Briatore: Ferrari wollte Carlos Sainz als klare Nummer 2 neben Charles Leclerc

Juliane Ziegengeist

Die Diskussion um den Nummer-1-Fahrer bei Ferrari geht auch nach Sebastian Vettels angekündigtem Weggang weiter. Während die einen seinem Nachfolger Carlos Sainz raten, sich erst einmal zurückzuhalten, glauben die anderen, dass er schneller, als viele denken, aus dem Schatten von Charles Leclerc treten wird.

Für Ex-Formel-1-Teamchef Flavio Briatore ist die Sache hingegen klar. "Ferrari steht voll und ganz hinter Charles Leclerc", sagt der 70-Jährige gegenüber der 'Gazzetta dello Sport'. Das sei nur logisch, schließlich sei Leclerc ein ähnlich herausragender Fahrer wie Michael Schumacher oder Fernando Alonso, so Briatore.

Mit beiden Fahrern gewann er in seiner Zeit als Teamchef bei Benetton und Renault jeweils zwei Titel. Seither ist er ein großer Verfechter der Politik, einen "ganz besonderen" Fahrer mit einem kompetenten Teamkollegen zu kombinieren, der gut genug ist, aber nicht so gut, um der Nummer 1 die Show zu stehlen.

Wegen Leclerc: "Vettel musste bezahlen"

"Für mich besteht das Erfolgsrezept immer darin, einen Fahrer für den Titel zu haben und einen Fahrer, der viele Punkte sammelt und sie den Gegnern wegnimmt", erklärt Briatore sein Credo und hält mit Blick auf Vettel fest: "Er musste einfach bezahlen, als ein so schneller Mann (wie Leclerc; Anm. d. R.) zu Ferrari stieß."

Der ehemalige Teamchef vergleicht die Situation mit der Saison 2007, als Lewis Hamilton zu McLaren-Mercedes kam und in seinem ersten Formel-1-Jahr gleich mal vier Siege feierte und Vize-Weltmeister wurde. Er habe sein Team damals genauso überrascht wie Leclerc im vergangenen Jahr Ferrari, so Briatores Einschätzung.

Deshalb musste die Scuderia handeln, denn: "Wenn man in einem Rennstall zwei gleichwertige Fahrer hat, dann nimmt man sich nur gegenseitig wichtige Punkte weg." Womit er Sainz als klare Nummer 2 sieht, auch wenn Briatore ihm damit keineswegs absprechen will, dass er sich den Platz bei Ferrari verdient hat.

Glock: Sainz lässt sich leichter unterordnen

"Er ist ein guter Fahrer, der 2019 eine sehr schöne Saison hatte, vor allem wenn man bedenkt, welches Auto er gefahren ist", lobt der 70-Jährige. Alternativ wurde Daniel Ricciardo als möglicher Vettel-Nachfolger bei Ferrari gehandelt, doch dieser beerbt stattdessen Sainz bei McLaren - aus gutem Grund, wie Timo Glock glaubt.

"Dani Ricciardo hat seinen Preis", sagt er in einer neuen Ausgabe des Formel-1-Podcasts 'Starting Grid'. "Das ist einer, der gutes Geld verdient. Und jemand, der sagt: 'Ich möchte ganz klar um die WM fahren.' Der will sich nicht in der zweiten Reihe anstellen." Genau deshalb sei er bei McLaren auch besser aufgehoben als bei Ferrari.

So analysiert Glock: "Da glaube ich, dass man wahrscheinlich - momentan noch - mit Carlos Sainz den einfacheren Teamkollegen hat, dem man etwas klarer sagen kann: 'Pass auf, erstes Jahr, und so weiter und so fort, im Topteam. Jetzt stellst du dich mal hinten an!' So ungefähr." Ein Ricciardo hätte das nicht mitgemacht.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.