Brezn, Maß und Musi: So fühlt es sich an, das Oktoberfest in Berlin zu feiern

Julius Betschka besucht das Oktoberfest am Hauptbahnhof

Irgendwann an diesem Abend sitze ich alleine, nur mit meiner halb leeren Maß in den Händen, auf einer Bierbank und schaue den "Gaudi Buam" bei der Gaudi zu: "Ein Proosit der Gemütlichkeit, ein Proooosit" dröhnt es von der Bühne. Immerhin: Die Band gibt alles, hier richtig Stimmung zu machen. Die Utensilien: eine rote Zipfelmütze, Lederhosen, etwa 500 Wiesn-Hits und der fein gezwirbelte Schnurrbart des Schlagzeugers. Ein paar Bierhumpen klirren, das Akkordeon setzt ein und zwei junge Frauen im Dirndl hüpfen wild vor der Bühne umher. "Blau, blau, blau blüht der Enziaaan." Mein Bein immerhin, das wippt kräftig im Takt.

Ja. Ich war noch nie auf einem Oktoberfest. Und ja, das ist gut so. Das Fest gibt es in München zwar seit 1810 und mich immerhin seit 1991. Zusammengefunden haben wir aber noch nie. Ich, der Junge aus Magdeburg, weiß nur, dass es dort viel Bier gibt, ständig Brez'n, Lederhosen und eine Menge Musik, die ich nicht mag. Dass meine Premiere jetzt vor dem Berliner Hauptbahnhof in einem großen, weißen Festzelt an einem grauen Mittwochabend stattfindet? Geschenkt. Das Zelt auf dem Washingtonplatz, das über 1000 Menschen fasst, ist leider halb leer, aber wem will man es verdenken: Sturmtief Sebastian wütet über Berlin, da zieht es die wenigsten in ein Wiesnzelt, klar. Ich will trotzdem versuchen zu verstehen, was das Fest ausmacht. Und was es mit mir macht; einem, dem die bajuwarische Bierseligkeit nicht in die Wiege gelegt wurde.

Hunderte Bierbänke und vorn die "Gaudi Buam...

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