag auch daran, dass sich der Katalane des Öfteren taktisch verzockte. (Service: Ergebnisse der Champions League)

Bei City war die Ausgangssituation eine ähnliche. In der Liga oft das Maß aller Dinge, war die Guardiola-Elf nicht selten vor den entscheidenden K.o.-Spielen zum Topfavoriten auf den Titel ausgerufen worden. Doch weiter als das Viertelfinale ging es seit dem Amtsantritt des Übertrainers 2016 nie. Doch eben genau für diesen Henkelpott war der Katalane von den City-Scheichs geholt worden.

Im vergangenen Jahr schied City im Viertelfinale gegen Underdog Olympique Lyon aus, die beiden Spielzeiten davor war in der Runde der letzten acht jeweils gegen ein englisches Team Schluss (Tottenham Hotspur, FC Liverpool).

Auch in diesen Spielen machte Guardiola mitunter taktische Fehler. Gegen Lyon ließ er beispielsweise Youngstar Phil Foden auf der Bank, agierte mit einer Dreierkette und ließ Kevin De Bruyne Rechtsaußen spielen. Maßnahmen, die Guardiola gegen die konterstarken Franzosen um die Ohren flogen.

Zehn Jahre Flaute, die seinen Ruf als Wundertrainer zumindest etwas ramponierten. Ausgerechnet in der Saison, in der die Skyblues eigentlich gar nicht Champions League hätten spielen dürfen, könnte das erste CL-Finale der Klubgeschichte erreicht werden.

CAS hebt City-Sperre auf

Am 14. Februar 2020 hatte das unabhängige Finanzkontrollgremium der Europäischen Fußball-Union (UEFA) die Skyblues wegen "schwerwiegender Verstöße" gegen das Financial Fairplay ursprünglich mit einem Europacup-Ausschluss für zwei Jahre belegt - und zu einer Geldstrafe in Höhe von 30 Millionen Euro verdonnert. Doch im Juli hob der Internationale Sportgerichtshof CAS die Sperre auf und reduzierte die Geldstrafe auf 10 Millionen.

City hatte die Vorwürfe, unrechtmäßige Geldzuwendungen durch seine arabischen Investoren erhalten zu haben, stets vehement bestritten.

Dass Guardiola nun im elften Anlauf seit 2011 vor seinem dritten Finaleinzug steht, wollte er allerdings nicht zu hoch hängen. "Wir haben jetzt erst mal ein ganz wichtiges Spiel in der Premier League, um Meister zu werden", sagte er nach der Partie. "Das ist der wichtigere Titel. Vielleicht ist die Champions League etwas prestigeträchtiger, aber die Premier League ist wichtiger für uns."

Und doch darf man annehmen, dass es für Guardiola eine größere Befriedigung wäre, den Henkelpott am 29. Mai in Istanbul ein drittes Mal in die Höhe zu recken.

Manchester City fängt sich nach schwachen Saisonstart

Bevor seine Mannschaft ab dem Spätherbst wie eine Dampfwalze alles platt machte, was sich ihr in den Weg stellte, blies Guardiola heftiger Gegenwind ins Gesicht. Nach nur drei Siege in acht Partien stand City auf Platz 13 der Premier-League-Tabelle und nichts sprach für die unheimliche Siegesserie, mit der das Team sich danach an die Spitze schoss.

Die Champions-League-Vorrunde lief zwar reibungslos, doch bei den Gegnern aus Marseille, Piräus und Porto war auch nichts anderes erwartet worden.

Jeweils zwei Siege (gegen Borussia Mönchengladbach im Achtelfinale und Borussia Dortmund im Viertelfinale) später spricht nun vieles dafür, dass sich die Citizens nicht nur die englische Meisterschaft holen, sondern auch zum ersten Mal die Champions League.

In der derzeitigen Form wäre ManCity im Finale der Favorit - egal, ob es gegen Real Madrid oder den FC Chelsea gehen würde.

Doch bis es so weit ist, muss Guardiola sein Team zunächst nach Istanbul führen. "Das 2:1 ist ein gutes Ergebnis", sagte Guardiola bei Sky: "Aber es ist noch nicht vorbei. Wir müssen im Rückspiel an die Leistung der zweiten Halbzeit anknüpfen."

Sollte seinem Team das gelingen, dürfte das Grinsen Guardiolas noch breiter werden.