Brexit: Londons Bürgerrechtsvorschlag ist “Blindgänger”, sagt Verhofstadt

Der Brexit-Beauftragte des Europäischen Parlaments, Guy Verhofstadt, hat die britschen Vorschläge zu den Rechten für EU-Bürger in Großbritannien nach dem Brexit scharf kritisiert.

In einem Artikel für die britische Tageszeitung The Guardian bezeichnet Verhofstadt den Vorschlag als “Blindgänger”, der Gefahr laufe, Menschen aus der EU zu Bürgern zweiter Klasse zu machen.

Europaabgeordnete anderer Fraktionen stellten sich hinter die Einschätzung des Liberalenchefs. So auch Philippe Lamberts, der Co-Franktionschef der Grünen, der gegenüber Euronews erklärte:

“Was hier ein “großzügiges Angebot” genannt wird, ist das bei Weitem nicht, wenn man es mit den Rechten vergleicht, die britische Bürgerinnen und Bürger auf dem Kontinent genießen werden, die die EU allen Bewohnern aus Drittstaaten gewährt. Demgegenüber sind die Rechte, die die britische Regierung bereit ist zu gewähren, mehr oder weniger die von Bürgern zweiter Klasse. Sie nennen es “Angesiedelten Status” – man kann den erwerben, nicht auf einfache Weise, und wenn man ihn einmal hat, kann er auch wieder entzogen werden.”

Zuvor war bekannt geworden, dass Premierministerin May einen früheren Vorschlag ihre Vorgängers Cameron, der EU-Bürgern unveränderte Rechte nach dem Brexit gewähren sollte, als damalige Innenministerin blockiert hatte.

Unsere Expertin, die stellvertretende Direktorin der europäischen Denkfabrik Bruegel, Maria Demertzis erklärte:

“Ein spezieller Drittstaatler-Status würde einen sehr viel schwierigeren Zugang zum Vereinigten Königreich bedeuten, für Touristen ebenso wie für diejenigen, die dort arbeiten wollen. Meiner Ansicht nach wäre das sehr schlecht für Großbritannien, denn all die vielen hochqualifizierten Arbeitskräfte aus der EU, die dort gegenwärtig arbeiten, in der City oder in den Krankenhäusern, würden nicht gerade ermutigt, dort zu bleiben. Das hätte negative Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes.”

Das Thema Bürgerrechte nach dem Brexit steht auf der Tagesordnung der nächsten Verhandlungsrunde in der kommenden Woche.