"Brexit könnte für die Region eine Katastrophe bedeuten"

Tagesanbruch im niederländischen Harlingen. Ein Fisch-Trawler kehrt in den Hafen zurück mit dem Fang von einer Woche, zumeist Scholle.

Die niederländischen Fischer werfen ihre Netze vor allem in der westichen Nordsee, den Hoheitsgewässern Großbritanniens, aus.

Doch mit dem nahenden Brexit geht hier die Furcht um, demnächst aus diesen Fanggebieten ausgeschossen zu sein.

Wenn die Fischer nach dem Brexit die britischen Gewässer verlassen müssten, werde sich die gesamte Flotte in niederländischen und deutschen Gewässern tümmeln, warnt Tromp van Slooten, ihm gehört der Trawler. Dann drohe dort die Überfischung, und das sei sehr schlecht. Das verheisse für die Fisch-Industrie keine gute Zukunft.

Tromps Fang wird mit dem Lastwagen zum Fischmarkt nach Urk gebracht, etwa anderthalb Stunden entfernt.

In dieser Gegend ist Fisch das Rückgrat der Wirtschaft.

Der Fisch wird aussortiert, gewogen und auf dem Markt verkauft.

"Der Fischmarkt ist das Herz von Urk. Etwas ein Drittel des niederländischen Fisches wird hier verkauft. Und 40 Prozent dieser Ware stammt aus britischen Gewässern", sagt unser Reporter Damon Embling.

Urk ist ein pittoresker Küstenort. Die Symbole des traditionellen Fischfangs sind überall zu sehen.

Er ist die Lebensader einer ganzen Region.

Brexit könnte für die Region eine wirtschaftliche Katastrophe bedeuten, sagt Geert Meun vom Verband der Berufsfischer.

Fabriken müssten geschlossen, Trawler außer Dienst gestellt werden. Wenn die britischen Gewässer nicht mehr zugänglich seien, könnten in Urk und Umgebung die Lichter aus gehen.

Für die Fischer ist das Warten auf den Brexit in einem Jahr eine Zeit der lähmenden Unsicherheit.

Es gebe viele Fragen, aber keine Antworten, ist zu hören.

Urk ist nicht allein. Viele niederländische Fischerorte sind in derselben Lage - wie auch andere EU-Länder.

Aber auch Optimismus ist zu hören, in Brüssel.

Praktisch alle Nordsee- und Atlantik-Anrainerstaaten fischten in britischen Gewässern, sagt der Vorsitzende der Europäischen Fischerei-Allianz Gerard van Balsfoort. Am Ende werde es aber einen Kompromiß gehen, der der heutigen Situation ähnlich sei: gemeinsame Bestände, gemeinsame Märkte.

So hoffen auch die Brexit-Unterhänder. Doch ein unruhiger Seegang ist nicht ausgeschlossen.